Mo 14. Mai 2018
20:30

Heinz Sauer & Jasper Van’t Hof (D/NL)

Heinz Sauer: tenor saxophone
Jasper Van’t Hof: piano, keyboards

Dieses Konzert markiert das bis heute einzige musikalische Zusammentreffen der beiden Jazzmusiker HEINZ SAUER & JASPER VAN’T HOF im Rahmen des 8. New Jazz Festivals am 13.11.1983 in der Fabrik in Hamburg. Saxophonist und langjähriges Mitglied des Jazz Ensembles des Hessischen Rundfunks Heinz Sauer und der niederländische Pianist Jasper Van’t Hof, bekannt aus zahlreichen namhaften Jazz-Projekten, gestalten hier ein abwechslungsreiches, eigenartiges Jazz-Konzert. Die ungewöhnliche Mischung aus Saxophon-, Piano- und Synthesizer-Klängen macht dieses Duett zu einem zeitlosen Hörerlebnis.

Diese bisher unveröffentlichte Aufnahme aus dem Jahr 1983 will nicht historisch betrachtet werden. Denn die hier gefeierte Ton- und Begegnungskunst steht sozusagen über geschichtlichen Entwicklungen monumental für sich selbst und die Ewigkeit.

Heinz Sauer, derzeit übrigens noch genauso aktiv wie bei der hier vorgestellten Produktion vor zweiunddreißig Jahren, zeigt sich als einer der größten Klang-Magier des Tenorsaxophons, der nicht den einmal gefundenen Ton als genügsame Errungenschaft heraushängt. Der ist zwar in der Mitte des Geschehens, als eine Art Visitenkarte, meistens hörbar, bricht aber immer wieder auf in Überblasfarben, schartige Tiefen oder in den Schönklang sanglicher Höhen. Auch das Vibrato spielt eine absolut nicht mechanische, sondern variantenreich gestalterische Rolle. Dazu nun also, in der spannendsten, kleinsten Gemeinschaft des Jazz, dem Duo: der holländische Tastenvirtuose Jasper Van‘t Hof, dessen unberechenbare Vielseitigkeit, phantastischer Humor und stete Gesprächslust nie seiner Konzentration und intellektuell souverän gesteuerten Technik im Wege stehen. Dass er einer der sympathischsten lebenden Jazzmusiker mit einer wärmenden Lust an zwischenmenschlichem Kontakt ist, sei als persönliche Anmerkung gestattet.

Das Programm eröffnet mit einer rhythmisch freien, rezitativischen Einstimmung, die auf Van‘t Hofs Thema „Merel“ hinführt. Was dann und im „A Classical Preacher“ von Heinz Sauer und weiterhin bis zum Ende dieser Konzertaufnahme mit den motivischen Anregungen von höchster Finesse, was da an Spiellust und genialer Beziehungsverflechtung passiert, wie sich Freiheit und Bindung um einander drehen, wie Van‘t Hofs perlende Virtuosität und Sauers Klang-Kosmos zu- und auseinander kommen – für diese Art von freiem Nicht-Free Jazz muss man eine Bezeichnung erst noch finden. (Ulrich Olshausen, über die CD Hamburg Episode: Live in der Fabrik Hamburg, 2015)

Es ist interessant zu hören, welche Kleinode mitunter aus der Tiefe der Zeit an die Öffentlichkeit gespült werden. Neben Sireena, vornehmlich im Bereich Kraut-/Psychedelic-/Progressive-Rock tätig, zeichnet sich auch M.I.G.-Music durch Entdecker- und Erwecker-Qualitäten aus, diesmal dem Jazz verbunden, und zwar solchem der intimen, kleinen Besetzungs-Art.

„Hamburg Episode – Live At Fabrik“ ist die klar klingende Aufzeichnung eines Auftritts aus dem Jahr 1983, bei dem sich Saxophonist Heinz Sauer und Keyboarder Jasper Van’t Hof gleichberechtigt ergänzten, umspielten, die musikalischen Bälle zuwarfen und in stiller Eintracht, zwischen fast schwebender Harmonie und knarzigen Freiflügen Richtung Atonalität changierten.

Dabei verlieren sich die sinnliche Schönheit nicht in Banalität und die Klangeruptionen nicht in blinder Zerstörung. Selbst Hörer, die Free Jazz eher ablehnend gegenüberstehen, können gut und gerne beide Ohren riskieren.

Das Duo präsentiert sich unprätentiös, nicht auf grelle Effekte bedacht. „Fly mon Coeur“ tastet sich langsam heran, unterfüttert von flirrenden Synthesizern – deren Klang der auffälligste Hinweis auf die Entstehungszeit ist – beginnt Heinz Sauer mit sanften, dunklen Tonfolgen, bevor sich sein Saxophonspiel in höhere Regionen vorwagt und aus den sachten Klagelauten scharfkantige, sich berstende Seufzer werden. Doch bevor die Stimmung kippt, wird haltgemacht; Jasper van’t Hof wechselt ans Klavier und sorgt für eine stete, rhythmische Komponente, vor der Sauer bedächtig und beinahe jazzrockig melodiös auf das „Merel“-Thema von zärtlich-spröder Eleganz hinarbeitet. Den Auslauf ins Freie zum Übergang unternimmt diesmal Jasper Van’t Hof.

Auf dem gesamten Album herrscht eine charmante Unaufgeregtheit, die allzu Kontemplatives erdet und ein Umkippen ins Stressige und Kapriziöse gar nicht erst zulässt.

FAZIT: „Hamburg Episode – Live At Fabrik“ ist ein abwechslungsreiches Duett, dass unverhohlen mit Freejazz flirtet, dabei jederzeit entspannt, friedvoll und grazil bleibt. Zu Recht nach einer Dreiviertelstunde mit reichlich Beifall bedacht. (Jochen König)