Mi 28. November 2018
20:30

Nicola Conte & Spiritual Galaxy ‘Let Your Light Shine On’ (I)

Nicola Conte: guitar, vocals
line up tba

Neues Album von Nicola Conte: Ein italienischer Jazzer auf dem Afro-Trip

Mit seinem neuen Album hat sich Nicola Conte wieder neu erfunden. (imago/ANE Edition)
Auf ein Genre will sich der Musiker, Produzent und Radio-DJ Nicola Conte nicht beschränken. Nach einem Ausflug in die brasilianische Musik schlägt er auf seinem Album "Let your light shine on" eine neue Richtung ein.

Nein, Nicola Conte kann sich keine herkömmliche Karriere aufbauen und ganz vorhersehbar immer wieder neue Versionen seiner Hits einspielen. Will er auch gar nicht. Er springt lieber zwischen den Stilen hin und her, produziert Jazz-Compilations und Platten brasilianisch geprägter Musiker, er legt elektronische Musik auf und betreibt eine eigene Radiosendung. Für sein Publikum mag das verwirrend sein. Für ihn ist es eher logisch.

"Wenn du das Gefühl hast, etwas für eine bestimmte Zeit genug erforscht zu haben, dann wird es Gewohnheit und du wendest dich einer anderen Sache zu. Das sind Prozesse, die sich über Jahre hinstrecken bis man eine Sache völlig durchdrungen hat."

Und so war es für Nicola Conte auch ein eher logischer Schritt vom Jazz und brasilianischer Musik hin zu den Rhythmen des afrikanischen Kontinents.

"Irgendwie war ich mit brasilianischer Musik durch, hörte aber noch die alten Capoeira-Aufnahmen und die Afrosambas. Ich ging immer weiter zurück, bis ich mir eine Brücke nach Afrika baute. Das gleiche im Jazz. Da hörte ich erst den modalen Jazz, dann den spirituellen und schließlich interessierte mich mehr das percussive Element im Jazz, dieses Fundament, welches mich auch wieder nach Afrika zurückführte. Aber ich brauchte wohl zuerst diese anderen Musiken, die dichter an meiner eigenen Kultur dran sind, bevor ich auf Dinge stieß, die mir ein ganz anderes Universum eröffneten."

"Let your light shine on" ist kein Weltmusikalbum, auch wenn es auf den Rhythmen und vor allen Dingen den Melodien vom afrikanischen Kontinent beruht. In erster Linie ist es wohl so etwas wie ein überwiegend akustisch eingespieltes Dance-Album.

"Dieses tribal Element in der Musik gibt es ja schon lange und nicht nur in der elektronischen Musik. Für mich geht es darum, einen Augenblick der Veränderung in der Kunst oder der Kultur festzuhalten. Für mich liegt es regelrecht in der Luft, dass wir aus den alten Klischees von Rhythmus und Kunst ausbrechen müssen, auf denen schon so viel Druck lastet."

Natürlich, denn für Nicola Conte ist Musik auch immer ein Ausdruck von Philosophie. Und wenn er sich dann einer neuen Idee zuwendet, dann muss dabei zumindest auch ein neuer gedanklicher und musikalischer Ansatz dahinter stehen. Schwierig in einer Zeit, in der Afrobeat und Afrohouse scheinbar immer stärker auf dem Vormarsch sind.

"Die schlimmste Zeit im Entstehen dieser Platte war für mich, als ich mich immer testete und aufpasste, dass es bloß nicht nach diesem und jenem klingen sollte, sondern einen ganz natürlichen Fluss hatte. Ich habe keine Ahnung, ob ich das am Ende erreicht habe, aber wenigstens habe ich es versucht."

"Wenn du die alten afrikanischen Platten hörst, dann hast du so gut wie nie richtig gute Improvisationen. Du hast immer eine tolle Stimmung, aber mir fehlte dieses Element der Improvisation aus dem afroamerikanischen Jazz und das wollte ich gewissermaßen in die ursprüngliche Musik zurück übertragen."

Und dieser Ansatz ist ihm durchaus gelungen. Damit ging er auch höchst intelligent der Frage nach der kulturellen Aneignung aus dem Weg. Auch wenn afrikanisch inspirierte Musik immer stärker auf dem Vormarsch in den internationalen Clubs ist – vergleichbare Platten mit einem derart genreübergreifenden Ansatz, der sich nicht nur auf den Beat reduziert, gibt es kaum. Und damit hat Nicola Conte sich nicht nur wieder neu erfunden – er hat auch allen ein Schnippchen geschlagen, die da meinten, er würde auf den längst schon fahrenden Afrozug aufspringen. Ganz im Gengenteil: Zeigt er doch mit seiner Musik, wie unkreativ die vielen reduzierten "Afrobeats" anderer Produktionen oft sind. Dieser Zug rollt auf einem Nebengleis, während der Italiener gerade erst so richtig seine kreative Fahrt aufnimmt. (Thorsten Bednarz, www.deutschlandfunkkultur.de)