So 7. April 2019
20:30

Harry Sokal & Depart (A/CH/SK)

Harry Sokal: tenor, soprano saxophone
Heiri Kaenzig: bass
Martin Valihora: drums

Tja, es hebt wieder ordentlich ab. Da biegen sich die Balken, da wackeln die Wände, es herrscht wieder funkige, groovetriefende Unruhe in der Abflughalle. Die Wiederbefeuerung des Unternehmens Depart ist mehr als geglückt. Doch Depart wehret den Anfängen, soll heißen, dass man den Faden, den die Erstbesetzung mit Fredi Studer am Schlagzeug auslegte, wieder aufnimmt. Das rhythmische Innenleben ist, zusehends luftiger und tänzelnder, und es trägt sich wieder, betreffend der Improvisationen, viel mehr an Unkalkulierbarem, in einem vordefinierten Rahmen, zu. In kurzen Episoden legt das Trio seine mit reichlich vertrackten, aber dennoch leichtfüßig einherschreitenden Motiven angereicherte Musik, offen. Der vorhandene, unverbrauchte melodische Reigen und das diesbezügliche Raffinement sind erstaunlich. Dahingehend zeichnet sich vor allem Bassist Känzig als Hauptverfasser der Themen aus. Nicht weniger aber besticht er mit seinem enorm flexiblen, singenden Spiel, das er aus treiben Ostinaten entwickelt. Harry Sokal, Premier-League-Saxofonist, improvisiert detailreich und mit einer Leidenschaft bzw. Imaginationskraft, wie schon lange nicht. Er wendet und dreht Changes und Licks mit Witz und Idee, wodurch er ihnen eine erfrischend „neue“ Inhaltlichkeit gibt. Man höre nur die durchgeknallte Version des Erzherzog Johann Jodler. Ebenso ist aber auch das Melos für ihn von immanenter Gewichtung. Dem schließt sich auch der junge slowakische Drummer Valihora, eine beachtenswerte Nachwuchspersönlichkeit, an, der sein variabel groovendes, elastisches Spiel mit einer melodischen Nuance verziert. Des Trios Ansatz: Melodiemagnetismus im Austausch mit explizit rhythmischem Bewegungsdrang. Angesiedelt in einem klassizistischen Jazzduktus mit Bezug zur Funkiness des Hard Bop, doch die bewusste Zeitgenossenschaft steht für ein pralles musikalisches Ergebnis. (haun, Freistil 54, 2014)