Do 9. Mai 2019
20:30

GoGo Penguin (GB)

TICKETS:

Chris Illingworth: piano
Nick Blacka: bass
Rob Turner: drums

Wir stellen fest, dass wir auf einem unbedeutenden Planeten eines eintönigen Sterns leben, der sich in einer Galaxie verirrt hat, die in einer vergessenen Ecke eines Universums versteckt ist, in dem es weit mehr Galaxien als Menschen gibt.“ Diese Sätze stammen vom populären US-Astronomen Carl Sagan (1934–1996), der das Adjektiv „humdrum“ für unsere Sonne liebte, so nannte er die Erde einmal auch „a hunk of rock and metal that circles a humdrum star“. In dieser Variante könnte man mit der Doppeldeutigkeit der Wörter „rock“ und „metal“ spielen, das britische Jazztrio GoGo Penguin – das freilich viel eher aussieht wie eine Rockband – tut das nicht, dazu ist ihm die Sache zu ernst. Es nennt sein viertes Album „A Humdrum Star“ und lässt das so stehen. Die radikale Bedeutungslosigkeit im All ist ja auch etwas Erns­tes, sie relativiert die Gefühle, die unsere Herzen zu sprengen drohen, zu Details in einem herzlosen Universum.

Das Wissen darüber meint man aus der Musik von GoGo Penguin zu hören, sie wirkt, auch in erregten und feierlichen Momenten, irgendwie sachlich. Als ob sie eher anorganische Ereignisse schilderte als organische. Oder: das Staunen, das anorganische Ereignisse in uns auslösen. Insofern erinnert sie an den programmatisch kühlen – meist europäischen – Jazz, der vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren beim Label ECM erschienen ist, etwa an die Stücke nordeuropäischer Jazzer wie Terje Rypdal, die oft wie Betrachtungen von geologischen Ereignissen anmuteten. GoGo Penguin gehen da eben noch weiter und blicken auf die Sterne. Dass sie bei Blue Note veröffentlichen, wirkt fast unpassend, steht doch dieses Label für Jazz, in dem der menschliche Groove zentral ist. Und Groove gibt es bei GoGo Penguin keinen, selbst wenn sie ganz vertrackt swingen. (Thomas Kramar, Die Presse, 20.02.2018)

Eine Veranstaltung von Pescadero GmbH