Fr 13. September 2019
20:30

Christoph Cech Jazz Orchestra Project (A)

Leo Eibensteiner: flute
Vincent Pongracz: clarinet
Astrid Wiesinger: alto, soprano saxophone
Robert Schröck: alto, baritone saxophone
Chris Kronreif: tenor saxophone, flute
Manfred Balasch: tenor, soprano saxophone, bass clarinet, flute
Florian Fennes: baritone saxophone, flute
Sebastian Höglauer, Dominik Fuss, Alexander Kranabetter, Markus Pechmann: trumpets, fluegelhorn
Alois Eberl, Clemens Hofer: trombones
Florian Heigl: bass trombone
Tobias Ennemoser: tuba
Andreas Erd: guitar
Philipp Kienberger, Tibor Kövesdi: bass
Patrick Pillichshammer, Andi Senn: drums
Tomas Novak, Simon Frick: violins
Jelena Poprzan: viola
Arne Kircher: cello
Thessa Habeler, Anna Anderluh: vocals
Christoph Cech: synthesizer, composition, conduction, daddyism

„Durchatmen ?!........“ nach Titan (2016), Blue (2017) und Metrix (2018) atmet vorerst einmal nur der komponierende Kopf Cech durch, die Band wünscht sich einige weitere Aufführungen aus dem Hitpool Titan und Blue und auch weitere Versuche mit den knackigsten Metrixnüssen, welche wir ein weiteres Mal aufnehmen wollen. Dem Porgy & Bess sei Dank, dass unser Publikum, welches wir wieder gewohnt zahlreich erwarten, den Luxus erfährt, was für Quantensprünge noch möglich sind, wenn eine Biggestband dieser Qualität Werke nach einer Liegepause wiederaufnimmt. Kenner der richtigen Behandlung von Rindfleisch oder gutem Wein wissen sofort, was gemeint ist.

Liebes Publikum, an Deinem CC JOP Menu 2019 wird nichts auszusetzen sein, außer dass der Tisch, auf dem angerichtet ist, bebt und zittert. (Christoph Cech)

Rhythmische, metrische Abstrusitäten und Verrücktheiten müssen zuhauf in Christoph Cechs Kopf herum wuseln. Ergo wirbeln sie gleichwohl durch seine irrwitzigen Partituren. Diese beschreiben das abschließende Kapitel der Jazz Orchestra Projekt Trilogie, welches sich primär um das musikalische Phänomen Metrum im Jazzidiom rankt. Cech besitzt die einzigartige Gabe, mit der nicht allzuviele Musiker aufzeigen können, diesen rhythmischen Fundus einem wirkmächtigen Ordnungsprinzip einzuverleiben. Ein Ordnungsprinzip das dieser unermüdliche Musikerfinder, aus dem die Ideen anscheinend unangestrengtest hervorquellen, nie in Künstlichkeit oder Schreibtischkonstruktivität ausarten lässt. So abenteuerlich auch die metrische Ordnung innerhalb eines Taktes, von Takten zueinander oder von Taktgruppen durcheinandergewirbelt wird, Cech lässt mit präzisem Fokus jede Sekunde die elementare Kraft des Metrums, des Beat spürbar werden. So intensiv er sich in den ersten beiden Kapiteln den harmonischen und melodischen „Unendlichkeiten“ zuwandte, so halsbrecherisch jongliert er nun mit rhythmischen Weg- und Unwegbarkeiten. Schon im Auftaktstück lief die Periodizität und Symmetrie der rhythmischen Akzentuierung auf lustvolle Weise „Amok“. Ungerade Taktarten flogen einem nur so um die Ohren. Off-Beat Feuerwerke zündeten unentwegt. Beispielsweise durchbohrte eine messerscharfe Melodierhythmik des Trompetensatzes, erweitert um zwei markante feminine Gesangsstimmen, die rhythmisch fließende Polyphonie des Saxophonsatzes. Die doppelt besetzte Rhythmusfraktion potenzierte, außerordentliche Gelenkigkeit aufbietend, die Druckwelle die der geschlossene Klangkörper aussandte mit verquerem Rockhabitus in aller Jazzoffenheit. Horizontweitend spielte Cech selbstredend auch diesmal mit der unorthodoxen Klangfarbigkeit seiner very big Band (26-köpfig).

Wenn er dem integrierten Streichquartett eine aparte Zwölftonreihe zuschreibt, fein gewebt, die plötzlich in stakkatohaftes rhythmisieren verfällt und sich mit Schärfe an den unsymmetrischen Blechbläserriffs reibt. Im nächsten Moment umspülen einen schon wieder komplizierte zusammengesetzte oder gemischte Taktarten. Das Orchester öffnete seinen klangfülligen Schlund. Es entsteigen ihm die Signale die auf die Vielfalt beim Umgang mit Deutlichkeit oder Auflösung, mit Determiniertheit und Unbestimmtheit in Cechs fulminant arrangierten Kreativakten verweisen. Allerdings ist sich Cech genau gewahr um die Wichtigkeit der Identität und Leidenschaft jedes(r) einzelnen Mitmusikers/Mitmusikerin um die Notentexte aufleben lassen zu können. Er wusste die organische Fortschreitung der Kompositionen in profundesten Händen. Damit im Einklang steht sein außergewöhnliches Sensorium für die Fähigkeiten und Neigungen jedes(r) einzelnen, daraus folgernd er in den Partituren die entsprechenden Auslassungen für die persönlichen Entäußerungen vorsieht. Nicht nur, dass die MusikerInnen grandiose Ensemblespieler sind, leuchteten sie gleichfalls als inbrünstige ImprovisatorInnen. Zwei, des jungen Jazzfreundeskreises erhellten diesmal besonders. Die Saxophonistin Astrid Wiesinger, die in ihrem Solo mit größtem Selbstverständnis Regionen zwischen Splitterklängen, stürmischen Glissandi, Extremfarben und sperriger Schlichtheit ausreizte bzw. Saitenwizzard Andreas Erd, der rockimmanente Frickelei überlegt mit Fantasiegesprudel aus dieser Umzäunung hinaus trieb. Ein Kind von Traurigkeit ist Cech ebenfalls nicht. Hinreißend legte er dies in der paraphrasierten Version des Pharoah Sanders/Leon Thomas Klassikers „The Creator Has A Masterplan“, die Cech zu „The Creator Has A Metrixplan“ ummünzte, dar. Oder wenn er ein auf arabischen Skalen basierendes Stück in „Kashmir“ auf „cechisch“ auslegt. In dieser Ton- und Taktart ging es weiter. Alles in einer schwerelosen Balance wo der Impuls die Reflexion ebenso anstacheln, wie das Kalkül die Geste beleben kann. Einer der ganz großen Apologeten des jazzorchestralen Voranschreitens, die dahingehende Tradition immer als „Neurotransmitter“ verstehend, ist Christoph Cech. Und ERhat den Masterplan für die Metrix. (Hannes Schweiger, über das Konzert vom September 2018)