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  Tätigkeitsbericht 2015
  Allgemein: Das Porgy & Bess versteht sich als Jazz & Musicclub mit pluralistischem Programmangebot. Das Porgy & Bess fungiert als Ort der musikalischen Begegnung, Auseinandersetzung und Konfrontation für Musiker und Publikum. Hauptaugenmerk liegt auf der Realisierung einer Struktur, welche die vielfältigen Artikulationsmöglichkeiten der heimischen (Jazz-)Szene bzw. neue Entwicklungsperspektiven berücksichtigt (z. B. die Arbeit mit internationalen Gastmusikern). Des Weiteren ermöglicht ein Club, der als „meeting point“ der heimischen kreativen Szene fungiert, Erfahrungsaustausch über stilistische und ästhetische Grenzen hinweg, ist Experimentierfeld für unterschiedlichste Projekte, die nicht dem Diktat eines „ultimativen Statements“ unterliegen müssen, ein Podium für kontinuierliche Weiterarbeit und -entwicklung. Eine Hauptintention des Porgy & Bess ist die Kooperation heimischer Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster künstlerischer Herkunft, was der Tendenz einer musikalischen Ghettoisierung entgegenwirkt.
Die europäische Jazzszene hat sich in den letzten Jahrzehnten endgültig als eigenständige und innovatorische Kraft im Jazz etabliert. Nachdem sich das P&B als europäischer Jazzclub definiert, ist es selbstverständlich, kreatives europäisches Musikschaffen zu präsentieren. Kooperationen mit europäischen Partnern sowohl in der Club- (Moods/ Zürich, Jazzhouse/Kopenhagen, Stadtgarten/Köln, Unterfahrt/München, AMR/Genf, Bimhuis/Amsterdam...) als auch in der internationalen Festivalszene (Le Mans, Moers, Berlin ...) beleuchten verstärkt differenzierte Bereiche außerösterreichischer Improvisationsauffassungen. Intensive Kontakte vor allem mit Veranstaltern und Musikern des ehemaligen Ostblocks (Slowakei, Tschechien, Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien, Litauen, Russland, Estland, Serbien-Montenegro, Kroatien, Albanien ...) führen zu einem internationalen Kulturaustausch (siehe Festivalserie „Step across the border“).
Jazz wird historisch als afro-amerikanische Musik definiert, und immer noch kommen innovatorische Impulse aus dem „Mutterland des Jazz“: zwei gute Gründe, warum einerseits die großen amerikanischen Solisten dieser Musik, andererseits auch die nachstrebenden Generationen programmatische Berücksichtigung finden.

Zu den Facts: Der „Hauptraum“ des P&B wurde 2015 an 320 Tagen mit insgesamt 354 öffentlich zugänglichen Produktionen bespielt. Dazu kamen 79 Konzerte in der Strengen Kammer und 8 Vernissagen in der Public Domain. Im Jahr 2015 besuchten über 71.000 Personen die Veranstaltungen im Hauptraum des P&B. Knapp mehr als 2.000 Besucher verzeichnete die Strenge Kammer.
Das Gesamtbudget des P&B betrug 2015 rund 1,6 Mio €. Das Bundeskanzleramt unterstützte den laufenden Betrieb mit 150.000.- €, die Stadt Wien mit 110.000.- €, was einer Subventionierung in der Höhe von 16 % des Gesamtbudgets entspricht. Die Eigendeckung beträgt demnach ca. 84 %! Knapp 5 % stammen von Sponsoren wie Thomastik-Infeld, Ottakringer, AKM, Austro Mechana, Veranstalterverband, Universal, ORF, AKG ... (Seit 2015 müssen wir den Ausfall unseres Hauptsponsors, der in der Vergangenheit ca 10 % des Jahresbudgets zur Verfügung stellte, kompensieren!) Die Eintrittseinnahmen liegen bei ca. 60 %. Die restlichen Gelder stammen aus Vermietungen und hauptsächlich aus der verpachteten Gastronomie.

Nachstehende Schwerpunkte wurden im Jahr 2015 gesetzt:

Januar
Nach dem bereits traditionellen Auftritt der österreichischen Gitarrenlegende Karl Ratzer wurde das Jahr mit einem Konzert des in Wien lebenden Tubisten Jon Sass eröffnet. Bereits zum wiederholten Male präsentierte der Jazz-Abteilungsleiter des Konservatorium Privatuniversität Wien, Roman Schwaller, im Rahmen der kons.jazz.afternoons vielversprechende junge Talente. Im Zentrum stand das 3-Tages-Portrait der US-amerikanischen Gitarrenlegende James Blood Ulmer, der mit unterschiedlichen Formationen, auch mit österreichischer Beteiligung, zu hören war.
Neben den Auftritten von heimischen Musikern wie Max Nagl, Gina Schwarz oder der Formation chuffDrone sei noch auf das Konzert des LiLu-Orchesters verwiesen, das aus MusikerInnen der Jazzabteilungen in Luzern und Linz besteht und von Christoph Cech & Hämi Hämmerli geleitet wird.

Februar
Einige herausragende Vertreter der jüngeren internationalen Szene waren zu Gast: Zhenya Strigalev, Jeremy Pelt, Shayna Steele ... seien exemplarisch genannt.
Bereits zum dritten Mal fand das von Christoph Pepe Auer initiierte und kuratierte Session Work Festival statt – eine Art Leistungsschau des jungen austriakischen Jazz. Internationales Highlight war der Auftritt der kubanischen Trompeten-Legende Arturo Sandoval, der ein rares, aber dafür umso mehr beachtetes Club-Gastspiel gab. Auch sei an dieser Stelle auf die Aktivitäten der sogenannten „Strengen Kammer“ hingewiesen, die sich, umsichtig kuratiert von Renald Deppe, zu einem Hotspot für die junge, experimentelle heimische Szene entwickelt hat.

März
„Wortspiele Wien“, ein Literaturfestival, das 2015 bereits zum elften Mal im P&B abgehalten wurde (diesmal in der Strengen Kammer), präsentierte wieder Debüt-Arbeiten junger heimischer Literaten. Weitere Kooperationen fanden in diesem Monat mit der Jeunesse, mit dem Internationalen Akkordeonfestival sowie mit dem Österreichischen Komponistenbund statt. Die Formation „JazzMed“, allesamt Ärzte, die auch Musiker sind, gab ein Benefiz-Konzert zugunsten von „Ärzte ohne Grenzen“. Highlight war wohl der zweitägige Auftritt des Bass-Superstars Marcus Miller, der sich sichtlich und hörbar im Club sehr wohl fühlte. Verwiesen sei auch noch auf die Konzerte der Schlagzeug-Legenden Billy Cobham und Lenny White, die den Fusion-Jazz der 1970er Jahre wesentlich geprägt haben. Mit Jools Holland kehrte der populäre britische TV-Star (Later ... with Jools Holland) auf unsere Bühne zurück.

April
Highlight des Monats war das dreitägige Portrait des österreichischen Komponisten und Trompeters Franz Koglmann, der im ersten Teil jeweils mit Kleinformationen gastierte (u. a. mit Peter Herbert, Oskar Aichinger, Mario Arcari) und im zweiten mit Kompositionen für sein Pipetet (Dirigent: Gustav Bauer) bzw. für das Ensemble des XX. Jahrhundert unter der Leitung von Peter Burwik zu erleben war.
Internationale Stars wie Ray Anderson, Pete York, Sheila E, Stanley Clarke, Diane Schuur ... waren ebenso zu Gast wie austriakische Kapazunder: Wolfgang Puschnig, David Helbock, Lukas Kranzlbinder... Kooperiert wurde dieses Monat mit dem Festival „Wean Hean“ und mit dem Jazzmagazin „Freistil“, das 10-jähriges Jubiläum feierte. Außerdem fand ein dreitägiges Festival mit dem Titel „Echoes From Armenia“ statt – aus Anlass des 100. Jahrestages des armenischen Genozids.

Mai
Internationale Stars wie James Carter, Ron Carter, Maceo Parker, Dino Saluzzi, Dave Weckl, Steve Kuhn, Simon Phillips, Pat Martino, Terri Lyne Carrington, Meshell Ndegeocello, Pee Wee Ellis, Cecile McLorin Salvant ... gaben sich sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Daneben präsentierte Vincent Pongracz seine aktuelle Einspielung mit seinem Synesthetic Octet, das als Stageband im P&B fungierte. Und der Komponist und Schlagzeuger Christian Mühlbacher gastierte ein wiederholtes Male mit seiner spektakulären Formation „Mühlbacher usw.“, die 1995 im „alten“ P&B entstanden ist. Darüber hinaus waren auch Ensembles um die Gitarristen Andy Tausch und Hannes Riepler zu hören. Erwähnt werden muss außerdem das fantastische Konzert des Octets von Steve Lehman, der damit (nicht nur) die internationalen Kritiker überzeugte.

Juni
Im Zentrum des Programms stand das sog. „kons.jazz.festival“, das gemeinsam mit dem Jazzabteilungsleiter des Konservatorium Privatuniversität Wien, Roman Schwaller, organisiert wurde. Die Strottern und die JazzWerkstatt Wien beendeten ihre erfolgreiche Stageband-Reihe. Mit dem in den USA lebenden, aus Israel stammenden Sänger Matisyahu beehrte uns ein durchaus provokanter Künstler an der Schnittstelle Rap/Reggae/Religion, und mit dem mittlerweilen über 85-jährigen Rolf Kühn besuchte uns eine zentrale Figur der deutschen Nachkriegs-Jazzszene. Auf das Konzert der beiden Veteranen Bob Mintzer und Randy Brecker Mitte des Monats sei auch noch verwiesen.

Juli
Wie die letzten Jahre auch war im Juli das Jazzfest Wien zu Gast im Club, diesmal vom 1. bis zum 8. des Monats, mit Acts wie Sarah McKenzie, Justin Kauflin, Taylor McFerrin, Hiatus Kaiyote, Jason Marsalis ...
Im Anschluss beendeten Sir Karl Ratzer im Trio und mit dem Vibraphonisten Joe Chambers sowie der großartige Branford Marsalis mit jeweils zweitägigen Gastspielen die Spiel-Saison 2014/15.

August
Die International Orpheus Music Academy gestaltete erstmals einen Abend im P&B, und zum wiederholten Male gastierte die kolumbianische Band Monsieur Periné, die auf ihrer Sommer-Tour gerne Station im P&B macht. Die verbliebene Zeit wurde zur Instandsetzung, Reparatur und Wartung der Technik und des Raumes genutzt.

September
Wie die Jahre zuvor auch veranstaltete die JazzWerkstatt Wien ihr Festival „Vienna Roomservice“ und realisierte dafür ein eigens für das P&B konzipiertes Veranstaltungs-Konzept mit Konzerten von der Strengen Kammer bis in die Musiker-Garderobe und Beschallung sogar der Toiletten. Auf der Hauptbühne wurde die „Strong Vienna – TheSoap Opera“ zur Aufführung gebracht, es spielte das Jazzorchester Vorarlberg und es gab eine spannende Begegnung des Elektronik-Künsters Dorian Concept mit dem JazzWerkstatt New Ensemble.
In Zusammenarbeit mit Friedl Preisl bespielten wir zwei Abende lang das P&B mit insgesamt 14 Bands unter dem Titel „Mund.Art.Wien“. Die Barbara Bruckmüller Big Band gab das Eröffnungskonzert als Stageband 2015/16. Außerdem wurde Anfang des Monats zum ersten Mal der „Intercultural Achievement Award“, der vom BMIEA ausgerichtet wird, vom Außenminister Sebastian Kurz übergeben. Mit „Syrian Link“ starteten wir gemeinsam mit der Organisation „vidc“ eine Konzertreihe mit syrischen und österreichischen Musikern, den Auftakt machten Salah Ammo und Orwa Saleh gemeinsam mit Julia Siedl, Peter Gabis und Uli Drechsler.

Oktober
Das Waves-Festival war Anfang des Monats zu Gast, mit Showcases im Umfeld Singer/Songwriter und Elektronica, wobei vor allem Ebony Bones und Jesper Munk überzeugten. Der österreichische Komponist und Schlagzeuger Herbert Reisinger gestaltete eine dreiteilige Personale. Gemeinsam mit der Kunstuniversität Graz wurde ein spektakuläres Projekt mit dem Bassisten Stafford James entwickelt und realisiert und mit Magma gastierte die französische Kultband seit den 1970er Jahren zum ersten (!) Mal in der Bundeshauptstadt. Der in Baden lebende Elektronikpionier Hans-Joachim Roedelius gestaltete anlässlich seines 80. Geburtstags einen vielfältigen Abend.
Internationale Stars wie John Pizzarelli, John Abercrombie, Saul Williams, David Murray, John Scofield, Joe Lovano, Henri Texier, John Mayall, Gary Bartz, Lee Konitz etc. gaben sich die Ehre und die österreichische Gitarristin und Sängerin Mira Lu Kovacs präsentierte ihre erste CD vor ausverkauftem Haus.

November
Der Titel des novemberlichen Schwerpunkts hieß, wie schon in den letzten Jahren auch, „Blue Bird“ – ein dreitägiges Singer/Songwriter-Festival in Zusammenarbeit mit der Vienna Songwriter Association. Die Jeunesse veranstaltete eine Personale von Peter Evans, der in allen drei Zyklen (zeitgenössische Musik, internationaler & heimischer Jazz) Projekte realisierte. Das KlezMORE-Festival hielt wieder seine Eröffnungs-Gala ab. Mit unterschiedlichen europäischen Partnern wurde das Projekt Criss Cross Europe realisiert, mit der aktiven Beteiligung des österreichischen Bassisten Manu Mayr. Der Doyen des österreichischen Jazzjournalismus kuratierte anlässlich seines 75. Geburtstages einen Abend mit Musikern der Generation Hans Salomon und Heinz von Hermann bis zu den „Jungen“ Clemens Salesny und Gerald Preinfalk.
Weitere Höhepunkte des Monats waren die Auftritte von Bela Fleck, Steve Gadd, Terry Bozzio, Antonio Sanchez und Ed Neumeister. Ein Abend wurde im Rahmen des Festivals „Wien modern“ realisiert.

Dezember
Im Dezember wurden wieder die Austrian World Music Awards vergeben. Auch der Fidelio-Wettbewerb fand auf der P&B-Bühne statt. Das kons.wien.jazzorchester lud den deutschen Arrangeur Joe Haider zu einem Gastspiel ein und der BAWAG PSK Next Generation Award wurde zum dritten Mal vergeben – der Hauptpreis ging an die Formation Gnigler. Zu Weihnachten gastierte Slavko Ninic mit seiner Tschuschenkapelle, und für den Jahresabschluss sorgte Sir Karl Ratzer mit seinem internationalen Sextett.

Soviel, kurz und unvollständig zusammengefasst, zum Inhalt. Christoph Huber

One of the greatest things about Jazz is that it always resides in treasured places. It’s an ongoing embrace that together we continue to cherish, and celebrate. Porgy & Bess is in jubilation of its 20th birthday. A very special event, in a very special place. (Pat Martino, 2013)

     
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