5. Februar 2013
Von Christoph Huber

Jazz & Scheuklappen

Viel ist in Programmheften und einschlägigen Gazetten in letzter Zeit von Musikern zu lesen, die keine Scheuklappen kennen, in keine Schublade gesteckt werden können, die sich kein Ettikett umhängen lassen. Doch meistens ist dann spätestens nach dem ersten gespielten Ton Schluss mit der nonkonformistischen Freigeistigkeit – und die nicht einordenbaren Künstler greifen ohne Scheu und Scham mit vollen Händen in die (Motten-)Kiste der Musiktradition und bringen die sonderbar- und wunderlichsten Dinge hervor, deren Aneinandereihung alleine aber auch nichts Neues hervorzubringen vermag. Da kann es dann schon vorkommen, dass man ein Festival besucht, wo die Bezeichnung Jazz groß darüber prangt, aber einem vorkommt, man hätte sich auf eine FM4-Sause, einem Designer-Techno-Clubbing, auf ein trautes Kaffeekränzchen für Pop-Nostalgiker oder gar ins Musikantenstadlpensionistenheim verirrt.

 

Verstehen Sie mich richtig – ich bin kein Purist, spreche seit vielen Jahren dem musikalischen Pluralismus das Wort, bemerke auch beim Programm des P&B , dass die Kategorie „... & Music“ an Relevanz gewinnt, denke aber trotzdem (und da bin ich ausnahmsweise einer Meinung mit dem Kulturchef der „Presse“), dass Scheuklappen nicht notwendigerweise etwas Schlechtes sind. Weil es eben nicht nur darum geht, zu zeigen was man kann und weiß, sondern vermehrt was man wirklich will. Und um diesbezüglich Richtung zu halten, können erwähnte Hilfsmittel durchaus von Nutzen sein.

 

Also: Wir machen Programm mit Menschen, die aussuchen können, ob sie Scheuklappen auf- oder absetzen wollen. Wir versuchen die bestmögliche Voraussetzung zu schaffen, damit Musik sich entfalten kann, inklusive der Möglichkeit, dass das gewünschte und/oder gewollte eben auch nicht funktioniert. Auf der P&B-Bühne kann man scheitern und dort soll man auch scheitern dürfen (obwohl das natürlich niemand will). Aber ohne dieser Möglichkeit kann man auch schwer ein sog. „Highlight“ kreieren. Und solche wollen wir noch desöfteren erleben!

 

In diesem Sinne: Willkommen im Club