Mo 13. September 2021
20:30

Odean Pope Quartet (USA)

Verschoben !

Odean Pope: tenor saxophone
Tom Lawton: piano
Lee Smith: bass
Craig McIver: drums

Diese Nachricht des Managements von Odean Pope erreichte uns am 27. Mai: „Odean had a meeting with the band yesterday to make a final decision about the Sept tour, and they are not comfortable with the idea. It's not the gigs themselves, it's all the flights involved, in close quarters with people from all over the world. As we have seen, the vaccines are not foolproof, and they just don't want to take the risk. Odean is in his 80's and Lee and Tom are senior citizens too now.“
Wir bedauern und respektieren diese Entscheidung und arbeiten an einem Termin im Frühjahr 2022. CH

(...) "Jazz und spirituelle Musik sind gleiche Größen", sagt Odean Pope. Der 71-jährige Altmeister des Phildelphia-Jazz muss es wissen. Über zwanzig Jahre lang spielte er in der Band des stilbildenden Schlagzeuger Max Roach und erlebte, wie sich der Jazz über die Generationen hinweg wandelte und verformte. Für junge Musiker gilt Pope, der selbst nicht nur noch immer öffentlich auftritt sondern auch unterrichtet, als Vorbild - wenngleich Odean Pope längst nicht mehr alle neuen Strömungen der jüngeren Jazzgeschichte für sich und seine Musik umsetzt.

Die Spiritualität seiner Kunst ist unverkennbar. Geboren am 24. Oktober 1938 in Ninety Six, South Carolina, und aufgewachsen in Philadelphia, hat Odean Pope sie schon in seiner Kindheit in der Baptistischen Kirche in sich aufgesogen und in Gesang und Sprache umgesetzt. "Ich habe es dann später mit Klavier, Bass und Flöte versucht, doch festgestellt: das Saxophon kommt der menschlichen Stimme am nächsten." Technisch hat er sich am Instrument Fähigkeiten erarbeitet, die manchen Zuhörer in Erstaunen versetzen. In der Kunst der Zirkulationsatmung gilt er als Meister. Pope: "Pianisten wie Art Tatum oder auch Bill Evans spielten lange Phrasen. Das eröffnet ganz andere Welten. Lange Phrasen spielen zu können bedeutet einfach mehr Flexibilität."

Über die Beweglichkeit hat sich Pope stets Gedanken gemacht - äußerlich wie auch innerlich. Musik müsse anständig bezahlt werden, forderte Pope einst, und gönnte sich eine kreative Pause von langen fünf Jahren. Seine Fingerfertigkeit stellte er dabei von gerader auf gekrümmte Haltung um. "Das war es schließlich, was uns Charly Parker voraus hatte", so erinnert sich Pope. Stilistisch verändert hat sich seine Musik aber vor allem durch die Quart-Verbindungen - jene Harmoniefolgen wie sie in der Post-Bop-Zeit in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre aufkamen und später vor allem mit John Coltranes "Giant Steps" weltberühmt wurden.

Beim Internationalen Jazzfestival Saalfelden, das eigentlich mehr für die neuen experimentellen und grenzüberschreitenden Strömungen des Jazz bekannt ist, lieferte Odean Pope mit seiner Oktettformation "Odeans List" eher einen auf ältere Traditionen des Jazz rückblickenden Beitrag. Dennoch ist Pope von der kreativen Kraft der neuen und jüngeren Generationen der Jazzmusiker überzeugt. Pope: "Man muss die jungen Generationen als Ganzes betrachten. Sie haben heute nicht nur viel, viel bessere Möglichkeiten, Musik zu lernen. Sie verfügen über die ganzen Songbooks, wir hingegen mussten die Stücke einst noch selbst für uns herausschreiben. Und sie haben auch weitaus bessere technische Möglichkeiten und können ihre Musik daheim im eigenen Keller produzieren."

Keineswegs aber vermisst der Altmeister bei den jüngeren Jazzmusikern deren kreative Komponente. Pope: "Ich kenne zwölfjährige Musiker, die bereits verstanden haben, dass ihr Instrument einen eigenen Charakter hat." Die technische Spielfertigkeit dagegen ist für Pope eher nachrangig. "Don't sacrify technic before sound!" - das sei für ihn die wesentliche Botschaft, die er jungen Leuten auf den Weg geben müsse: "Finde Deinen eigenen Klang, entwickle Deinen ganz eigenen Sound. Denn schon eine einzelne Note kann wie ganz große Musik klingen!" (Wolfgang M. Seemann, http://www.music4ever.de, 2010)