Mi 20. Januar 2021
20:30

Purple is the Color 'Epic' (A)

Simon Raab: piano
Štěpán Flagar: tenor, soprano saxophone
Judith Ferstl: bass
Michał Wierzgoń: drums

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Mit ihrem zweiten Album „Epic“ legen Purple is the Color ein großes Jazz-Epos vor, das ganz im Zeichen des Aufbruchs steht.

Nach dem großen Erfolg ihres Debüts Unmasked releasen Purple is the Color in diesem Frühjahr mit EPIC ihren zweiten Longplayer auf dem Wiener Kultlabel Session Work Records. Der Anspruch den das Quartett dabei stellt, ist tatsächlich von epischer Größe: „So schaut es aus, wir werden die Beatles des Jazz!“, schmunzelt Bandleader Simon Raab. Dass es Purple is the Color damit durchaus ernst ist, lässt sich am neuen Longplayer nachhören. Mit EPIC ist den fab four um den Linzer Ausnahmepianisten tatsächlich der nächste Schritt in Richtung Jazz-Olymp gelungen.

Egal ob als zeitloses Ton-Epos oder bedingungsloses Bekenntnis zur Diversität der Postmoderne - auf EPIC schaffen Purple is the Color spielerisch die Synthese. Dass diesmal auch Raabs Mitmusiker Štěpán Flagar, Martin Kocián und Michał Wierzgoń Kompositionen beigesteuert haben, lässt die Combo dabei sogar noch vitaler wirken als schon am gefeierten Vorgänger. Das gelingt, indem die Band sich bewusst auf den Widerspruch einlässt. Wo Rot und Blau waren, wird schließlich Purple. Kristallisationspunkt, in dem sich vier Individuen zum Organismus zusammenschließen. Ganz in diesem Sinne erzählen die vier Musiker auf EPIC auch ihre eigene Geschichte. Eine Geschichte von großen Vorstößen, kleinen Reibungen und subtilen Rückzügen. Auch eine Geschichte von schmerzhaften Neuanfängen, so Raab: „Die Titanic hat auch untergehen müssen, um als Mythos wiedergeboren zu werden. Genauso musst du als Band manchmal ganz tief tauchen, um dich wieder zu finden.“ Odyssee 2.0: Erst als Purple is the Color akzeptieren, dass die Suche nach einer gemeinsamen Identität mit jedem einzelnen Take neu beginnt, kommen sie zu Hause an. Wo man bereit ist, den ersten Schritt zu machen, findet sich der Weg ganz von selbst. Was dabei herauskommt, wenn man gemeinsam den Mut findet, ihn bis ans Ende zu gehen ist EPIC. Vom melancholischen „Unsearchable“ über das rastlose „Techno-Epic“ bis hin zum heiter-sanften „When I see your Face“ lassen Purple is the Color den Hörer darauf an ihrer Reise teilhaben.

Der Wille, sich in der Musik kompromisslos mitzuteilen schlägt sich dabei nicht zuletzt in der Lebendigkeit des Vortrags nieder. Katalysator ist dabei der unverwechselbare Bandsound, der sich aus einer radikalen Entscheidung zur Selbstbeschränkung ergibt. Purple is the Color geht es darum, jenseits digitaler Abkürzungen die Grenzen des eigenen Instruments auszuloten. Das Neue lässt sich nur entdecken, wenn man lernt, dem Reiz des Immer-Neuen zu widerstehen, so Raab: „Ich glaube fest daran, dass wirklich Eigenständiges nur entstehen kann, wenn wir uns Zeit nehmen, um in die Tiefe zu gehen – mit uns selbst, mit unseren Beziehungen und mit unseren Instrumenten. In diesem Sinne sind wir durchaus anti-modern.“

Und die neuen Tracks geben ihm Recht. Oft reicht ein Perspektivwechsel, um den Horizont zu verschieben. Auf EPIC gelingt es Purple is the Color letztendlich über ihn hinaus zu gelangen. Intensiv, inspirierend und wunderschön ist das geworden. Mit ihrem zweiten Album zeigen die fab four aus Wien, dass in der internationalen Jazz-Szene längst kein Weg mehr an ihnen vorbeiführt. Schon jetzt eines der Alben des Jahres. (Pressetext)