Mi 10. Februar 2021
20:00

In memoriam: Werner 'Chrono' Popp

Hip Hop Finger, Musikkreis MS-20, Chrono Popp and the Sorry Babies...

Wir stellen ab ca. 20h auf "Now Live" und dann öffnet sich automatisch ein Fenster, wo Sie via Vimeo kostenlos und ohne irgendeine Registrierung das Konzert miterleben können. Wir ersuchen Sie aber, dieses Projekt über "Pay as you wish" zu unterstützen. Vielen Dank & Willkommen im virtuellen Club!

We switch over to "Now Live" from about 8 pm and then a window opens automatically, where you can watch the concert free of charge and without any registration via Vimeo. If you want, you can support this project with "Pay as you wish". Thank you & welcome to the (virtual) club!

Der Gitarrist, Komponist, Arrangeur, Produzent (und gelegentliche Sänger) Werner 'Chrono' Popp starb am 4. Juli 2019 im Alter von 65 Jahren an einer Krebserkrankung. Mehr als vier Jahrzehnte lang war er ein bedeutender Teil der Wiener Musikszene, ohne je ins Rampenlicht zu drängen. Er lieferte eher die Hintergrundstrahlung für unterschiedliche Epochen, beginnend mit Punk und New Wave und dann sich in Film- und Fernsehmusik, Soul-Retrospektiven und Ska-Revival verzweigend. Seinen kommerziellen Höhepunkt erlebte er in den neunziger Jahren: Mit der Band Hip Hop-Finger, deren Hit „Boundaries“ noch heute nachklingt und als musikalischer Direktor der 'Nette Leit'- Show von und mit Kurt Palm und Hermes Phettberg – einem der letzen Kultformate, das der ORF hervorgebracht hat.

Davor und danach gab es mal mehr, mal weniger Erfolg, häufig auch nicht auf der Bühne, sondern an den Reglern des Audiorama-Studios, das er jahrelang gemeinsam mit Hans Holler betrieb und durch das die halbe Wiener Postpunk-Generation hindurchgeschleust wurde.

Doch das 'Success-Paradigma' war für Chrono ohnehin nicht entscheidend. Ihm ging es nicht um Geld oder Glamour, sondern um Attitude und um eine höchstpersönliche Vorstellung von einem 'richtigen Leben im falschen.' - durchaus auch mit einem Hang zur Mikro-Inszenierung (mit Hawaiihemden konnte er sich genauso liebevoll und detailliert beschäftigen wie mit unterschiedlichen Gitarrenmodellen), Dass ihm deshalb Künstler wie David Bowie oder Brian Setzer (Stray Cats) und Stilrichtungen wie Mod, Northern Soul, Ska und, in geringerem Maße, Blues und Rockabilly nahestanden, liegt in der Natur der Sache. Wie er sich überhaupt in seinen reiferen Jahren eher als Traditionalist mit konservatorischem Ethos verstand, denn als verzweifelt berufsjugendlicher Pseudo-Innovator, der jedem gerade angesagten 'heissen Scheiss' hinterherläuft. Mit Chrono Popp ist ein kreativer Geist verschwunden, der zwar (Gottseidank!) kein Offizier war, jedoch ein Gentleman. Man tut sich, durchaus ungewöhnlich in Wien, schwer, Leute zu finden, die schlecht über ihn reden. Chrono Popp hatte eine unaufdringliche aber effektive Art, einen Laden am Laufen zu halten und ein Projekt voranzutreiben und dabei einen guten Spirit aufrechtzuerhalten. Und er hat mehr witzige, originelle und sampletechnisch ausgereifte Musik hinterlassen, als im öffentlichen Bewusstsein gespeichert ist. Einiges davon soll am 10. Februar in Form eines Re-Enactment noch einmal aufgeführt werden, darunter: Hip Hop Finger, Musikkreis MS-20, Chrono Popp and the Sorry Babies und noch ein paar Spezial-Effekte/ Projekte.

L´Chaim – auf das Leben und auf die Musik. (Thomas Miessgang)