Do 22. April 2021
20:30

Monk’s Casino – The Complete Works of Monk (D)

© Wilfried Heckmann

Rudi Mahall: bass clarinet
Axel Doerner: trumpet
Alexander von Schlippenbach: piano
Jan Roder: bass
Michael Griener: drums

Monk's Casino, das Quintett mit dem Pianisten Alexander von Schlippenbach, Axel Dörner an der Trompete, Jan Roder am Bass, Rudi Mahall an der Klarinette und - relativ neu - Michael Griener am Schlagzeug, hatte sich in der Urbesetzung schon Mitte der 1990er Jahre formiert und sich 2004 an die bemerkenswerte Aufgabe gemacht, das Gesamtwerk von Thelonious Monk (1917 - 1982) komplett einzuspielen.

Im Jahr 2005 erschien eine Dreifach-CD bei Intakt, die im Jahr zuvor live im Berliner A-Trane aufgenommen wurde. In den Folgejahren war Monk's Casino regelmäßig unterwegs - selbstverständlich auch rund um den runden Geburtstag 2017.

Monks Themen sind prägnant, im Kern meist recht kurz und ausgesprochen eingängig. Genau das richtige Spielmaterial für die Musiker von Monk's Casino: sie kapern die Monkttitel und – da alle vorwiegend im Freien Jazz zuhause – halten sich nicht lange mit der traditionellen Abfolge von Vorstellung des Themas und ausführlichen Soloeskapaden auf. Sie gehen erheblich rasanter und kollektiver zur Sache, nutzen die originelle Kantigkeit der Kompositionen um sie innerhalb der Stücke zu verschachteln. Da werden Titel kombiniert, überlagert, die Interaktion der Musiker ist extrem dicht und spontan. Mit aberwitzigen Volten scheinen sie sich gelegentlich gegenseitig zu überraschen – und auch der Witz der Monkschen Kompositionen kommt nicht zu kurz, gelegentlich wird am Rande des Klamauks gekratzt.

Letztlich ist das gerade der Clou am Programm des Abends: Monk’s Casino geht mit der Respektlosigkeit ans Werk, die dem "Genius of Modern Music" (so der Titel einer LP Monks, Stand 1951) gebührt. So gehört Monk gespielt. (Pressetext)

Auf die Idee, das Gesamtwerk von Thelonious Monk (70 Kompositionen) zu erarbeiten und in eine, für eine Live-Aufführung praktikable Form zu bringen, kamen wir in den Jahren 1996-97. Abgesehen von den Stücken, die wir schon kannten, war das Notenmaterial, das uns zur Verfügung stand eher abenteuerlich. Zusammengeklaubte Fotokopien von Manuskripten unterschiedlicher Herkunft – das einschlägige „Thelonious Monk Fake Book“ gab es damals noch nicht – die es uns aber doch ermöglichten schließlich alles zusammen zu bekommen.

Die erste Aufführung fand in dem, damals noch existierenden „Jazzhaus Treptow“ statt, wo wir eine Woche lang immer wieder das ganze Programm spielten. Daraus ergab sich eine Unterteilung in drei Sets von je 23 bis 24 Stücken, die für ein Live Konzert von ca. dreieinhalb Stunden reiner Musik geeignet war. 1998 wurde das Gesamtwerk im Sendesaal des NDR zum ersten Mal an einem Abend in einem, von Michael Naura und der damaligen Jazzredaktion organisierten, öffentlichen Rundfunkkonzert aufgeführt.

Es kam zu weiteren Konzerten in Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Zuletzt wurde das Gesamtwerk beim Jazzfest Berlin 2002 sowie im „Nato“ in Leipzig und der „Feuerwache“ in Mannheim aufgeführt. Vor der Leipziger Aufführung am 29.Februar 2004 gab es noch zwei Abende im Berliner Jazzclub „A-Trane“.

Die Aufnahmen von den „A-Trane“-Konzerten liegen nunmehr auf dieser Produktion als CD vor. Weil die Kompositionen hier das Wichtigste sind, haben wir bei manchen Stücken ganz auf Improvisationen verzichtet. Bei den Arrangements haben wir uns einige Freiheiten erlaubt. Vieles ist während der Proben entstanden und hat sich später beim Spielen ergeben. „Monk’s Casino” ist kein enzyklopädisches Vorhaben, sondern eine Bearbeitung des Gesamtwerkes von Thelonious Monk für eine Live-Darbietung an einem Abend. In Monks Casino geht es oft schnell und manchmal auch recht turbulent zu. (Alexander von Schlippenbach)

2005 erschien diese 3-CD-Box auf Intakt-Records. Irgendwann sprach ich mit dem Label-Chef Patrik Landolt über diese Produktion und er erzählte, dass diese wider Erwarten sich zur erfolgreichsten der Label-Geschichte wurde, vor allem, weil die Box vor allem im japanischen Markt weggingen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Unter dem Titel „The Complete Monk“ gab es 2001 im P&B einen Abend mit der Band „Die Enttäuschung & Alexander von Schlippenbach“ und dieses Konzert dauerte insgesamt knapp fünf Stunden. 2011 erklang dann die „endgültige“ Version übrigens im Rahmen eines dreitägigen Intakt-Festivals. Ich freue mich sehr, dieses speziell-spektakulär-singuläre Projekt wieder im P&B veranstalten zu dürfen. Machen Sie sich auf einen langen aber kurzweiligen Abend gefasst. Well you needn’t! CH