Mo 3. Mai 2021
20:30
© Sabine Pichler © Sabine Pichler © Sabine Pichler

Jakob Gnigler: tenor saxophone
Philipp Harnisch: alto saxophone
Alex Kranabetter: trumpet
Simon Frick: violin
Judith Ferstl: bass
Niki Dolp: drums

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Das 2013 vom jungen österreichischen Saxophonisten Jakob Gnigler gegründete Sextett hat sich eine eigene musikalische Welt geschaffen, die voll von nicht Erwartbarem und Unvorhersehbarem steckt. Individuum versus Kollektiv, Komposition versus Improvisation, Hörgewohnheit versus künstlerische Intention – allerorten werden Gegensätze zelebriert, Denkschablonen hinterfragt, Hierarchien umgedreht.

Was bei diesen musikalischen Bodenerosionen, Verwerfungen, Plattenverschiebungen entsteht, ist nicht experimentelle Kammermusik, nicht (Free) Jazz, nicht Neue Musik. Sondern alles zusammen. Die Musiker von Gnigler sagen: »Wir spielen, ohne von der Frage des Dürfens, Müssens und Sollens beherrscht zu werden.« Oder, noch exakter formuliert: »Die beiden Aussagen ›Nichts passiert‹ und ›Alles passiert‹ halten sich die Waage.« Schlussendlich weiß also niemand, was kommen wird. Gut so. (Pressetext)

Ist das der alte, halb vergessene Spirit der Loft-Szene? Kehren etwa die wildbunten Achtzigerjahre zurück? Nein, besser noch: Jakob Gnigler ist ein junger Saxofonist aus Österreich und steht noch am Anfang seiner Karriere. Mit seinem Sextett – zwei Saxofone, Trompete, Violine, Bass, Schlagzeug – erforscht er die Welt der musikalischen Kontraste und Überraschungen. Das Sextett mischt Bop-Phrasierung mit Neue-Musik-Clustern, growlendes Saxofon mit Kammermusik-Erkundungen, spannenden Bläsersätze mit Geräuschcollagen. Ständig wechseln Stile und Rhythmen, die Ideen jagen einander, und zuweilen teilt sich die Band sogar in einen tonale und einen atonale Fraktion. Das alles ist mit viel Temperament, Expressivität und Risiko gespielt – offensiv, frei, löwenmutig. Trotz der ebenso kunstvollen Eklektik der musikalischen Sprache: Das Sextett Gnigler hat eine Menge mit der wirklich „heißen“ Tradition des Jazz zu tun. Ich sage nur: Parker, Breuker, Gnigler! (Hans-Jürgen Schaal, Jazzthethik)

Mit Freude stellt man fest, dass es in der wogenden Auszeichnungsflut noch vorkommt, dass Preise jene Leistung indizieren, wofür sie vergeben wurden. Dem 28-jährigen oberösterreichischen Saxofonisten Jakob Gnigler wurde 2015 der „Bawag P.S.K. Next Generation Jazz Award“ verliehen. Das vorliegende, zweite Album seines Sextetts, dem er nicht nur seinen Namen gegeben, sondern für das er auch die insgesamt 11 Stücke geschrieben hat, ist mehr als nur eine Anzahlung auf den Anspruch, die Zukunft des österreichischen Jazz entscheidend mitgestalten zu können. Obwohl die Aufnahme kompositorisch stark vorstrukturiert ist, ergibt sich vielfach unterwegs, wohin und wie die Reise geht, lassen Aktion und Kombination der Musiker (Philipp Harnisch, Altsaxophon, Alex Kranabetter, Trompete, Simon Frick, Geige, Judith Ferstl, Kontrabass und Niki Dolp, Schlagzeug) ein zugleich gelassenen und konsequentes Entscheiden hören, das sie instantan dramatisch zu verdichten wissen. Charakteristisch für den Kompositionsstil Gniglers sind die kleinen, in einem ständigen Stop-and-go sich auf- und ab bewegenden Figuren, die langen chromatischen Linien sind eher selten. Solistisch über er respektvolle Zurückhaltung, interveniert oft wie ein Kommentator von außen und geht dann wieder in die Stille. Herausragend und seinem Titel gerecht werdend ist das Stück „Kunstgriff 13“, wo alle sechs Solisten wechselnd sprechend, respektive schnatternd, dialogisieren und Violinist Simon Frick als Hauptsolist mit Jean Luc Ponty-artigen Staccati kräftig einsteigt (dop, Concerto)

Einer der gegenwärtig interessantesten Saxofonisten dieses Landes – interessant, weil er sich nich lediglich an der Jazztradtion abarbeitet, sondern immer auch zeitgenössische und experimentelle Kompositionsversuche in sein Denken über Musik miteinbezieht – ist Jakob Gnigler. Der Wiener, in Linz ausgebildete Tenorist hat mit Philipp Harnisch einen gleichwertigen Altsaxofonisten an seiner Seite, Trompete, Violine, Kontrabass und Schlagzeug komplettieren sein Sextett, das ein Vexierspiel aus Solo- und Duo-Improvisationen in Beziehung setzt, ihr Verhältnis zueinander, ihre Überbrückung, ihre Aufhebung im Kollektiv. Straight On, Downstairs, 2nd Door Left beginnt mit einem einzigen Ton und seinen Mikrointervallen, im Lauf des Albums kommen Jazz-affinere Äußerungen zur Geltung, auf unterschiedlichen Gestaltungswillen hat das keinen Einfluss. Jeder Sound wird hier ernstgenommen, vor dem Hintergrund des souverän beweglichen Rückgrats (Judith Ferstl, Niki Dolp), das den Bandscheiben, dieser Band-Scheibe, genügend Muskulatur verschaffen, nutzen Frick, Kranabetter, Harnisch und nicht zuletzt Gnigler alle Freiheiten und Feinheiten für Expeditionen, denen die Ausgangspunkte Akademie, Eigensinn und Blues, allesamt frisch gekleidet, anzuhören sind. Architektonisch gesprochen: weder Villa noch ödes Eigenheim, sondern sozialer Wohnbau mit ästhetischem Anspruch vulgo Werkbundsiedlung. Statement. (felix, Freistil)