Mo 21. November 2022
20:30

Tord Gustavsen Trio (N)

Tord Gustavsen: piano
Sigurd Hole: bass
Jarle Vespestad: drums

Gerade wenig spielen will gekonnt sein. Tord Gustavsen ist ein Meister der Aussparung, ein Satie des Kammerjazz, und diese musikalische Enthaltung grenzt stellenweise an Askese. (Ralf Dombrowski, Süddeutsche Zeitung)

Tord Gustavsen kam zwar am 5. Oktober 1970 in Oslo zur Welt, wuchs aber in dem rund 80 km weiter nördlich gelegenen ländlichen Dorf Hurdal auf. Bereits mit vier Jahren lernte er in der dortigen Abgeschiedenheit Klavier spielen und begann mit dem Komponieren und Improvisieren noch bevor er Notenlesen lernte und sich der klassischen Musikliteratur zuwandte. Schon früh diversifizerte er sich stilistisch, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln, und spielte als Teenager klassische und Kirchenmusik ebenso wie Gospel, jazzige Fusion und seine eigenen Werke.

Mit 19 Jahren zog er nach Oslo, um an der dortigen Universität Soziologie, Psychologie und Religionsgeschichte zu studieren. Zur gleichen Zeit wurde sein Interesse für den Jazz stärker entfacht, das er zunächst in Bands wie Gest und Balsam auslebte. Dabei lernte er auch die Sängerin Kristin Asbjørnsen kennen, die ihn dazu ermunterte, sich endlich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Und so schrieb sich Gustavsen 1993 an dem renommierten Trondheimer Konservatorium ein, wo er in den nächsten drei Jahren Jazzpiano, Jazzgeschichte, Improvisationstechniken, Komposition und Musikanalyse studierte. Dann ging er zurück an die Osloer Universität, um in weiteren zweieinhalb Jahren noch einen Abschluss in Musikwissenschaften zu machen. Sein Studienschwerpunkt: die Psychologie und Phänomenologie der Improvisation.

Doch er stopfte sich in all diesen Jahren keineswegs nur mit grauer Musiktheorie voll. In zahllosen Sessions mit Musikern wie dem Bassisten Geir Digernes, Saxophonist Eirik Hegdal, Schlagzeuger Magnus Forsberg und immer wieder Kristin Asbjørnsen setzte er das Erlernte in die lebendige Praxis um.

Nach den langen Lehrjahren, die ihm das musikalische Rüstzeug verschafft hatten, begann er Ende der 1990er Jahre seine Zeit als Freelancer. Ins internationale Rampenlicht geriet Tord Gustavsen ab 2000 als Pianist der gefeierten Sängerin Silje Nergaard, die er – mit seinem Trio-Partnern Harald Johnson (Bass) und Jarle Vespestad (Schlagzeug) als Nukleus ihrer Band – in den folgenden Jahren auf den drei Alben “Port Of Call” (2000), “At First Light” (2001) und “Nightwatch” (2003) begleitete. Parallel spielte er aber auch mit dem Nymark Collective des Trompeters Kåre Nymark und arbeitete außerdem mit den Sängerinnen Siri Gjære und – wieder einmal! – Kristin Asbjørnsen im Duo.

Eigene Flügel wuchsen der Karriere des Pianisten aber erst, als ihn Manfred Eicher bei ECM Records unter Vertrag nahm und dort 2003 “Changing Places”, das erste Album einer Trilogie des Tord Gustavsen Trios herausbrachte. “Tord Gustavsen liebt die Melodien”, stellte Thomas Steinfeld damals bei einer Besprechung des Albums in der Süddeutschen Zeitung fest. “Ihnen wendet er sich zu, als müsse er sie auf seinem Klavier nicht spielen, sondern singen … Diese Musik ist sparsam und unspektakulär bis zum Äußersten, sie verweigert sich dem Gemälde, und widmet sich der Strichzeichnung, sie ist extrem kammermusikalisch … Keine Melodie kommt so konventionell daher, dass sie nicht irgendwann doch noch ins Schräge, ja Gespensterhafte abgleiten würde. Die Spannung beziehen die Kompositionen von Tord Gustavsen aus der Kunst der minimalen Abweichung, mit der sie zu sanften, seltsam irrealen Kreaturen werden, beglückend und unheimlich zugleich.” (...) (Jazzecho)

Ein Wunder an Ausdruckskraft und musikalischer Delikatesse. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)