So 19. Juni 2022
14:00

Ein Fest für Rainer Rygalyk

Musiker:innen der JazzWerkstatt Wien

Am 1. Mai verstarb unser „Haus & Hof-Photograph“ Rainer Rygalyk, am selben Tag übrigens wie der Bassist Adelhard Roidinger, der aber immerhin 80 Jahre alt wurde. Dem Rainer war leider kein ganz so langes Leben vergönnt, aber gelebt hat er schon und viel ausgelassen hat er nicht. Ich kannte ihn schon lange, bevor ich ihm persönlich begegnete, nämlich seit Mitte der 1980er Jahre als Journalist & Photograph von „jazzlive“, einem Fachmagazin, das er gemeinsam mit Wulf Müller gegründet hatte und das bis 2004 publiziert wurde. Möglich bzw. sogar wahrscheinlich, dass wir uns beim Jazzfest in Saalfelden über den Weg liefen, aber es dauerte bis Anfang der 2000er Jahre, bis plötzlich ein bärtiger Mann mit langen Haaren und einem riesigen Rucksack im „neuen“ P&B auf mich zukam und so etwas sagte wie „Servas, i bin da Rainer und ich wü da a bissl photographieren“... Interessanterweise war mir sofort klar, dass das der Rygalyk vom „jazzlive“ sein musste – und so war es natürlich auch. Wir freundeten uns schnell an – eh klar, bei ähnlichen musikalischen Präferenzen. Was ich damals nicht wusste: Das „neue“ P&B war die Initialzündung, dass Rainer wieder begann, den Auslöser zu betätigen. Er hatte sich nämlich zwischenzeitlich eine solide unternehmerische Existenz aufgebaut und dafür den Photoapparat zur Seite gelegt. Zigtausende Photos von Musiker:innen, Mitarbeiter:innen, Publikum, Räumen ... Rainer hatte einen Blick, ein Auge, und fuchtelte nicht lange herum. Er erkannte Situationen, Stimmungen, Momente und lichtete sie ab – selbstverständlich und nicht selbstverliebt, kein eingebildeter Eitler, sondern ein ausgebildeter Auskenner mit dem Fokus auf das Wesentliche und Relevante. Ein direkter Mensch, der nicht herumtat, sondern machte – und dazu stand. Aber neben Firma, Photoapparat und Bleistift gab es noch was anderes, nämlich die Gitarre, die ihn faszinierte – und zwar nicht erst seit dem legendären Auftritt von Jimi Hendrix 1969 im Konzerthaus, den er gemeinsam mit seinem Schulkollegen Gerhard Eder, der später das Jazzfestival Saalfelden leitete, besuchte. Selbstbewusst, wie er offenbar schon immer war, wählte er den wohl progressivsten Gitarristen zwischen Nord- und Südpol als seinen Lehrer aus – nämlich niemanden Geringeren als Harry Pepl. Der erklärte ihm nach ein paar Stunden, dass seine Zukunft wohl nicht im Saitenzupfen liegen würde und es vielleicht für ihn und alle anderen besser wäre, wenn er seine musikalischen Ambitionen anderwärtig konzentrierte. Freunde blieben die beiden Triestingtaler bis zum Schluss und es gab dann tatsächlich eine musikalisch-photographische Zusammenarbeit, die neben dem obligaten P&B-Auftritt auch vom Salzburger Jazzherbst gewürdigt wurde und im dortigen Festspielhaus zur Aufführung gelangte. Was über bleibt außer der Erinnerung sind seine Arbeiten, und die werden überleben – allgemein und im P&B speziell. Sein ausgezeichnetes Joe Henderson-Portrait hängt seit vielen Jahren im Eingangsbereich und seine eigens für das 20-jährige P&B-Jubiläum angefertigte Collage mit circa 1.200 Musiker:innen auf sieben Metern Länge wird in naher Zukunft, wenn nicht im MoMA in New York, dann zumindest im mumok in Wien ausgestellt werden. Und wenn die sich zieren, dann kommen Sie ins P&B – dort wird’s immer (wieder) hängen.

Lieber Rainer, danke für deine Freundschaft und noch für vieles mehr ... So long, my friend!