Di 21. März 2023
20:30

Alune Wade 'Sultan' (SEN/F)

Alune Wade: bass, vocals
Carlos Sarduy: trumpet
Hugues Mayot: saxophone
Tony Tixier: piano
Cedric Duchemann: keyboards
Dharil Esso: drums

Wir starten ca. 1/2 h vor Konzertbeginn den Live-Stream (Real-Time, nach Konzertende nicht mehr abrufbar!). Durch Klicken auf "Zum Livestream" öffnet sich ein Fenster, wo Sie kostenlos und ohne irgendeine Registrierung das Konzert miterleben können. Wir ersuchen Sie aber, dieses Projekt über "Pay as you wish" zu unterstützen. Vielen Dank & Willkommen im realen & virtuellen Club!

Königliche Eleganz am Bass - African Jazz & Afrobeat
Alune Wade ist ein musikalischer Weltenwanderer und verbindet den Nahen Osten mit westafrikanischen Afrobeat, arabisch-andalusischen Rhythmen und amerikanischem Jazz.

Auf seinem fünften Soloalbum “Sultan” (2022 bei enja & yellowbird ) erreicht der senegalesische Bassist, Vocalist und Komponist dies scheinbar mühelos. Vom „Blues“ aus Mali über Raï, Gnawa, Sufi-, Soul- und filmische Elemente, Musik aus Äthiopien bis zum Rap und Jazz reicht die breite Palette. Seine vielseitige und tief verwurzelte Musikalität ist eine Schlüsselzutat, die der aktuellen Jazzszene neuen Elan verleiht. Seine eklektischen, höchst kreativen Kompositionen bezeugen dies in seinem neuesten Album und auf den großen Bühnen der Welt.

Das in Paris lebende “Supertalent am Bass” (Deutschlandfunk Kultur, 2022) hat es mit seinem außergewöhnlichen musikalischen Können weit über seine senegalesischen Wurzeln gebracht: Von Marcus Miller bis Salif Keïta, Oumou Sangaré oder Gregory Porter - Alune Wade ist nicht nur weltweit Gast bei den besten Instrumentalisten und Sängern unserer Zeit, sondern bringt in seinen eigenen Kompositionen Profis der ganzen Welt zusammen - insbesondere seines Heimat-Kontinents Afrika.

Seine ruhige Autorität und intensive Kraft auf der Bühne manifestieren sich, wenn er das Publikum auf seine ganz besondere Jazzreise mitnimmt, dessen Klangbild in einem raffinierten urbanen Finish strahlt. Inspiration holt sich der Ausnahmemusiker auf Reisen von Paris aus in die dynamischen Metropolen New York und Dakar - er ist ein wahrer Vertreter Kosmopolitischer Musik! (Pressetext)

“Dieses reich konzipierte und tadellos gerenderte Projekt (Sultan) ist ein früher Spitzenkandidat für eines der besten Weltmusikalben des Jahres und festigt Wades Ruf als einer der führenden Weltmusikmusiker der letzten zwanzig Jahre.” - Glide Magazin, 2022

“„Sultan“ ist eines der spannendsten Alben, die dieses Jahr aus und über Afrika erschienen sind.” - BRF1 Jazztime, 2022

“Eine berauschende Mischung aus wogenden Grooves und flackernden Texturen baut auf nahtlos integrierten Keyboards, Hörnern, Streichinstrumenten, Rhythmussektionen und Gesang auf – manchmal wortlos, manchmal in Sprachen vieler Nationen.” - Jazziz, 2022

Ein wahres Kaleidoskop musikalischer Stile und soziopolitischer Themen in zwölf Songs und 66 Minuten Spielzeit anzugehen – das trauen sich nicht viele Künstler*innen. Auf seinem fünften Soloalbum Sultan, das am 17.06.2022 bei enja & yellowbird veröffentlicht wird, erreicht der senegalesische Musiker Alune Wade dies scheinbar mühelos. Vom „Blues“ aus Mali über Raï, Gnawa, Sufi-, Soul- und filmische Elemente, Musik aus Äthiopien bis zum Rap und Jazz reicht die breite Palette.

Zur Umsetzung seiner Vision lud Alune neben seiner Band Gäste wie Lenny White, Leo Genovese, Christian Sands, Noura Mint Seymali oder den Rapper Djam ein, viele davon langjährige Weggefährten in der 37 Jahre umspannenden Musikkarriere des 43-Jährigen, die im Alter von nur sechs Jahren begann. Inspiriert von seinem Vater, damals Dirigent des senegalesischen Symphonic Army Orchestra, erlernte Alune zu dieser Zeit schon das Gitarrenspiel, später sollten Bass und Klavier folgen. Im zarten Alter von fünf Jahren lieh ihm Ismaël Los Bassist Samba Laobé N’Diaye seinen Bass und nur zwölf Jahre danach wurde Alune sein Nachfolger in Ismaël Los Ensemble.

1999 und 2001 entstanden Wades erste Aufnahmen auf Ismaël Los wegweisenden Alben Jiguen und Dabakh. Es sollte nicht seine einzige Zusammenarbeit mit den großen Namen der Jazz- und Crossover-Szene bleiben: von Joe Zawinul und Youssou N’Dour über Marcus Miller, Oumou Sangaré und Bobby McFerrin bis zu Lokua Kanza und Fatoumata Diawara. Seine Inspiration bezog Wade von Künstlern und Bands wie Weather Report, Charlie Parker oder Salif Keïta, um nur einige wenige zu nennen.

Ein Sprung in die Gegenwart:
Als Alune Wade die Arbeit an Soloalbum Nummer vier (African Fast Food) gerade abschloss, keimten schon die ersten Ideen für Album Nummer fünf in ihm: „Der Song ‚Pharaoh’s Dance‘ erlaubte einen ersten kurzen Blick darauf, was ich schon seit einiger Zeit entwickeln wollte,“ so Wade, „2018 war ich fasziniert vom Potential einer Zusammenkunft der Musikstile Ostafrikas, vor allem Äthiopiens und Ägyptens. Meine anstehenden Reisen – und davon gab es viele – erlaubten es mir, Künstler*innen aus der Diaspora in New York und Paris zu finden. Dieser dynamische Schmelztiegel wurde von meiner Leidenschaft für Jazz, Highlife und Afrobeat bereichert. So stieg ich einfach immer tiefer mit der Idee in mein privates Musiklabor hinein, diese Stile miteinander zu verbinden, ohne dass sie ihre jeweilige Textur verlieren sollten.“

Alune Wades Reflektionen reichen dabei aber über die Musikgrenzen hinaus. Sein Interesse galt immer auch den historischen, sozialen und politischen Turbulenzen unserer Zeit. Die zwölf Stücke des Albums sind davon befeuert, wie man in den Liner Notes sehen kann: „Ich habe nie aufgehört zu lesen. Und ich beschloss auf eine philosophische Forschungsreise über die unerzählte Geschichte Afrikas zu gehen. Ich wollte sie auf eine andere Art erzählen, die Revisionismus-Schichten wegnehmen, mich langsam zu den Originalquellen durcharbeiten.“ Dazu fand er während des Lockdowns in seinem Pariser Zuhause die nötige Zeit und Muße.

Eine dieser Quellen war eine Abhandlung über die Diaspora der Beta Israel: „Ich las ein Buch über die ‚Falaschen‘, ihre tragische Entwurzelung und ihre Erfahrungen in Israel. Der Autor, ein französisch-senegalesischer Intellektueller namens Tidiane Ndiyae, reflektiert darin die großen Ungerechtigkeiten und Misshandlungen, die diese äthiopischen Juden auf ihrer Odyssee erleiden mussten, sowohl in ihrer Heimat als auch in dem Land, das sie ‚willkommen‘ hieß. Trotz alldem fühlte ich, dass es einen unzerstörbaren Link zwischen Afrika und dem Nahen Osten gibt. Diesen wollte ich erweitern.“

Tunesien ist der Ausgangspunkt in Wades neuestem Werk Sultan. In einer vom Institut Français de Tunis unterstützten 25-tägigen Künstler-Residenz bekam das Projekt im Januar 2021 seinen Kickstart. Eine Villa in La Marsa, nahe der tunesischen Hauptstadt, wurde zur Basis für Alunes gemeinsame Proben mit dem Jazz- und Sufi-Sänger Mounir Troudi. Letzterer half Alune dabei, die Größen der traditionellen tunesischen Musikszene für sein Projekt zu versammeln. „Es war eine große Entdeckung für mich, ich kannte mich zwar besser mit den marokkanischen und algerischen Sounds aus. Aber vieles klang doch vertraut: der Stambouli-Stil spiegelt zum Beispiel die diasporische Kultur der Gnawa, die ich über die Jahre schätzen gelernt habe“ so Wade.

Als sich in den Proben die von Alune anvisierten Crossover-Experimente konsolidiert hatten, brachte er sie in die modernen Arpège Studios in Tunis und danach zuerst nach Paris und New York zum mit vielen Grammys ausgezeichneten Produzenten Nic Hard (Snarky Puppy, The Klezmatics…) und zuletzt in seine Heimat Senegal. Nic Hard formte unter Einsatz all seiner Erfahrung ein schlüssiges Ganzes aus den vielen Teilen. Dieses Gewebe trägt nun den Titel Sultan, ein genderneutraler arabischer Name, den es auch im Türkischen und in Bengali, Avar und Urdu gibt.

Das dahinter steckende royale Bild passt ganz genau zu Alune Wade: ein elegantes Selbstbewusstsein, ruhige Autorität und eine Intensität, die sein Bassspiel durch die zwölf musikalischen Kapitel des Albums wiederhallen lässt. Er hat sich wie alle klugen Menschen mit Komplizen umgeben, die bereit waren, in einen musikalischen Dialog mit ihm zu treten, für den er den Schlüssel besitzt. (Uta Bretsch)