Di 14. März 2023
20:30

Harriet Tubman (USA)

Brandon Ross: guitar
Melvin Gibbs: bass
JT Lewis: drums

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Harriet Tubman (* 1820 als Araminta Ross im Dorchester County, Maryland; † 10. März 1913) war die bekannteste Fluchthelferin der Underground Railroad, einer Hilfsorganisation für flüchtende Sklaven aus den Südstaaten der USA. Sie spielte eine außergewöhnliche Rolle im Widerstand gegen die Sklaverei.

Wenn der Filigrangitarrist Brandon Ross sich mit Power-Spielern wie dem Schlagzeuger J. T. Lewis und dem Bassisten Melvin Gibbs kurzschließt, kann das Ergebnis nur beiden Ansätzen nützen. Tatsächlich arbeitet das Trio schon seit vielen Jahren unter diesem „Nom de Guerre“ an der Verfeinerung des Brachialen und der Nachdrücklichkeit des Lyrischen. Diese Verzahnung und die gegenseitige Befeuerung der Gegensätze gelingt hier, weil jeder der beteiligten Individualisten gleich viel zur Musik beiträgt und die Musik so zu eine bewundernswerten Dichte und Geschlossenheit findet. (Pressetext)

Harriet Tubman heißt ein gleichgewichtig spielendes Trio, bestehend aus Brandon Ross (g), der u.a. bei Henry Threadgill und Cassandra Wilson gespielt hat, Melvin Gibbs (e-b), u.a. bei Ronald Shannon Jacksons Decoding Society und Henry Rollins, und J.T.Lewis (dr), u.a. bei Living Colour. Gemeinsam machen sie eine Art Free Rock mit der freien Improvisationshaltung des Free Jazz, die bei solchen erstklassigen Musikern viel Spaß macht, obwohl alles sehr nach ad hoc Session klingt. "I Am A Man" entstand 1998 im Studio und kam bei Knittig Factory Works heraus, "Prototype" sind Live-Aufnahmen von 1998 aus der Knitting Factory in NYC und aus Finland und den NL und ist erschienen beim japanischen Label Avant. Co-Produzent war John Zorn. Inzwischen haben sie ihr Konzept auch mit Avantgarde-DJs erweitert. (Pressetext, 2011)

Dienstag, 14. März 20:30 Harriet Tubman (USA)
Brandon Ross: guitar
Melvin Gibbs: bass
JT Lewis: drums
Drei ausdrucksstarke afro-amerikanische Musiker des „Zwischenstrombereiches“ Jazz/Rock, die diesen mit Originalität beackern, transportierten neben einer wuchtigen musikalischen Darlegung auch ein unbeugsames schwarzes Selbstvertrauen. Ohne viel Federlesen schmiedete das forsch agierende Trio ein faszinierend verwegenes Fraktal aus muskulöser Rockgestik und komplexer Jazzidiomatik. Die Referenzen liegen auf dem Tisch. Im Ineinandergreifen der beiden Spielhaltungen und ihrer kennzeichnenden Klangqualitäten, ließen die Musiker keinerlei Unverträglichkeiten aufkommen und belegten stichhaltig deren Kompatibilität. Weil sie unverkrampft, offenen Ohres, verwurzelt im Geiste und den Quellen dieser beiden Musiken, einige deren essentielle Parameter handhabten. Beleuchtet aus Sicht des afro-amerikanischen Erbes des 20. Jahrhunderts. Demnach pulsierte der Blues und Soul ganz gehörig in den jazzstrukturierten Rockadern der weitestgehend rasant harschen Entladungen. Doch diese tosende Ausgelassenheit erfuhr durch die jazzfreizügige Ausformulierung, bezogen auf Harmoniegefüge, Phrasierung, rhythmische Verschachtelung und deren Abstraktion bzw. improvisatorische Ausflüge an die tonale Peripherie, eine zwanglose Flexibilität und einen Nährboden für überraschende Wendungen. Dem frönten die Musiker mit überschäumender Spielfreude. Ross gruppierte seine wieselflinken, stürmischen Soli um delikat abgedrehte Melodiefantasien, nicht ohne diese mit Noise-Partikel oder psychedelisch anmutenden Schwebezuständen zu durchmischen. Lediglich dem Vokalen, so und so nur in zwei kurze Sequenzen präsent, könnte er abhold sein. Zwischen trashigen Soundwellen, bleischweren Ostinaten und anregender Kontrapunktik famos changierend, bediente Gibbs die Niederfrequenzbereiche und Lewis belebte die rhythmische Substanz mit vergnüglicher Lässigkeit. Immer wieder brach er einen rocktypischen Back Beat zugunsten aperiodischer, non-metrischer Musterungen auf. Das erzeugte Elastizität im Bewegungsraster und verlieh dem reichlich ausgekosteten Stehgreifaktionismus Nachdruck. Versatil vertonte Baustoffe der Wirklichkeit. (Hannes Schweiger)