Mi 11. November 2026
20:30

Wednesday Night Prayer Orchestra feat. Gerald Raunig 'Making Multiplicity' (A)

Gerald Raunig: voice, fender rhodes
Robert Schröck, Ludwig Bekic, Clemens Salesny, Christian Gonsior, Monika Geyer: saxophones
Markus Pechmann, Walter Fend, Thomas Berghammer, Lukas Hartl: trumpets
Karel Eriksson, Matthias Zeindlhofer, Áki Wellsandt, Johanna Martius, Robert Bachner: trombones
Stephanie Weninger: piano
Helene Glüxam: bass
Lukas Aichinger: drums

Wir starten ca. 1/2 h vor Konzertbeginn den Live-Stream (Real-Time, nach Konzertende nicht mehr abrufbar!). Durch Klicken auf "Zum Livestream" öffnet sich ein Fenster, wo Sie kostenlos und ohne irgendeine Registrierung das Konzert miterleben können. Wir ersuchen Sie aber, dieses Projekt über "Pay as you wish" zu unterstützen. Vielen Dank & Willkommen im realen & virtuellen Club!

In den 90ern trafen Gerald Raunig und Ludwig Bekic das erste Mal aufeinander. Die zwei Herren mit einer deutlichen Vorliebe für das Zusammenführen, was nicht füreinander bestimmt scheint, fanden sich nicht ganz unzufällig inmitten einer Schar Musiker:innen aus allen vertretenen Stilrichtungen von Metal bis Free Jazz im Wiener WUK wieder. Kurzerhand tourten sie daraufhin mit Raunigs Liederzyklus für Gesang und Saxophonquartett zu James Joyce’ Ulysses durch die Lande (damals auch Christian Gonsior mit von der Partie).

Aus „Making Multiplicity“, dem aktuellen Album des singenden Philosophen, wird das Wednesday Night Prayer Orchestra nun neue Arrangements einiger Songs mit dem philosophierenden Sänger aufführen. Die Musik von Carla Bley ist so ziemlich das Verkehrteste, um diese Welten zusammenzuhalten und eignet sich für beide somit perfekt dazu.

Zu hören sind die vielfältigen Lieder Raunigs, in denen er mit der druckvollen Stimme des erprobten Barpianisten mal solo, mal siebzehnfach seine Gedanken über dem treibenden Fender Rhodes ausbreitet.

Das Buch zur Schallplatte, oder ist es doch die Platte zum Buch? 2023/24 erging die Einladung des renommierten englischen Verlags Polity Press an den Wiener Philosophen Gerald Raunig, ein kleines Buch für die Reihe „theory redux“ zu schreiben. Making Multiplicity war der Versuch, die Philosophie von Raunigs Büchern Dividuum und Ungefüge in siebzehn Begriffen zu verdichten. Aus diesen Verdichtungen entstand die Idee, „conceptual songs“ für Rhodes-Piano und Stimme zu schreiben, die von den siebzehn Kapiteln des kleinen Buchs ausgingen. Konzeptuell sind diese Lieder im unmöglichen Versuch, die Liedform auf die Theorie auszudehnen, zugleich die Begriffe zu deterritorialisieren und in ein poetisch-musikalisches Umfeld zurückzuleiten. Nach einigen Performances und Experimenten mit der Kombination Konzert/Vortrag in verschiedenen europäischen Städten wurden die siebzehn Lieder 2026 aufgenommen und als Doppelalbum mit dem Titel making multiplicity. conceptual songs auf Vinyl produziert.

Am 11. November tritt der Philosoph nun als Sänger mit dem Wednesday Night Prayer Orchestra auf und präsentiert die weitgehend überarbeitete deutsche Fassung des Buchs, vor allem aber einige der conceptual songs in der experimentellen Umgebung des Wiener Orchesters und im Arrangement von Ludwig Bekic. Hier kommt es noch zu einer weiteren Begegnung, wenn das Wednesday Night Prayer Orchestra die Lieder von Gerald Raunig in allen möglichen Weisen mit den Arbeiten Carla Bleys (1936-2023) vermengt, vermischt, durchdringt, ganz im Sinn der US-amerikanischen Komponistin und Arrangeurin und ihrer proteisch-chamäleonhaften Ästhetik.

In Verwirrung von linearer Abfolge und hierarchischer Ordnung von Musik und Text, Theorie und Poesie gilt auch hier die Devise, Mannigfaltigkeit zu machen. „... auf dass die Algorithmen kollabieren, die Identitarismen explodieren und die Mannigfaltigkeit sich multipliziert.“ (Pressetext)