Mo 31. Dezember 2018
22:00

Karl Ratzer Quintet (A/D/USA)

Karl Ratzer: guitar, vocals
Johannes Enders: tenor saxophone
Ed Neumeister: trombone
Peter Herbert: bass
Howard Curtis: drums

Karl Ratzer ist mittlerweile vollends dort angekommen, wohin er seit jeher leidenschaftlich strebte: zum Nukleus der Musik. Mit einer famos zusammengewachsenen Band. Gleich zu Beginn des letzten, von den sophisticaten Sounds der Band beglückten Jahreswechsels, kehrte Ratzer die geschmeidig sublime Funkyness seines musikalischen Ich hervor. Beigemengt wurde noch eine tiefgründige „Soulitude“, die durch den innigen Bezug Ratzers zum großen Ray Charles und dessen Soul/Jazz-Mengenlehre, einen feurigen Upgrade erfuhr. Hinzu kam der federleichte Swing und galante Drive, des besten Rhythmusgespanns in diesem Quellgebiet. Beseelt verschmolz all dies zu einem raffinierten Neo-Hard Bop der Edelmarke Ratzer. Für die außerordentlich lebendig wirkende Imaginationskraft dieser „Jazzweltanschauung“, besitzt die kollektive Semantik gehöriges Gewicht. Verdeutlicht einerseits durch die feinschattierten, Blue Note satten Arrangements, andererseits durch die, die Urmasse der jeweiligen Songs modulierenden Soli. In diesen artikulierte sich die individuelle, essenzielle Verbindung zu den Roots der Jazztradition ab der Be Bop-Genese, in Einklang mit der Fähigkeit entlang der Blutbahnen der Songs kreative Eigenverantwortung zu übernehmen. Ratzer erwies sich einmal mehr als Meister der Auslassung bzw. der Agogik. Dem folgte die Demonstration wie selbst dem tradierten Formmodel Thema-Solo-Thema durch unbedingte spontane Willenskraft der Langweil entzogen wird. Nicht verschwiegen werden dürfen natürlich Ratzers berührende, gelegentlich in Nonchalance sich ergehende, mit Inbrunst veräußerten Vokalismen, die sein exzeptionelles Soul und Blues-Feeling untermauern. Des Gitarristen Souveränität in der „Aufforstung“ von funktionsharmonischen Grundsteinen des Jazz hat einen Klimax erreicht und schreibt auch ihm die Devise aller großen Jazzschöpfer zu, die da lautet: „Für´s Leben spielen, nicht für Museen“. Die Vorfreude auf zwei „silvestrische/neujährliche“ Abende, die momentan niemand anderem gehören könnten, scheint mehr als berechtigt. (Hannes Schweiger, anlässlich des Konzertes am 01.01.2018)