Do 25. Oktober 2018
20:30

Vincent Peirani 'Living Being 2' (F)

Vincent Peirani: accordion, voice
Emile Parisien: soprano, tenor saxophone
Tony Paeleman: fender rhodes, effects
Julien Herné: bass, effects
Yoann Serra: drums

Ganz im Zeichen der Kontraste stand der Samstagabend der Burghauser Jazzwoche im Stadtsaal. Scheinbar mühelos schaffte es Vincent Peirani mit seinem Quintett, Jazz, Led Zeppelin und Henry Purcell zu einer musikalischen Einheit zu verschmelzen. Das Publikum war restlos begeistert. Da konnte Marius Neset nicht mithalten. Komplex und hochvirtuos waren seine Stücke – doch am Ende waren es schlicht zu viele Töne, um richtig Spaß zu machen.

Sphärische Klänge schweben durch den Stadtsaal, sanft umspielen Akkordeon und Saxofon eine ruhige Melodie. Dann setzen Bass und Schlagzeug ein – erst dezent, dann mit einem knackigen Rock-Groove. Peiranis Akkordeonspiel wird intensiver, dichter. Wieder und wieder wiederholt er den gleichen Groove, während Emile Parisien wilde, orientalisch angehauchte Läufe auf dem Sopransaxofon spielt, bevor sich die gesamte Energie in einem fulminanten Unisono-Schluss entlädt.

Was Peirani mit seinem Quartett im ausverkauften Stadtsaal abliefert, ist Extraklasse. Jedes Stück, jede Melodie, jeder einzelne Ton enthält so viel Leidenschaft, so viel Spaß an der Musik – unzählige Köpfe, Füße und Arme im Saal können sich nicht widersetzen und wippen im Takt der rockigen Grooves mit.

Das Quintett versteht es, unterschiedlichste Einflüsse miteinander zu verschmelzen. Eine süßlich-kitschige Saxofonmelodie über dem weltbekannten Kashmere-Groove von Led Zeppelin ist ebenso zu hören wie eine Jazzrock-Version von Henry Purcells "What power art thou". Und nie wirkt auch nur ein einziger Ton unpassend. Welch ein grandioser Auftritt. (Stefan Hensel)

„Was der aus Nizza stammende Pariser dem Knopfakkordeon und der Akkordina entlockt, hat man so noch nicht gehört. Da spielt eine kommende Größe!“ (Süddeutsche Zeitung)

Der französische Akkordeonist, Sänger und Komponist Vincent Peirani wurde am 24.4.1980 in Nizza geboren. Mit elf Jahren beginnt er, zunächst mit klassischer Musik, Akkordeon zu spielen. Schon im Teenageralter gewinnt er zahlreiche internationale Preise. Mit 16 Jahren entdeckt er den Jazz und beginnt wenig später ein Jazzstudium in Paris. Anfangs erntet er mit seinem Instrument, dem Akkordeon, und seiner klassischen Laufbahn Skepsis, überzeugt aber bald durch einen ganz neuen Blick auf das Instrument, macht sich in der Jazzszene Frankreichs einen Namen und spielt schnell mit der Créme des französischen Jazz wie Michel Portal, Daniel Humair, Renaud Garcia Fons, Louis Sclavis oder Vincent Courtois. Parallel verfolgt er zahlreiche eigene Projekte und schöpft dabei aus den unterschiedlichsten Genres – von Jazz, Chanson und Weltmusik über Klassik bis hin zu Heavy Rock. Seit 2011 spielt Peirani regelmäßig im Quartett der koreanischen Sängerin Youn Sun Nah, der in Frankreich erfolgreichsten Jazzkünstlerin der letzten Jahre. Auf diesem Weg lernt er auch den schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius und schließlich ACT Labelchef Siggi Loch kennen. Peirani wirkt auf dem im Februar 2012 veröffentlichten Album „Vagabond“ von Ulf Wakenius mit und sorgt auch live allerorts für Staunen und Begeisterung. Mit „Thrill Box“ erscheint im Mai 2013 Vincent Peiranis erstes Album als Leader – prominent besetzt mit Pianist Michael Wollny, Bassist Michel Benita und den Saxofonisten Michel Portal und Émile Parisien. Das Album spiegelt den ganzen Facettenreichtum Peiranis musikalischer Einflüsse wieder und zeigt Peirani so eindrucksvoll wie nie zuvor als intelligenten, raffinierten Komponisten und so virtuosen, wie tiefmusikalischen Instrumentalisten und Geschichtenerzähler. (Act-Music)