Mi 18. September 2019
20:30

Alexander Balanescu / Zlatko Kaucic / Javier Girotto 'East West Daydreams' (ROM/SLO/ARG)

Alexander Balanescu: violin
Javier Girotto: woodwinds
Zlatko Kaucic: ground drums

„East West Daydreams“ ist eine jener Aufnahmen, die einen sofort gefangen nehmen und komplett überwältigen mit der dargebotenen musikalischen Meisterschaft, dem Drama und der Intensität.

Das Trio, bestehend aus dem Geiger Alexander Balanescu, dem Perkussionisten Zlatko Kaucic und dem Saxophonisten, Klarinettisten und Flötisten Javier Girotto, kann auf fünf Live-Aufnahmen aus den letzten Jahren in europäischen Städten verweisen: Im Porgy & Bess in Wien (Oktober 2009), im Pinocchio Jazz Club in Florenz (Februar 2013), im Cankar Center in Ljubljana (Februar 2013), im Knulp in Triest (April 2010) und in der Burgkapelle im slowenischen Škofja Loka (im April 2010) muss ganz schön was losgewesen sein!

Die Aufnahmen von diesen Gigs sind auf zwei üppigen Discs versammelt und spannen stilistisch einen weiten Bogen, aber folkloristische Elemente lauern stets unter der Oberfläche – man könnte sie den verbindenden musikalischen Faden nennen. Ihr Sound tritt kaum je offen zutage, sondern wird eher beständig eingearbeitet, selbst in die klanglich (hier im Gegensatz zu „melodisch“ gemeint) intensivsten Teile einer Performance.

Im B.K.G Trio, wie sie sich selbst nennen, sind die Musiker einander gleichgestellt, wobei Kaucics Percussion die melodische Unterstützung für die beiden Frontline-Instrumente übernimmt. Trotzdem muss darauf hingewiesen werden, dass ein so starker, präziser und expressiver Künstler wie Balanescu stets die Aufmerksamkeit auf sich zieht, wann immer er spielt. Die klassische Ausbildung merkt man ihm an, wenn er bravourös zur Einleitung der Prelude aus der Partita No. 3 BWV 1006 von Bach ansetzt. Vielleicht ist es ja Balanescus Stil, dem die Darbietungen ihr klassisches Feeling, das sich mit der Folklore verbindet, verdanken.
Balanescus Stärke überdeckt aber nie Girotto, der ihm ebenbürtig gegenübersteht, wenn es um Kraft und Intensität geht. Oft kombinieren die zwei Solisten ihre jeweiligen Parts zu einem unverwechselbaren Sound, wozu auch Kaucic das Seine beiträgt. Eine dieser Gänsehaut-Passagen könnte man mit Krzysztof Pendereckis „Threnos – Den Opfern von Hiroshima“ vergleichen, aber es gibt auch viele sanftere, weniger wuchtige und zarte Momente.

Nicht auf allen Aufnahmen sind Publikum oder Applaus mitgeschnitten, und das Trio kreiert einen eigenen Sound für jeden Aufführungsort. Das Highlight sind vielleicht die drei Tracks aus der Burgkapelle, auf denen der große Raum mit seinem natürlichen Hall eine ekstatische Resonanz des Trios zu produzieren scheint. (Budd Kopman)