10. Juli 2026
Von Christoph Huber

Tätigkeitsbericht 2025 / 2025 Annual Report

Allgemein: Das Porgy & Bess versteht sich als Jazz & Musicclub mit pluralistischem Programmangebot. Das Porgy & Bess fungiert als Ort der musikalischen Begegnung, Auseinandersetzung und Konfrontation für Musikerinnen und Musiker sowie Publikum. Hauptaugenmerk liegt auf der Realisierung einer Struktur, welche die vielfältigen Artikulationsmöglichkeiten der heimischen (Jazz-)Szene bzw. neue Entwicklungsperspektiven berücksichtigt (z. B. die Arbeit mit internationalen Gastmusikerinnen und -musikern).

Desweiteren ermöglicht ein Club, der als „meeting point“ der heimischen kreativen Szene fungiert, Erfahrungsaustausch über stilistische und ästhetische Grenzen hinweg, ist Experimentierfeld für unterschiedlichste Projekte, die nicht dem Diktat eines „ultimativen Statements“ unterliegen müssen, ein Podium für kontinuierliche Weiterarbeit und -entwicklung. Eine Hauptintention des Porgy & Bess ist die Kooperation heimischer Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster künstlerischer Herkunft, was der Tendenz einer musikalischen Ghettoisierung entgegenwirkt.

Die europäische Jazzszene hat sich in den letzten Jahrzehnten endgültig als eigenständige und innovatorische Kraft im Jazz etabliert. Nachdem sich das P&B als europäischer Jazzclub definiert, ist es selbstverständlich, kreatives europäisches Musikschaffen zu präsentieren. Kooperationen mit europäischen Partnern sowohl in der Club- (Moods/Zürich, Stadtgarten/Köln, Unterfahrt/München, AMR/Genf, Bimhuis/Amsterdam, A-Trane/Berlin, Opus/Budapest, Victoria/Oslo, Ronnie Scotts/London, Blue Note/Mailand, Fasching/Stockholm, Tonne/Dresden ...) als auch in der internationalen Festivalszene (Berlin, Moers, Rotterdam, Paris, Sarajevo, Ljubljana, Budapest, Prag, Warschau, Istanbul, Barcelona ...) beleuchten verstärkt differenzierte Bereiche außerösterreichischer Improvisationsauffassungen. Intensive Kontakte vor allem mit Veranstaltenden und Musikschaffenden des ehemaligen „Ostblocks“ (Slowakei, Tschechien, Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien, Litauen, Russland, Estland, Serbien-Montenegro, Kroatien, Albanien ...) führen zu einem internationalen Kulturaustausch (siehe Festivalserie „Step across the border“).

Jazz wird historisch als afro-amerikanische Musik definiert, und immer noch kommen innovatorische Impulse aus dem „Mutterland des Jazz“: zwei gute Gründe, warum einerseits die großen amerikanischen Solistinnen und Solisten dieser Musik, andererseits auch die nachstrebenden Generationen programmatische Berücksichtigung finden.

Zu den Fakten: An 311 Veranstaltungstagen gab es im Jahr 2025 insgesamt 450 Veranstaltungen in den diversen Räumlichkeiten des P&B – 311 Abend-Konzerte auf der Mainstage, 43 Matineen und Mitternachtsveranstaltungen, 96 Konzerte in der Strengen Kammer und 2 Vernissagen in unserem Ausstellungsraum, der Public Domain. Zu all diesen Veranstaltungen kamen insgesamt cirka 69.000 Besucherinnen und Besucher, was einen Tagesschnitt von über 220 Personen ergibt.

Ich habe jetzt nicht alle Zahlen seit unserer Eröffnungssaison 1993/94 im Detail recherchiert, aber ich bin ziemlich sicher, behaupten zu können, dass insgesamt über zwei Millionen Besucherinnen das P&B frequentiert haben, was im Umkehrschluss bedeutet, dass zumindest statistisch betrachtet jede Wienerin bzw. jeder Wiener einmal unser Etablissement aufgesucht hat.

Zu diesen „realen“ Besucherinnen kommen noch jene, die die Konzerte via Live-Stream verfolgen, den wir nahezu täglich seit dem 4. April 2020 anbieten. Wir können statistisch „unique visitors“ erfassen, also die IP-Adressen von Personen, die sich einloggen, das heißt wir wissen nicht wie viele Menschen tatsächlich vor dem Bildschirm sitzen, wir wissen aber, dass diese Zahl nicht geringer sein kann. Was wir mit großer Sicherheit aber behaupten können, dass sich die Besucherinnen-Anzahl durch den Stream zumindest verdoppelt.

Christoph Huber, Juli 2026