9. Juni 2021
Von Hannes Schweiger

DO 03. Juni 2021
König rufen
KÖNIG RIEGLER “Fame Over” / KOMPOST 3
Lukas König (drums, pocket-tp), Leo Riegler (p, acc-g, electronics, voice, as)
Martin Eberle (tp, flh, devices), Benny Omerzell (p), Manu Mayr (acc-b), Lukas König (drums, pocket-tp)

K önig, Kö nig, Kön ig, Köni g. Seinen Geburtstag feierte er an diesem Tag. Abendlich auf der Bühne mit einigen Freunden. Trommelwirbel zunächst keineswegs. Im ersten Akt gings bizarr surrealistisch, skurril witzig, dadaistisch zur Sache. Gemeinsam mit seinem Kumpanen Leo Riegler. Mit dem er vor langem das Projekt koenigleopold betrieb. Große Beachtung und Wertschätzung wurde ihnen dereinst mit ihrem unbekümmerten Radikalklangtextstoff  zu teil.

Die Regentschaft brach dann je ab. Für angesprochenen Lebendkörperfestakt erfolgte die Inthronisierung des neuen Bündnisses König Riegler. Eine fauchende, presstönige rote Pocket Trumpet und spartanische Akustikgitarre-Kauzigkeiten leiteten die Ballade von der Zahnspange ein. Singer/Songwriting im Schrägaufzug. Sensibel verschränkt im Klangaktionismus, atmungsaktiv. Detto in den darauffolgenden Materialkollagen und –montagen. Clustergebilde aus dem/im Piano Forte. Rüde Schlagzeugattacken, denen König mit ganz dünnen Sticks einen peitschenden Sound, der auch den Beat traktiert, verlieh -  metrisch, rhythmisch abstrahiert, verklausuliert. Mit gezielter, ständiger Schubkraft. Dynamisch und figurativ variabelst. Riegler schmetterte punktuelle Ereignisse aus seinen elektronischen Gerätschaften, einem infantil lustvoll quäkenden Altsaxophon im Gänsekostüm hinzu. Die sich reiben, kongruieren, von abseits einwirken. Intelligent formulierter, stilbefreiter Improvisations-Dadaismus der Gegenwart. Fame Again?!

Der zweite Akt stellte eine spektakuläre „Sidestream“-Szeneband mit ihrer multispektralen Musik in den Mittelpunkt. Eine, die relevantest und eigensinnigst Clubmusik, Rockmentalitäten mit ihrem Jazz-Philosophikum konglomeratisieren. Auch diesmal wieder nicht am Netz. Von ein paar Effekten, als Klangfarbenextras, auf dem Blech abgesehen. Als akustische Deutung wurde wiederum ihr Konzept offeriert. So rückte die lyrische Fassette der Musik, von einem sinnierenden Piano-Intro von Omerzell ausgehend, deutlicher in den Fokus. Verhallte Schwaden, Geräuschpuzzles der Trompete mischten sich ein. Vom Bass kamen zwei, drei Grundierungstöne und der Schlagzeug-König bespritzte ad lib von seiner Farbpalette. Ein wunderbarer Gleitflug der sodann abhob, aber in einer unüberhörbar robusten Feinstofflichkeit verweilte. Interaktionistisch auf höchstem Einverständnisniveau. Der Bandsound war unverkennbar und die typischen Strukturmerkmale, jetzt eben abgespeckt, gegenwärtig hörbar. Repetitive Muster, präsente Riffs, suggestive Hooklines, magnetische Grooves in vertrackten Schlagfigurenschichtungen. Hierbei ist der kollektive Entstehungsprozess von vorrangigem Belang. Wie hinlänglich bekannt improvisatorisch firm die Musiker sowohl bei dieser Gelegenheit als auch bei Solospots sind, ließen sie an etlichen Stellen unaufgeregt aufblitzen. In solcher akustischen Kleidung entringt sich dem klanglich Losgelassenen die Fassette filigranerer poetischer Kraft. Keineswegs sentimental, sondern abyssisch. Nicht zuletzt durch das entgrenzte harmonische, melodische Ansinnen, innerhalb einer tonalen Konfiguration, gegeben. An den abstrahierten Break Beats, Hip Hop/Drum ´n´ Bass-Grooves, die König mit jazzspezifisch metrisch entriegelter, rhythmisch bereicherter bzw. tempovariabler Auffassung aufmischte, in einer Sequenz mit atemberaub verzwickten Unisono-Stops vernetzt, konnte man sich unentwegt delektieren. Ein unerlässlicher Dünger für den üppigen österreichischen Jazzwuchs ist die Band nach wie vor. Gerufen war diesmal speziell Herz König.