11. September 2021
Von Hannes Schweiger

Des Meisters Wunderhorn
RANDY BRECKER & AMC TRIO PLUS
Randy Brecker (tp, flh), Peter Adamkovic (p), Martin Marincak (b), Stanislav Cvanciger (dr), Samuel Marincak (e-g)

Noch immer kitzeln einen die Ohren hört man die 1970er Jahre Platten der Brecker Brothers. Ihre präzisen schmetternden Riffs in teils atemberaubenden Tempi und verwinkelten Verläufen. Als ausgefuchste und zu den Besten zählenden Studio-Cracks veredelten sie zudem so manche Pop-Produktion. Aber auch als Solisten und mit eigenen Projekten waren die beiden Brüder prägend und erfolgreich. Michael wurde leider zu früh aus dem Leben gerissen. Randy gibt nach wie vor sein Können zum Besten. Und es gehört zum Besten. Nach wie vor ist er gleichfalls weltweit gefragter Gastsolist fixer Ensembles. Oftmals auch jüngerer Kollegen. An diesem Abend war Brecker abermals Teil der slowakischen Formation AMC Trio Plus. Das „Plus“ bezieht sich auf den neu hinzugekommenen Gitarristen.

Die derzeit beste Fusion-Band ihres Landes. Gediegen tat das Quartett sein gefälliges Fusionkonstrukt kund. Erstaunlich nahtlos gingen in diesem Mix Straight Ahead-Jazz, gebremste Rockrhythmik und popaffine Harmonien ineinander über. Zuweilen allerdings zu süffig und klischeebehaftet. Doch da war eben noch Randy Brecker, bevor die Musik zu sehr im Sande verlief. Sein brillantes, schnörkelloses Spiel, das zwischen kurzen Motivmustern und fließenden Melodiemeandern, manchmal nahe an der Funktionsharmonik der Stücke, dann wiederum diese ausweitend, variierte, brachte den Ideenfluss, die Dringlichkeit zurück. Und er ließ bis zum Schluss nicht davon ab. Geleitet von einem nach wie vor strahlenden Ton. Das Spiel von ergreifender Direktheit. Im Lebensverlauf hat Brecker seine Kunst der neo-bebopigen Funkyness von rasanter Hitzigkeit in souveräne Eleganz und Nonchalance umgemünzt. Er groovt nun geschmeidiger, ist im Fluss entschleunigter und setzte herrliche Off-Beat Akzente, die die Musik geschickt und dezent aus der Gewohnheit rissen. Was seine Mitmusiker dann doch zu dem einen oder anderen ausdrucksvollen Solo anspornte. Randy Brecker – every tone tells a story. HORNCULTURE!