Sept. 29, 2023
By Hannes Schweiger

Sorry this part has no English translation

Do 14. September 2023
Die alten Männer und das offene Meer
ALEX von SCHLIPPENBACH/BARRY ALTSCHUL QUARTET
Alexander von Schlippenbach (p), Barry Altschul (dr), Rudi Mahall (cl, bcl), Joe Fonda (b)

In der Sekund packten sie die Interaktion beim Schopf. Fein abgestimmt griffen die Ereignisse ineinander. Im Moment modelliert, konkretisiert. Ohne jegliche Anweisungshilfen. Offene Ohren füreinander waren der Kompass. Schlippenbachs diaphan verstrebte Pianistik konstruiert aus der Wechselbeziehung harmonisch verquerer Akkordik, in markantem „Blocksatz“ wiewohl kristalliner „Clusterung“, und melodischen pantonalen Verzweigungen. Subsummiert, in persönlicher Sprache, sind darin Errungenschaften der Jazzmoderne bzw. Neuen Musik seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausgelegt in einem ständig variierenden Raster. Die formbildenden, dramaturgischen Fäden liefen bei Schlippenbach zusammen. Wie lange seine Zusammenarbeit mit Barry Altschul schon währt oder ob diese auf einem quasi spontanen Entschluss fußt, entzieht sich der Kenntnis. Jedenfalls deklarierte sie sich als äußerst ergiebig. Altschul interpolierte rhythmisch. Instrumentbezogen konzentrierte er sich, ganz Sunny Murray-like, vorwiegend auf Bassdrum, Snare, Hi Hat und Ride-Cymbal. Sehr explizit mit seinem crescendo-/decrescendoierendem rhythmisch/perkussiv-klanglichen Zutun. Zielbewusst überzog er jenes mit verklausulierten Swing-Wellen. Fasste er diese periodisch zusammen, ließ er sie folgerichtig sich taktierungsbefreit austoben. Ausdifferenziert mit subtiler Antriebskraft. Die Bassklarinette jubilierte, in der typischen Art wie vom Hafer gestochen. Mahall reagierte, wie es ihm entspricht, auf jedwede harmonisch/melodische Wendung Schlippenbachs, hängte seine eigenen Spontanassoziationen daran, die wiederum rückwirkten und genoss die rhythmischen Anstachelungen Altschuls. Natürlich erweist er Dolphy die Referenz, aber er weiß sehr wohl sein eigenes Ding daraus zu machen. Bassist Joe Fonda fand nicht wirklich seinen Platz in der spitzfindigen Klang-Assemblage, was er mit einem Zuviel an Noten zu kompensieren suchte und sich damit immer ein wenig aus dem Spiel nahm. Was die Sache keineswegs trübte.

Improvisierte Musik reinsten Wassers die keinen Schlusspunkt, sondern in der Ausdeutung durch solche Persönlichkeiten immer noch Fragezeichen setzt. Unterstrichen durch Schlippenbachs Maxime:„Musik reift. Vergleiche es mit einem hochentwickelten Motor. Der Drive wird immer besser.“