Geschichte des Hauses Riemergasse 11

 

Hier finden Sie nicht nur die Geschichte des Jazz & Music Clubs Porgy & Bess, sondern auch dessen bisheriges Programm, eine Geschichte des Hauses Riemergasse 11, sowie alles Gewusste über die Varieté, Theater, Kino und Jazzgeschichte des Hauses Riemergasse 11

Wahrscheinlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das heute vom Porgy & Bess bespielte Kellerlokal in der Riemergasse 11 als Ort für Kunst- und sonstige Darbietungen genutzt: für Varieté und Theater, Kino und Jazz.

Eine weitere Kontinuität vom 16. Jahrhundert bis in die 1990er ist ebenfalls zu vermerken: der Streit um kulturelle Tätigkeit in der Riemergasse 11.

Das Haus selbst wurde 1911 als fünf Stock hoher Neubau errichtet. Das ursprüngliche Haus– damals Riemergasse 812 – ist seit dem 15. Jahrhundert erwähnt.
 

Das Haus 

1911 wurde an Stelle des alten Hauses unter Minderung der verbauten Fläche von 701 auf 681 m2 ein fünf Stock hoher Neubau, der „Vesquehof“ erbaut, Eigentümer war August Fondi.

Mit Kaufvertrag vom 12. Oktober 1918 erwarben Wilhelm und Hedwig Mahler das Haus, durch Einantwortung vom 7. April 1938 kam es an Hedwig Mahler allein, aufgrund der Einziehungsverfügung der geh. Staatspolizei, Leitstelle Prag, vom 13. Mai 1942 an das Großdeutsche Reich (Reichsfinanzverwaltung), mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 20. Jänner 1049 an Josef Mahler, der das Haus am 1. März 1954 an Josef Markus verkaufte.

Das Haus, welches heute das Porgy & Bess beherbergt, wurde also, so wie sein Nachbarhaus, arisiert. (Das Nachbarhaus Nummer 10 – Neubau 1910 – wurde 1917 von Simon und Betty Kohn erworben, ging 1935 an Betty Kohn allein, von dieser durch Kauf am 7. September 1939 an Rochus und Luise Fässl, durch die Teilerkenntnis der Rückerstellungskommission vom 16. September 1947 wieder an Betty Kohn.) (Prillisauer, S. 686)

 
Im Haus 

Im Flur des gegenwärtigen Hauses gewahrt man rechts eine steinerne Sitznische um einen steinernen Tisch, flankiert von zwei hohen Säulen, deren eine einen hockenden, knabenhaftigen Faun, die andere einen Pelikan (oder Marabu?) trägt. (Prillisauer, S. 687)

 

Varieté, Theater, Kino und Jazzgeschichte

Das heute vom Porgy & Bess bespielte Kellerlokal in der Riemergasse 11 wurde wahrscheinlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Ort für Kunst- und sonstige Darbietungen genutzt.

 

Vaudeville, Cabaret and Theatre

Hearsay has it that both professional and amateur stage productions have been performed on the premises of today’s Porgy & Bess since the middle of the 19th century ‒ though the various theatres’ opening dates and an exact chronological order still remain unclear. The question how many theatres, when exactly and under which name there have been in this place still awaits investigation.

For all we know, there must have been the theatres as mentioned below (in order of appearance):

Uhu

(documented 1914)

Panspiele

(documented 1919; 1927)

Wiener Blauer Vogel

(documented 1923/24)
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kunstspiele

(documented 1927, 1930, 1932, 1933, 1936)
 

 

 

 

 

 

 

 

Boccaccio

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rondell

(documented 1953)

 

 

 

 

 
The most prominent and best documented from today’s perspective have been "Boccaccio" und "Kunstspiele ".
 

Kino in der Riemergasse 11 

Die Kino Geschichte der Riemergasse 11 ist wesentlich legendärer als die des Theaters oder des Jazz. Grund dafür ist, dass sich hier „Wiens erstes Raucherkino“ sowie das „erste, beste und einzige“ Pornokino, bzw. „erotische Etablissement“, wie es sich selber nannte, befunden hat.

Der Reihe nach, soweit diese zu rekonstruieren ist:

1955 gab es im besagten Keller/Gassenlokal sicher ein Kino, denn da hat dieses gebrannt, und solche Fälle hinterließen ihre Spuren in den Akten. Es ist anzunehmen, dass das Kino auch „Rondell“ genannt wurde, da zumindest bis 1953 hier ein Kabarett mit diesem Namen bestand. Aus den Aufzeichnungen über den Kinobrand wissen wir auch, dass dieses einen Restaurantbetrieb und eine Bar unterhielt. Geworben wurde noch 1962 mit : „Rondell: Revue, Bar, Kaffee, Kino“.

Wann genau der Kinobetrieb startete, ist unklar. Der Redakteur Gerhard Hofer in „Die Presse“ vom 13. März 1993 datiert den Kinobeginn im weitesten Sinn auf 1949: Mit „Boccaccio – plastisches Filmtheater“ soll das erste 3D-Kino Österreichs eröffnet haben. Helmut Poebst nennt in „Die Presse“ vom 23 Juli 1991 die Gründung 1959 als Westernkino und Raucherkino – dieses Datum ist sicher ein paar Jahre zu spät, zumindest was den Kinobetrieb betrifft.

Bekannt ist jedoch das Ende des (ersten??) Kinobetriebs in der Riemergasse 11 unter Dr. Friedrich Feichtinger. Dies war spätestens am 19. März 1962, da wurde Feichtinger nämlich zu einem Monat Haft verurteilt. Grund: Verstoß gegen die Arbeitszeitverordnung, habe er doch seine Angestellten 11 bis 12 Stunden arbeiten lassen, was Feichtinger damit legitimierte, dass „sie sich die Filme anschauen konnten“. Ein weiterer Anklagepunkt war das Würgen eines Cafetiers. (Kurier, 20. März 1962)

1962 übernahmen Rath & Co das Kino „Rondell“ (hier namentlich genannt). Die neuen Besitzer unternahmen bauliche Veränderungen wie das Einbauen einer Bierkammer und eines Warteraumes. Und dies ist der Beginn eines endlosen Streits zwischen dem Hausbesitzer Marcus Salomon und Kommerzialrat Wladislaw Rath.

Datierbar ist nicht der Anfang der erotischen Institution, wohl aber ihr Ende 1991. Der Nachfolger von Rath und Co konnte das Kino nicht weiter halten, hatte sich übernommen, im Jahr 1989 sogar eine Sauna und im Keller neue Zimmer machen lassen. (Die Presse, 23. Juli 1991)

1993, damals hatte der Bund das Lokal bereits für die freien Theaterbühnen erworben und Umbauarbeiten vornehmen lassen, wurden Pornokinosessel u. a. versteigert. (Die Presse, 13 März 1993)

Recherche und Text: Karin Schneider