public domain - fine art combinat 


Ausstellung:

Be Strong: Interaktive Licht – Pflanzen – Installation

Alex Kasses

• Ausgangspunkt sind Überlegungen über unsere optimierten, standardisierten und erfolgsorientierten Gesellschaftsstrukturen. Sechs Pflanzen stehen sich im Kampf ums Überleben gegenüber. Der Wachstum wird mittels einer Software gemessen; die ausgewerteten Daten beeinflussen die Lichtmenge die jede Pflanze während ihrer Wachstumsperiode bekommt. Je schneller und höher eine Pflanze wächst, umso mehr Licht bekommt sie um ihren Wachstum zu optimieren. Das Experiment wird über die Gesamtdauer der Ausstellung durchgeführt. Pflanzen, welchen keinen optimalen Wachstum, vorweisen wird Wasser und Lichtversorgung entzogen.

Alex Kasses studierte von 2010-2013 an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien – Elektroakustik und Computermusik. Seit 2013 ist er an der Universität für Angewandte Kunst mit Schwerpunkt Digitale Kunst. Sein Hauptfokus richtet sich in den letzten Jahren der Klanginstallationen wie auch Video und Objektkunst. (Pressetext)

Ausstellungsdauer: 11.06. 2016 - 30.06. 2016

© Alex Kasses

 


Ausstellung:

Das Auge des Calafati oder Der Wurstelprater in Ausschnitten & Einsichten

Belichtungen mit einer „Kodak Retinette“ im Frühling 1991

Von Anne Marie Fürthauer

»A Part Of Rita«
Anne Marie Fürthauer: VocalsMartin Stepanik: Keys
Chris Kronreif: Saxes

• In Part of Rita praktizieren Anne Marie Fuerthauer als Vokalistin, Martin Stepanik am Keyboard und Chris Kronreif als Saxophonist eine
Art umgekehrten Dekonstruktivismus. Relativ einfache, bekannte Tongefüge werden in einem mehrdimensionalen System abgebildet.

Die Komplexität hinter dem scheinbar Einfachen wird ausgelotet. Wenn es dann wieder zum Rendezvous mit den bekannten Motiven kommt, können wir sie in Folge dessen als erst jetzt erzeugte, überraschend und neu, nicht als Reproduktion von Bekanntem hören.

Charakteristisch vielleicht auch, wie PART OF RITA Instrumente und Stimme oft je für sich zu produzieren scheinen, und doch im Ganzen perfekt zusammen stimmen. (Leander Kaiser)

© Anne Marie Fürthauer

 


Ausstellung:

»Universal / Personal«

curated by Aisha Khalid

On the occasion of: Pakistan-Austrian Cultural Exchange • Easter time 2016
„east-west cultural exchanges/dialoges“: more than music. more than fine arts. (re_de)

Die bekannte Künstlerin und Kuratorin Aisha Khalid kuratiert für hinterland und Porgy & Bess eine Gruppenausstellung mit sieben jungen KünstlerInnen aus Pakistan. »Universal / Personal« gibt uns einen ersten Einblick in die zeitgenössische Kunstszene Pakistans – alle KünstlerInnen haben eine Ausbildung in Miniaturmalerei, die sie jedoch in die Gegenwart bringen und neu – sehr persönlich – anwenden. Eine Auseinandersetzung mit Tradition, persönlicher Lebensgeschichte und Gegenwart. Das Persönliche wird Universell.

»Universal / Personal«, curated by Aisha Khalid.
A group exhibition with young emerging artists from Pakistan. These are two opposite words but describes each other. When we see art from anywhere in the world it communicates with wider audiences because other part of the world's people can relate with it as well.
Artists: Aisha Abid Hussain, Rubaba Haider, Rehana Mangi, Ali Kazim, Noor Ali Chagani, Hammad Gillani, Adeel uz Zafar. (Pressetext)

Ausstellungsdauer: 06.04. 2016 - 07.05. 2016

© Ali Kazim

 


Ausstellung:

• Lauschangriff • 

Hans Tschiritsch

 

KlangMaschinenObjekteSkulpturen zum angreiferleben & spürlauschen

• Geb.1954 in Wien, in den 70er und 80er Jahren als fahrender Musikant, Stelzengeher und Puppenspieler international unterwegs, Theatermusiker und Komponist (Burgtheater 1994 – 2000), Multi-instrumentalist, Spezialist für alles Ausgefallene wie Singende Säge, Glas etc., Instrumentenerfinder, Klangforscher, befaßt sich seit Mitte der 80er Jahre mit dem Phänomen der Obertöne und entwickelt spezielle Obertoninstrumente wie z.B. Obertondrehleier, Klangpropeller, Zwitscheridoo, Wehmutswalze, Heisere Lunge, Dröhnrad, Trompetuum Mobile u.a. ... Erfahrungen im Obertongesang holte er sich in Tuva, Sibirien. Laufend Ausstellungen seiner skurrilen Erfindungen und Konzerte. (Pressetext)

Ausstellungsdauer: 02.03. 2016 - 30.03. 2016

© Hans Tschiritsch

 


Ausstellung:

• FREIBAD • 

Maria Frodl

• Frau Mag.art Maria Frodl hat nicht nur ein aussergewöhnliches Ohr: die Dame ist auch ein kompetent beherzter Augenmensch. Ob als
versierte Cellistin/Tonsetzerin in kontrastreichen Funktionen & Verantwortungen oder als Fotografin, quasi als sensibel dokumentierende Chronistin von u.a. so vielen MenschMängelwesen (denn ein solches ist jeder Mann/Frau): In all ihren Arbeiten ist feiner Humor zu erkennen: liebevoller, abgründiger, schalkhafter, tröstender, gewinnender, Distanz schaffender Humor.

Ein solches Lächeln (bite: kein Belächeln) zu besitzen ist eine selten anzutreffende Gabe/Qualität. In einer Zeit des grenzenlosen Zynismus allem & allen gegenüber…

Maria Frodl schafft es, vor der Linse das zu erkennen, was hinter dem Objektiv den/die Betrachter bewegt.

Der Hund bellt weil er nicht weinen kann, der Mensch weint weil er nicht bellen kann. Oder so ähnlich…

In diesem Sinne: ein beherzt herzliches Willkommen: auch (z.B.) an unsere StadtWienKulturPolitiker... (re_de)

 

Ausstellungsdauer: 29.01. 2016 - 25.02. 2016

© Maria Frodl

 


Ausstellung:

• kein problem mit widersprüche • 

Jaime Hernando Osorio

• Jaime Hernando Osorio, geboren 1953 in Kolumbien, lebt und arbeitet seit 1985 in Wien.
Sein Schaffen ist ungewöhnlich vielgestaltig: Architexturen, Zeichnungen, Ölmalerei, Graphik, Fetische, KeramikPlatten, Herbstkollektionen, Sand & Samen, Tiere & Jagdszenen…

Mit einem KinderAugenStaunen beschäftigt sich der Künstler welt- & stiloffen mit den Alltags- & Traumwelten unserer Gegenwart: Kein ästhetisches KonzeptionsDogma begrenzt seinen aufmerksam verzeichnenden Blick hinsichtlich all der Widersprüche, Kontrapunkte und Gegensätzlichkeiten, welche uns jederzeit im täglichen (Über)Leben begegnen & begleiten.

Heitere Tränen, fröhliche Trauer, verzweifeltes Glück, bekümmerte Heiterkeit, redseliges Verstummen, befreiender Schmerz, bunte Eintönigkeit, asketische Sinnenvielfalt, ungläubiges Vertrauen, verneinende Hingabe & hingebungsvolle Verweigerung sind in seinen sorgsam wie kunstvoll ausgeführten „Handwerk“ zu finden.

Und über das Handwerk schrieb einst der Südamerikaner Octavio Paz folgende weit-, klar-, um- & einsichtige Zeilen:

»Das Schicksal des Kunstwerks ist die kühle Ewigkeit des Museums; das Schicksal des industriellen Gegenstands ist der Müllhaufen. Der Gegenstand des Handwerks entgeht dem Museum, und wenn er zufällig in seine Vitrinen gerät, weiß er sich wohl zu behaupten: Er ist kein Einzelstück, er ist ein Muster. Er ist ein gefangenes Exemplar, kein Idol. Das Handwerk geht nicht mit der Zeit und will sie auch nicht besiegen.

Für den industriellen Gegenstand gibt es keine Wiedergeburt: Er verschwindet ebenso schnell, wie er erschienen ist. Hinterließe er keine Spuren, wäre er wirklich vollkommen; doch leider hat er einen Körper, und wenn er einmal ausgedient hat, wird er schwer zu vernichtender Abfall.

Die Indezenz des Mülls ist nicht weniger pathetisch als die falsche Ewigkeit des Museums. Der Gegenstand des Handwerks will weder Jahrtausende dauern, noch ist er davon besessen, bald zu vergehen. Er vergeht mit der Zeit, begleitet unser Leben, nutzt sich allmählich ab, sucht nicht den Tod, aber negiert ihn auch nicht: er nimmt ihn hin. Zwischen der zeitlosen Zeit des Museums und der beschleunigten Zeit der Technik ist der Gegenstand des Handwerks das Pulsieren der menschlichen Zeit.

Er ist ein Gebrauchsgegenstand, doch einer, der auch schön ist; ein Gegenstand, der dauert, doch der endet und sich damit abfindet, dass er endet; ein Gegenstand, der nicht einzig ist wie das Kunstwerk, sondern ersetzt werden kann durch einen anderen Gegenstand, der ihm ähnelt, doch nie der gleiche ist.

Das Werk des Handwerkers lehrt uns zu sterben und somit zu leben.«

Ganz in diesem Sinne: Kein Problem mit (den) Widersprüche(n)...: Herzlich Willkommen…! (re_de)

Ausstellungsdauer: 09.12. 2015 - 25.01. 2016

© Jaime Hernando Osorio: Modebewusst

 


Ausstellung:

Girogi Okripiridse & Cati Pold

• Über unübliche Darstellungen, Verlust der Perspektive werden Alltagsgegenstände zu Oberflächen, Landschaften. Eine Fiktion des Alltags, Fußnote unserer Gesellschaft. Ironischer Gebrauch und die spielerische Umdeutung von Gegenständen zeigen seltsame Aspekte im Üblichen: Bolt und Okropiridse beleuchten Absurditäten und Feinheiten. (Pressetext) 

Ausstellungsdauer:  13.11. 2015 - 05.12. 2015

© Bolt: Landschaft, Galerie nectar, 2015 (Landschaftsbilder aus gefundenen Plastiksäcken)

 

© Orkropiridse: Kaukasische Balladen, Eisen, Plastik, 2015

 


Ausstellung:

Julia Logothetis

• Kritzelbilder von Häufungen, Verwirrungen und Entwirrungen…

• Lichtschwingungen und der Sessel der Aphrodite, der zur Tuchfühlung mit Malerei einlädt...

• Besetzungen und Besitzungen… (Ölbilder und Aquarelle)

• Julia Logothetis wurde in Wien geboren, maturierte, studierte Malerei und Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste sowie Mathematik und Philosophie. Sie schloss diese Studien mit dem Diplom für Malerei und Lehramtsprüfung ab. 1969-1971 wirkte sie als Kunsterzieherin in Wien. 1971-1973 studierte sie als Stipendiatin des British Council in London.

Ihre Aktivitäten umfassen zahlreiche Einzelausstellungen in Wien, Venedig, Rom, Bologna, Athen, St. Petersburg etc.

Wesentlich waren ihre Arbeiten am Orpheus-Projekt, am Nachlass des Vaters Anestis Logothetis und ihres Onkels Statis Logothetis. (Pressetext)

Ausstellungsdauer: 07.10. 2015 - 03.11. 2015

© Julia Logothetis:

Aphroditesessel aus der Installation im Theseustempel 2007, KHM Wien

 


Ausstellung:

»Der Georgische Knoten«

PRINZGAU/podgorschek

• PRINZGAU/podgorschek:

Leben in Wien, arbeiten seit 1984 im Team. Das bisherige Werk erstreckt sich von Architektur, Modell, Objekt, Kunst im öffentlichen Raum bis hin zu Fotografie, Malerei, Zeichnung und Film. Mit subtilem Ansatz formulieren sie Gedanken und Ideen zu Konzepten. Diese werden in der Regel mit einfachster Technik, mit arte povera- und Alltagsmaterialien umgesetzt. Makrostaub nennen sie die Verwendung von Material, welches das Atelier betritt und transformiert wieder verlässt. PRINZGAU/podgorschek arbeiten mit Zeichen und einfachen Gesten.

2015 unternahmen PRINZpod eine Recherche in Georgien. (Pressetext)

Ausstellungsdauer: 02.09. 2015 - 21.09. 2015

© PRINZGAU/podgorschek: Ich bin Ich ein Gerücht, ViennArt 2009

 


Ausstellung:

»auffallen«

Ahoo Maher (Iran) 

»BILDTONUNBILDBILDBILDTONSTONEBILDUNGSTON
TONTONBILDVEREINBILDUNDBILDBILDTONBILDTON
IMBILDTONBILDTONBILDTONTONTONTONTONBILDTON
BILDTONTONVERBILDTONTONTONBILDTONTONBILVER
TONBILDBILDTONBILDTONEINBILDTONUNGTONBILTON
BILDUNGTONINTONUNGBILDBILDREINBILDIMTONBILD
IMBILDTONBILD« (Presetext)

• Ahoo Maher ist eine aus Teheran stammende und seit 2008 in Österreich lebende Künstlerin/Musikerin/Performerin. 2011 begann sie das Studium der Kontextuellen Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Prof. Hans Scheierl. Im Bereich der Bildenden Kunst beschäftigen die junge Künstlerin besonders politische und sozialkritische Themen wie: Der Mensch als Produkt der Gesellschaft • Das Leben als Frau • Geschehnisse aus meiner Heimat...

Hauptsächlich arbeitet Ahoo Maher mit Medien wie Performance, Zeichnungen mit Collagen und der Fotografie.

Und stets begleitet diese ungemein vielseitig orientierte Künstlerin ihr Musizieren auf dem Violoncello: ob als aktives Mitglied beim Morgenland Chamber Orchestra Osnabrück, in kammermusikalischen Formationen wie - [su:r] ein Violoncello/Derang Duo - und/oder als wesentliches Ausdrucksmoment ihres bildnerischen Schaffens. Zu Hören und zu Sehen bei der konzertanten Performance als Vernissage am 12.03. in der Strengen Kammer des Porgy & Bess.

Ausstellungsdauer: 13.03. 2015 - 05.04. 2015

© Ahoo Maher

 


Ausstellung:

wienbewusst

David Freund: Fotographie

• „Jedes dieser historischen Häuser in Wien war wie ein Stück Seele, das man uns aus dem Leibe riß.“, schrieb Stefan Zweig in seiner Autobiographie „Die Welt von Gestern“ und beschreibt damit eine typische Reaktion junger wie auch alter Menschen zu Veränderungen im Stadtbild. Aus diesem Satz und der frühen Vergangenheit der Stadtentwicklung in Wien entstand die Idee zu wienbewusst, einem Projekt, das sich architekturfotographisch mit Gebäuden in Wien auseinandersetzt, deren Zustand thematisiert oder deren Verschwinden dokumentiert. Die Fotographien schockieren, regen zum Nachdenken an und provozieren ein Schmunzeln. Was verschwindet aus dieser Stadt? Welche architektonischen Schätze befinden sich in der Stadt und wie wird mit ihnen umgegangen? Muss Stadtentwicklung auch immer Zerstörung sein und warum sind so oft architektonische Raritäten dieser Entwicklung im Weg? Diese und viele weitere Fragen wirft David Freund mit seinem Projekt wienbewusst auf und versucht so andere Seiten von Wien bewusst zu machen.
 
David Freund wurde 1990 in Wien geboren. Im Alter von sechzehn Jahren begann sein Interesse für Fotographie zu wachsen. Durch die Leidenschaft für Kamerararitäten und seine Experimentierfreudigkeit mit dem Medium, probierte er sich durch die unterschiedlichsten Techniken. Seine erste Fotographie-Ausstellung fand im November 2011 im Restaurant Wrenkh statt. Aus dieser Initiative heraus gründete er das Projekt „Wand im Wrenkh“, welches jungen Künstlerinnen und Künstlern vierteljährlich eine Plattform für deren Kunst bietet. Seit 2011 studiert David Freund Architektur an der Technischen Universität Wien und bringt so seine beiden Leidenschaften in der Disziplin der Architekturfotographie zusammen. Seine charakteristischen Bilder zeigen die Ästhetik von Baustellen, Zerstörtem und Ungewöhnlichem. Als gebürtiger Wiener greift er eine ganz zentrale Thematik der Stadt auf: den architektonischen Wandel. Zu diesem Thema konnte er bereits im Herbst 2013 eine Austellung im Rahmen des soul.vienna artfestivals in der Künstlerhauspassage realisieren. (Sara Alavi Kia)

Ausstellungsdauer: 10.12. 2014 - 10.01. 2015



 
© David Freund

 


Ausstellung:

Mahdieh Bayat (Iran)

• Mahdieh Bayat ist eine Künstlerin aus dem Iran, die seit 12 Jahren in Wien arbeitet und lebt. Das Leben unterwegs außerhalb ihrer Heimat hat sie für die Themen „Macht und Identität“ sensibilisiert, die sich durch ihre gesamten Werke ziehen. In ihren Werken thematisiert sie immer wieder die Verletzlichkeit des Einzelnen und die Gewalt seitens Institutionen und institutionalisierter Macht. Ihr zentraler Bezugspunkt ist der menschliche Körper, oftmals ihr eigener, den sie in ihren Performance und Installationsarbeiten einsetzt und auch in ihrer Malerei reflektiert. Zusammen mit Johannes Kretz und (bei der Vernissage auch mit Richard Pfadenhauer am Klavier) werden ihre Arbeiten in einen audiovisuellen Gesamtkontext gestellt.

Die Verortung des Individuums in einer von Mobilität und Migration geprägten Welt ist eine Herausforderung unserer Gegenwart. Als Kulturschaffende stellen wir uns die Aufgabe, Grenzen zwischen Lebenswelten, Geschlechteridentitäten und Kunstgattungen hinter uns zu lassen. Wir erfinden uns neu, wo und wann auch immer wir wollen. Die Überwindung von Hindernissen ist produktiv. Grenzüberschreitungen nehmen in künstlerischer Form Gestalt an. Unsere Arbeiten erzählen von realen und imaginären Reisen. Grenzenlos, materiell/immateriell, frei von der Macht der Institutionen, beschäftigen sich die präsentierten Arbeiten mit Fremdsein im eigenen Land, in der Emigration, in der ständigen Mobilität und Unsicherheit kultureller Deplatzierung auf der Suche nach globaler Verortung.

Der künstlerische Schaffensprozess kann als das Eintauchen in eine andere Welt verstanden werden, ein Sich-Versenken in eine andere Dimension. Der umgekehrte Vorgang, das Erwachen in die Realität ist unvermeidlich und macht das Vorhergegangene erst interessant. Der Moment des Herauskommens in die Wirklichkeit hat eine starke emotionale Komponente. Wie wirklich ist die Realität, wenn man aus dem Versunken-Sein zurückkehrt? Sieht man alles mit anderen Augen, weniger alltäglich, mit präziserer Wahrnehmung? Welche Version der Wirklichkeit ist die „reale“? Welchen Platz und welche Funktion nimmt Kunst in dieser „Wirklichkeit“ ein?

Wir unterscheiden zwischen Realität und Virtualität, mitunter irritiert von den Möglichkeiten einer technisierten Scheinwelt. Unser Wahrnehmungsapparat – als Voraussetzung für das Verstehen von Gestalt in Raum und besonders auch von Phänomenen der Zeit – ist ein Produkt der Evolution. Wie sehr spielen die angeborenen Sinne und die evolutionären Lehrmeister unserer Vernunft eine Rolle beim Design unseres Weltbildes? Wie bedeutsam sind kulturelle Prägungen und Begrenzungen?


Ist künstlerische Artikulation eine Abbildung der Realität? Oder eine subjektive Spiegelung, eine Darstellung von Empfindungen?

Ausstellungsdauer: 05.11. 2014 - 05.12. 2014



 
© Mahdieh Bayat

 


Ausstellung:

»ERNSTFÄLLE«
 
Peter Assmann

Die „ERNSTFÄLLE“ von Peter Assmann sind Einfälle der Linienkunst in Wort und Bild, die ernst genommen werden wollen - aber nicht zu ernst. Der Betrachter soll - gleichsam lesend, also den Linien folgend, diese zusammenführend und mit eingespeicherten Bedeutungsmöglichkeiten kombinierend - in diese poetische Welt „hineinfallen“ - aber nicht zu tief: Der einzelne Ernstfall wird durchaus vom nächstfolgenden ein wenig infrage gestellt und schließlich vom darauf folgenden noch mehr - um Poetisches nahe dem Ironischen erkennbar zu machen.

In seinen Graphiken ist Peter Assmann zumeist Graphiker im eigentlichen (altgriechischen) Wortsinn: Er schreibt und zeichnet in einem, verbindet Wortbilder und Bildbilder, gestaltet aus dem solchermaßen Verwobenen (Text-Textil) eine eigenständige Erfahrungswelt voller unterschiedlich aktivierbarer Bezugssysteme.

Ernstfall bedeutet hier auch: Im zutiefst demokratischen Wortsinn ernst geben und nehmen (auch die seltsamen Aufforderungen des Geistes) oder in diesem Sinne den neu verbundenen Augenblicken in unterschiedlichste, nicht zuvor hierarchisch festgelegten Bedeutungsperspektiven zu folgen. Kunst ist hier um unter anderem Joseph Beuys zu zitieren: „die Errettung der Möglichkeit "so ist es“ zu sagen" - erweitert um situative poetische Erkenntniswelten und kulturelle Basisbedienungen in vielen Schichten. (Pressetext)

Peter Assmann, geboren 1963, ist Bildender Künstler, Schriftsteller, Kunsthistoriker, Kulturmanager, Universitätslehrer, Kurator, Sachverständiger, Buchautor, Museumsdirektor em., ausgestattet mit besonderem Interesse an allen Formen der Poesie, internationaler Ausstellungstätigkeit und folgenden jüngsten Publikationen: "Ernstfälle" (Bibliothek der Provinz) und "Verzögerte Verführung" (arovell).
 
Ausstellungsdauer: 25.06. 2014 - 25.09. 2014

© Peter Assmann

 


Ausstellung:

»perFORMing drawing«

Xenia Ostrovskaya

»Die Beziehung von Musik zu visuellen Kunst ist ein wichtiges Thema meiner Arbeit, da ich selbst als Musikerin und Künstlerin tätig bin. Das Projekt “perFORMing drawing” ist dem Erleben von der Musik über die figurative Zeichnung gewidmet. In der Ausstellung werden Zeichnungen präsentiert, die während verschiedener Konzerten in Russland und in Österreich entstanden sind. Bei der Vernissage wird eine Performance statt finden, bei der live spielende Musiker auf einen silk screen mit Tempera gezeichnet werden bis die Zeichnung die ganze Fläche bedeckt und nur mehr das visuelle Ergebnis von dem Gehörten zu sehen ist.« (Xenia Ostrovskaya im Interview in “Russian Art and Culture, 2013”)

Ausstellungsdauer: 11.04. 2014 - 30.04. 2014


© Xenia Ostrovskaya

 


Ausstellung:

»JONKIPEL«

Wolfgang Seierl

Multimediale Komposition anlässlich des 5. Todestages von Gert Jonke (2014)

Gezeigt werden die 2004 entstandene Grafikmappe „Le Projecteur“ nach Texten von Gert Jonke sowie weitere diesem Themenkreis und dem Werk Gert Jonkes verpflichtete Bilder und Zeichnungen. Ein Archipel ist eine Meeresregion mit vielen Inseln und meint nicht allein die zusammen liegenden Inseln, sondern auch das zwischen den Inseln und Inselgruppen liegende Meeresgebiet.

Eine musikalische Annäherung an das Werk des prominenten, 2009 verstorbenen österreichischen Schriftstellers Gert Jonke in Form einer Navigation durch den Archipel »Jonkescher Sprachinseln«. Die Werke, auf die in dieser Arbeit Bezug genommen wird, sind der Roman »Der ferne Klang«, die Kurzgeschichte »Der Projektor«, das Gedicht »Lendkanal« und die Novelle »Geblendeter Augenblick. Anton Weberns Tod«. JONKIPEL wird durch eine Ausstellung der zwischen 2005 und 2013 entstandenen, auf das Werk Gert Jonkes Bezug nehmenden Bilder, Zeichnungen und Radierungen von Wolfgang Seierl ergänzt.

Ausstellungsdauer: 05.03. 2014 - 03 .04. 2014



© Wolfgang Seierl

 


Ausstellung:

PIANO SUBLIMATION #2: Objekt / Sound / Grafik

JUUN / Michael Wegerer  

Projektbeschreibung:
• Unter dem Begriff »PIANO SUBLIMATION - Objekt / Sound / Grafik« wird die Kooperation zwischen der Komponistin und Musikerin JUUN und dem bildenden Künstler Michael Wegerer zusammengefasst. In gemeinsamen Arbeitsphasen wird Neue Musik mit zeitgenössischer Grafik verknüpft. Die Uraufführung fand in einer installativen Präsentation von Sound und Objekten mit Live Performance im Künstlerhaus statt. Die zweite Präsentation in der Strengen Kammer zeigt eine repetitive Weiterentwicklung.

Das gemeinsame Ausgangsobjekt stellt ein »Ehrbar«- Konzertflügel dar, gebaut um etwa 1860, der zerteilt und in prozesshaften Schritten in Grafiken, digitalen Arbeiten auf Papier, Videos und Sound-Art verarbeitet wird. Ein reziproker Dialog wechselseitiger künstlerischer Interventionen ist zentraler Bestandteil der Arbeit und führt in eine Präsentation akustischer und visueller Elemente.

Der Fokus liegt auf der direkten Erfahrbarkeit des aufbereiteten Prozesses; in anschaulicher Darbietung werden die Betrachtenden zu Zuhörenden und umgekehrt. Die musikalisch-visuelle Komposition steht in direktem Zusammenhang mit dem Ausgangsobjekt und den Prozessen der Verarbeitung.

Musik und im besonderen Sound Art finden ihre Funktion nicht nur in bloßer kultureller Äußerung sondern bieten auch eine Plattform für kritische Reflexion. Musik bewegt sich immer mit und durch Raum. Sound Art ist immer auch eine Beschreibung, Analyse und Hinterfragung der Bedingungen von Klang und deren Prozess, durch welchen dieser entsteht. Sound Art bezieht nicht nur Raum, Architektur, Orte, Umwelt ein, sondern zeigt auch soziale Zusammenhänge: Privatheit wird öffentlich und Öffentlichkeit wird persönlich (Juun / Michael Wegerer)

Ausstellungsdauer: 08.01. 2014 - 30 .01. 2014



© JUUN / M.Wegerer


© Sound Grafik (Skizze) / M.Wegerer

 


Ausstellung:

DER TON HAT GEDÄCHTNIS  /  Billie Holiday »Left Alone«

Sabine Bauer / Keramik


EIN SCHILD,
DARAUF EIN TEXT,
EINGEPRÄGT,
ZERBRICHT.

ALLE TEILE DURCHLAUFEN VON DA AN
DEN SELBEN (PRODUKTIONS-)WEG,
ABER EINZELN, JEDER TEIL FÜR SICH:
TAUSENDZWEIHUNDERT GRAD GEFRORENER RHYTHMUS.
 
AM ENDE FÜGEN WIR DIE TEILE WIEDER ZUSAMMEN
KANN ES NACH ALL DEM WIEDER EIN GANZES WERDEN?
WIEVIEL AN KRAFT & SPANNUNG IST (NOCH) DA?
IST ETWAS VERLOREN GEGANGEN? (Sabine Bauer)

• Fast hat unsere Zeit, welche fortschritts(f)reudig ungehemmt riesige Müllhaufen von industriell gefertigten Gegenständen produziert, fast haben es »Masse & Macht«, die »Haupt- & Selbstdarsteller« der unierten Kunst- & Kulturbetriebe vergessen: Die Keramik zählt zu den ersten Beispielen kunstvoll gestalteter Objekte aus der Frühzeit der Menschheit.
Fast.
Sabine Bauer ist eine Meisterin der 1200°C-Brände. Unbeirrt von all jenen angesagt zeitgeistig kunstkonzeptuellen Wahn- & Egovorstellungen beschäftigt sich die junge Künstlerin täglich mit dichtem und porösem Scherben: Ein faszinierendes »Hand-Werk«, zu dessen erfolgreicher Ausübung enormes Materialwissen, kunstvolle Finger(spitz)fertigkeiten wie eine in jeglicher Hinsicht belastbare Geistes- & Geduldsfähigkeit die unabdingbaren Voraussetzungen bilden.
Auch möchte der Autor dieser Zeilen in diesem Zusammenhang den geneigten Leser an folgende bemerkenswerten Bedenk-Verortungen des mexikanischen Nobelpreisträgers Octavio Paz erinnern:
»Für den industriellen Gegenstand gibt es keine Wiedergeburt: Er verschwindet ebenso schnell, wie er erschienen ist. Hinterließe er keine Spuren, wäre er wirklich vollkommen; doch leider hat er einen Körper, und wenn er einmal ausgedient hat, wird er schwer zu vernichtender Abfall.
Die Indezenz des Mülls ist nicht weniger pathetisch als die falsche Ewigkeit des Museums. Der Gegenstand des Handwerks will weder Jahrtausende dauern, noch ist er davon besessen, bald zu vergehen. Er vergeht mit der Zeit, begleitet unser Leben, nutzt sich allmählich ab, sucht nicht den Tod, aber negiert ihn auch nicht: er nimmt ihn hin. Zwischen der zeitlosen Zeit des Museums und der beschleunigten Zeit der Technik ist der Gegenstand des Handwerks das Pulsieren der menschlichen Zeit.
Er ist ein Gebrauchsgegenstand, doch einer, der auch schön ist; ein Gegenstand, der dauert, doch der endet und sich damit abfindet, dass er endet; ein Gegenstand, der nicht einzig ist wie das Kunstwerk, sondern ersetzt werden kann durch einen anderen Gegenstand, der ihm ähnelt, doch nie der gleiche ist.
Das Werk des Handwerkers lehrt uns zu sterben und somit zu leben.«

Herzlich Willkommen!


p.s.: Folgende Basisinformationen sind für den »Public-Domain-Besucher« vielleicht von Interesse und (u.a.) im grossen Kunstlexikon von P.W. Hartmann nachzulesen:

»Keramik, von griechisch keramos, "Töpfererde", und keramike (techne), "Töpferkunst".
Bezeichnung für Erzeugnisse aus gebrannten ton- bzw. kaolinhaltigen Grundstoffen sowie für die Technik ihrer Herstellung, die Töpferkunst. Je nach der Dichte des Ausgangsmaterials, d. h. nach ihrer Wasseraufnahmefähigkeit, unterscheidet man zwischen Produkten mit dichtem Scherben (Porzellan, Steinzeug u. dgl.) und solchen mit porösem Scherben (Fayence, Steingut und Terrakotta), die erst durch die Glasur wasserdicht werden. Bisweilen wird auch von so genannten sonderkeramischen Werkstoffen gesprochen, wie z. B. Steatit.
Bei frühen Erzeugnissen erfolgte der Dekor durch Einpressen von Zierformen in die noch feuchten Tonwaren (Bandkeramik, Schnurkeramik etc.), in späterer Zeit auch durch Anguss (Engobe, Schlicker) und durch Bemalung (Aufglasurfarbe, Muffelfarbe).« (renald_deppe)

Ausstellungsdauer: 09.12. 2013 - 03.01. 2014

   

© Sabine Bauer: Der Ton hat Gedächtnis / Keramikschild / Text: Billie Holiday : Left Alone

 


Ausstellung:

»Rückgratlose Heldinnen«

Michael Bruckner-Weinhuber (et al*)

Fotografie-Video-Musik-Installation

Rückgratlose Heldinnen, Arbeiterinnen eines höchst kommunikativen Ameisenvolks aus Hernals, Fliegen, Milben und andere wirbellose Wesen stehen im Fokus der Ausstellung.
Im Blick durch das Vergrößerungsglas der Makrolinse erscheinen Details einer fremden Welt, die uns ständig umgibt.
Die Schönheiten dieser kleinen Welt in Struktur, Form und Farbe finden Ihren Ausdruck in Bildern sowie in der Musik.
In behutsamer Weise entstehen die Fotografien und Videos im natürlichen Lebensraum der Tiere, jedoch werden durch leichte Veränderungen entrückte und sonderbar anmutende Szenarien erschaffen, die eine Verbindung zwischen Natur und Kultur herstellen.

Postkarten - der Beginn einer Reihe...
Makrofotografien im Dialog mit Texten von Nadine Kegele und Bodo Hell.
&
Rückgratlose Heldinnen - Videoinstallation:
Michael Bruckner-Weinhuber (Kamera, Konzept, Musik)
Daniel Lercher (Musik, Klangregie)
Katharina Weinhuber (Dramaturgie)
Dominik Grünbühel (Videomontage)
&
Makrofotografien von unzähligen "Rückgratlosen Heldinnen" !

(Michael Bruckner-Weinhuber)

• Ein weiser Meister des BAUHAUSES lehrte einst: »Ein akademisch gebildeter, mittelmäßig begabter Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er das Praktisch-Zweckmäßige erlernt hat und dass er Hören des inneren Klanges verloren hat.«
Dieser wahrhaft widerständige wie ungemein irritierende Satz Wassily Kandinskys, frei schaffender Künstler und wohlverantwortet agierender Vermittler befreiender Denk- und Lebensmodelle, verdeutlicht auch das Bemühen aller Ton- und Zeichensetzer bei der Fixierung von akustischen Ereignissen: Wie ermöglicht man das Wesentliche: Das Hören der inneren Klänge.
Michael Bruckner-Weinhuber versucht stets das Wesentliche zu ermöglichen/erreichen/erkennen/vermitteln/entdecken.
Ob der durchaus (in vielen Hinsichten) Rückgrat besitzende junge Künstler mit dem fotografischen Ohr oder dem musizierenden Auge arbeitet: Niemals verweilt sein künstlerisches Suchen beim »Praktisch-Zweckmäßigen«, beim allzu bequemen »Konsens-Komfort« wohletablierter Normen, in der saturierten »Kaltglanz-Welt« der äusseren & veräusserten Klänge & Zeichen… (Renald Deppe)   

Ausstellungsdauer: 04.11. 2013 - 03.12. 2013

© Michael Bruckner-Weinhuber: Rückgratlose Heldinnen

 


Ausstellung:

»kleinkarikiert«

Mohammad Ali Ziaei

Mohammad Ali Zial wurde 1983 in Teheran/Iran geboren. Von 2002-2007 studierte er Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seither lebt und arbeitet der vielseitige Künstler in Österreich.
Mohammad Ali Zial ist ein Meister der spitzen Feder: Er beherrscht vollendet die so oftmals unterschätzte Kunst der Karikatur.
Laut Duden: Herkunft: italienisch caricatura, eigentlich = Überladung, zu: caricare = übertrieben komisch darstellen, eigentlich = be-, überladen, Zeichnung o. Ä., die durch satirische Hervorhebung bestimmter charakteristischer Züge eine Person, eine Sache oder ein Geschehen der Lächerlichkeit preisgibt.

Nun: ein großer Karikaturist legt offen, zeitigt quasi einen Röntgen-Blick durch die Maske der jeweiligen Haupt- & Selbstdarsteller. Ohne Worte, ohne Gerüche, ohne Manifeste, Lieder, Tänze und Klänge: Ob das nun »Sichtbare« lächerlich, schockierend, peinlich, furchterregend, entlarvend, traurig, schaurig, komisch, verderblich, grauslich, kriminell, gierig, dreist, feist, bigott, dümmlich, ärmlich, mitleiderregend, angsteinflößend, eitel, unförmig, maßlos, oder abgrundtief verlogen erscheint: es ist bedingungslos dem aufmerksamen Blick des Betrachters preisgegeben. Und anzumerken sei: Zumeist handelt es sich um politische Karikaturen. Das kann wahrlich kein Zufall sein. Oder?
Mohammad Ali Zial ist ein Meister der spitzen Feder: Sein unbestechlicher Feder-Blick bringt uns in seiner Ausstellung diverse Gestalten & Gewalten näher: KünstlerInnen, Schau- & KlauspielerInnen, Berühmtheiten, SportlerInnen, Männer (& Frauen) des Glaubens & Raubens: PolitikerInnen.

»Gott sagte zum Propheten: Lies, denn dein Herr ist allgütig. / Der mit dem Schreibrohr lehrt, / lehrt den Menschen, was er nicht wusste.«
(Koran, 96: 3-5)

Mohammad Ali Zial ist ein Meister des Zeichenrohres: das Erschaute will/kann/sollte gelesen werden: Und plötzlich weiß/ahnt/glaubt der Betrachter, was er vorher nicht…: Herzlich Willkommen! (renald_deppe)

Ausstellungsdauer: 11.10. 2013 - 30.10. 2013

 

© Mohammad Ali Ziaei : Selbstporträt

 


Ausstellung:

»Runder Tisch«

Gerald Thomaschütz

• »(…) Was man zu Anfang des 21. Jahrhunderts eigentlich noch malen kann, muss - wenn es denn überhaupt eine Antwort auf diese Frage gibt - von den Künstlern selbst beantwortet werden. Der Maler Thomaschütz hat sich für die Arbeit an seinem System der grotesken und absurden Situationen entschieden; Bekenntnisbilder sind das, die gelegentlich die Karikatur streifen, die in ihren verformten Redefiguren mit den Mitteln der Gestik und Physiognomik treffende und wahrhafte Äußerungen zu erschaffen versuchen. (…)
Auch Rückenfiguren sind zu finden, Regenten und Agenten, Schauspieler und Poseure. Sie alle kommunizieren mit uns durch ihre Haltung, durch die anatomische Geste, durch die Gestik, die jeder menschlichen Figur bleibt. Auch in den Kostümbildnissen ist die Pepräsentation nur Vorgabe.
Repräsentatives ist bei Thomaschütz immer, so scheint es, nur Vorspiegelung von anderen Tatsachen. Denn dafür ist ihm die Welt insgesamt zu grotesk und die Handlungen der Menschen in ihr zu nah am Absurden, um sie nicht in solcher künstlerischen Brechung fassen zu wollen.« Ulrich Krempel (Honorar-Prof. an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig)

Ausstellungsdauer: 01.09. 2013 - 30.09. 2013

© Gerald Thomaschütz: »Runder Tisch« / Öl auf Leinwand, 180 x 240 cm, 2012

 


Ausstellung:

»20 jahre stör- & nebengeräuschkalligraphie«

renald deppe

stiegenabgangs-trubel-fermaten / treppenaufgangs-jubel-sonaten
                       •ausstellung anläßlich : 20 jahre porgy & bess•

• »(…) Aber die Musik ist auch nur das eine Standbein seiner künstlerischen Existenz, das andere: der Zeichner, Graphiker Renald Deppe, der, so glaube ich, fast jede Nacht am Tisch sitzt und liebevoll, mit besonderer Feder und besonderer Tinte auf besonderem Papier seine unendlich detailreichen, fein ziselierten Zeichnungen entstehen lässt. Viele, die Post von ihm bekommen, bekommen auch eine kleine Originalzeichnung dazu und wenn man besonderes Glück hat, ist noch ein kleines Spottgedicht dabei.
Es gibt aber noch ein weiteres Bein – das dritte schon, das einen großen Teil seiner Person prägt: der Projekt–Erfinder und Konzeptionist, der Künste, Räume, Menschen und vieles andere miteinander verknüpft. Es sind durch und durch künstlerische Projekte, auch wenn sie oft mit einem sozialen Hintergedanken verbunden sind. Er arbeitet mit Profikünstlern, mit Studenten, mit Amateuren, mit Lehrlingen mit Bundesbahnern. Und keine Aufgabe ist ihm zu hoch oder zu niedrig, zu kompliziert oder zu einfach. Und wenn Sie sich nun angesichts dieser fast erschreckenden Vielfalt heimlich fragen: „Gibt es ein klares Profil? Oder ist das schon Beliebigkeit?“ dann heißt die Antwort: Renald Deppes künstlerische Äußerungen sind das absolute Gegenteil von Beliebigkeit und er selbst ist ein ganz und gar unverwechselbarer Künstler. (…)« Univ.Prof. Reinhart von Gutzeit (Rektor der Universität Mozarteum Salzburg)

Ausstellungsdauer: 30.08. 2013 - 04.10. 2013

© renald deppe: »eine-kleine-peking-oper« / nussbaum- & eisengallustinte, 2012
  


Ausstellung:

»Kopfraum«

Sarah Steiner ● Lukas Wolfgang Fuchs

Weh, wie entsetzlich!
Unter dem Helm des Kriegers
singt eine Grille.

Matsuo Bashô (1644-1694)

Die Zentrierung der visuellen, auditiven, olfaktorischen & gustatorischen Wahrnehmung in & um den diversen "Kopfräumen" des Menschen zeitigt ungeheure Intensitäten heterogener Erlebnis-Qualitäten: Rausch & Ratio, Verklärung & Verletzung, Glück & Gemeinheit, Verbrechen & Vertrauen, Lust & Lauer, Verständnis & Verlangen, Trug & Treue, Verzweiflung & Verzückung, Genuss & Grauen, Völlerei & Verzicht: Welch ein Glück für die kopfgesteuerte Kreatur, dass zumindest die taktile "Für-Wahr-Nehmung" nicht unbedingt in Hirnnähe verortet ist. Sarah Steiner & Lukas Wolfgang Fuchs unternehmen eine bildhafte Erkundung jener (Über)Lebensräume, welche die Möglichkeiten bieten, Trüb-, Klar-, Wahn-, Scharf-, Irr- & Frohsinnges über unsere Innen-, Aussen-, Um- & Mitwelten zu erfahren. Spannendes ist zu erwarten...: Herzlich Willkommen! (re_de)

Ausstellungsdauer: 27.06. 2013 - 02.08. 2013

© Lukas Wolfgang Fuchs, Acryl auf Leinwand, 2012

 

© Sarah Steiner, Acyl & Kohle auf Leinwand, 2012

 


Ausstellung:

»mit oder gegen den strich«

K.U.SCH.

Renate Krätschmer, Jörg Schwarzenberger, Sito Schwarzenberger

»Wenn wir auch im Leben alles tun, um der Angst zu entgehen, in der Kunst müssen wir uns doch auf sie einlassen.
Das ist schwer.« Morton Feldman

Die Arbeiten von K.u.Sch. wirken als zeitlose politische Poesie. Und niemals trifft bei ihrer kritischen Positionierung/Stellungnahme/Analyse bezüglich gesellschaftlich relevanter Ver-, Ab-, Um- und Anwandlungen jenes peinsame Goethewort zu: "Man merkt die Absicht und ist verstimmt." Niemals.
Die Titel der zur Schau gestellten Objekte helfen Wesentliches zu erfassen: sind quasi Zauberworte, subtile Botschaften, welche dem Betrachter die oftmals als enigmatisch codiert wahrgenommenen Objekte hilfreich näherbringen.
Oftmals erscheinen dem Publikum die ausgestellten Kunstobjekte wie wundersame Fundstücke : Reduziert, angereichert, umgedeutet und kombiniert werden diese gewöhnlichen Dinge einer scheinbar wohlbekannten Alltags- und Arbeitsweltwelt unerwartet zu einem kraft- wie humorvollen Gesang des Erwachens, zu einer wirkungsmächtigen Kenntnisnahme der Wahrheit des Augenblicks. (re_de)

Ausstellungsdauer: 03.04. 2013 - 03.05. 2013



 
© k.u.sch. : Schmachtlocke

 


Ausstellung:

»(Stadt- & Land)Schrift «

Bodo Hell

Bücher ● Photographien ● Lebensmaterialien

»Endlich ein literarisches Photobuch, das höchsten professionellen Ansprüchen genügt: gewählter Ausschnitt, Tiefenschärfe, Kontrast, Abstimmung der Formate, Rhythmus der Seiten. Keine Untertitel, keine abgehobenen Kommentare: Der Text ist im Bild.« (Georg Jappe zu Bodo Hells "Stadtschrift" : DIE ZEIT, 1985/42)

Seit seiner legendären dokumentarischen Stadtschrift-Publikation in der linzer »edition neue texte« hat Bodo Hell, Schriftsteller-Texter-Hörspielautor-Almhirte, seine photographische Arbeiten stetig weiterentwickelt, immer wieder neu definiert, fokussiert und positioniert. Zu sehen sind faszinierende (Über)Lebenszeichen: »nicht stumpf-seriell, sondern flanierend, lustvoll-assoziativ nach Gruppen und Kontrasten geordnet, mit kindlichem Wundern und zugleich mit einer weisen Ironie, der nichts Menschliches fremd ist« (DIE ZEIT)
Die Werkschau des Erich-Fried-Preisträgers Bodo Hell zeigt Lebensmaterialien aus einem unendlich intensiven Kunst- und Kulturschaffen: Bücher, Schriften und andere diverse Inkunabeln komplettieren die ungemein vielgestaltigen Sicht- und Ausdrucksweisen des einzigartigen Gesamtkunstwerkes Bodo Hell: nicht nur ein stilbrillanter Literat, nicht nur ein feinsinniger Bühnenautor, nicht nur ein interdisziplinär agierender Kunstberichterstatter, nicht nur ein käsekenntnisreicher Senner, nicht nur ein begnadeter (Schapps)Brenner, nicht nur ein schlaupfiffiger Ziegenkenner, nicht nur ein unbestechlicher Chronist, nicht nur ein er- & aufregender Performer, nicht nur ein pausen- & ruhelos kommunizierender Netzwerkinitiator, nicht nur ein kulturbetriebsferner Bergasket, nicht nur ein altarmenischer Nothelferspezialist, nicht nur ein umjubeltes Model bei diversen Modeschauen, nicht nur ein virtuosfurioser Maultrommler, nicht nur, nicht nur, nicht nur...: aber auch. (re_de)

Ausstellungsdauer: 06.03. 2013 - 30.03. 2013

 


 

(© G. Breckner)

 


Ausstellung:

»EROS Über-ALL«

Valerie Schaller

»Nach der Lehre Platos ist Eros, den wir in der Liebe und Attraktivität eines anderen Menschen finden, ein Anziehungspunkt für die eigene innere Suche, etwas auszufüllen was tief in uns nach geistiger Schönheit strebt.
Eros durchfliesst unseren Alltag und weckt uns zum Leben, Erotik geht von Netzstrümpfen bis zu dem Blick in einen glasklaren winterlichen Sternenhimmel oder einer packenden geistigen Erkenntnis.
Erotik ist, wenn man das Leben durch den Körper fliessen und den Geist lächeln spürt.
Die Künstlerin arbeitet mit digitalen Medien, zeichnet in Fotos hinein, die als "inkjet prints" ausgedruckt werden, und gestaltet großformatige Video-Wandprojektionen.« (Valerie Schaller)

Komm beiß dich fest ich halte nichts
vom Nippen. Dreimal am Anfang küss
mich wo's gut tut. Miss
mich von Mund zu Mund. Mal angesichts

der Augen mir Ringe um
und lass mich springen unter
der Hand in deine. Zeig mir wie's drunter
geht und drüber. Ich schreie ich bin stumm.

Bleib bei mir. Warte. Ich komm wieder
zu mir zu dir dann auch
»ganz wie ein Kehrreim schöner alter Lieder«.

Verreib die Sonnenkringel auf dem Bauch
mir ein und allemal. Die Lider
halt mir offen. Die Lippen auch.

Ulla Hahn

Ausstellungsdauer: 13.02. 2013 - 02.03. 2013


(© Valerie Schaller)

 


Ausstellung:

»Alles Ständig In Bewegung« Photographie (IRAN)

Shahriyar Farshid (Salzburg)
Mojtaba Mousavi (Linz)
Hessam Samavatian (Wien)
saLeh roZati (Wien)

Vier aus dem Iran stammende Photographen zeigen auf unterschiedliche Art und Weise das, was unser aller Leben eigentlich ausmacht: Bewegung. Erst Stillstand & Stagnation zeitigen jene bedrohliche Zustände von Intoleranz & Ignoranz, welche letztlich sämtliche das Leben verachtende Paradiese dieser Welt kenn- & auszeichnen. Als vermeintlich wertkonservative Schutzmaßnahmen einer Kultur getarnt, beschleunigen und beschönigen sie deren Verfall: wer die Kulturen "bewegungsrein" halten will, schwächt sie.
»Alles Ständig In Bewegung«: ein Hoffnungsschimmer, ein Rettungsanker, ein Trost für Fortgeschrittene... (re_de)

Ausstellungsdauer: 16.01. 2013 - 09.02. 2013

(© Shahriyar Farshid)
 


Ausstellung:

Objekte / Installationen

Vooria Aria (IRAN)

Mit dem 1979 in Sanandaj (Provinz Kordestān) geborenen Bildhauer Vooria Aria setzt Lost & Found seinen iranischen Ausstellungs-Schwerpunkt in den Räumen des Porgy & Bess fort. Von 2004-2010 studierte der Künstler bei Gerda Fassel und Erwin Wurm an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Und (er)wählte danach die donaublaue Fliedermetropole als Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Feine, minimale Strukturen und Gewebe, die kaum wahrnehmbare Abwandlung des vermeintlich Gleichen kennzeichen das sensitive Schaffen des jungen Bildhauers aus der iranischen Provinz Kordestān.
Auch die kurdisch-iranische Journalistin, Menschenrechtsaktivistein und Feministin Roya Tuloui stammt aus dieser oftmals von blutigen ethnischen Konflikten heimgesuchten Region. Als Chefredakteurin gab sie das 2005 verbotene Frauenmagazin RASAN in Sanandaj heraus, wurde anschließend wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit angeklagt, inhaftiert und floh 2006 in die USA. »Morde an Kurden sind nichts Neues im Iran. Seit fast 26 Jahren haben wir dieses Problem.« Originalton Roya Tuloui.

»Wir können den Wandel von Innen heraus erreichen.« (Mustafa Hejri, Vorsitzender der Demokratischen Partei Kurdistans/Iran (KDPI), lehnt einen Militärschlag gegen den Iran entschieden ab.)

Der Iran, eine über 2500 jährige (Kultur)Geschichte vorweisend, existiert aktuell im Bewusstsein der westlichen Welt zumeist nur als dämonisiertes Feindbild: die Mehrheit der (wirtschafts)politischen Entscheidungsträger und viele der von ihnen beeinflussten Medien verweisen vordergründig und wahrlich scheinheilig auf eine verwerfliche "Achse des Bösen", der die vermeintliche Atommacht Iran mit ihren tatsächlich real existierenden zweitgrößten Erdölreserven der Welt unbedenklich zugerechnet wird. Die ungeheuere Vielschichtigkeit und Komplexität iranischer Vergangenheit und Gegenwart abzuhandeln: dazu fehlt in diesem Lost & Found-Newsletter der nötige Raum. Der Autor dieser Zeilen erlaubt sich jedoch folgenden Literaturhinweis, welcher dem lesenden Hörer, dem hörenden Leser, dem stets kritisch abwägenden Lost & Found-Publikum ein differenzierteres Erscheinungsbild der Islamischen Republik Iran ermöglicht:

Bahman Nirumand
IRAN
ISRAEL
KRIEG
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2012
ISBN 978 3 8031 2697 9

Abschließend sei auf den Iran-Schwerpunkt des »Festival 4020. mehr als musik.« der Stadt Linz im April 2013 hingewiesen:
spiegel.persien  (web: http://www.festival4020.at/)
Sorgsam kuratiert und mit der engagierten Unterstützung des österreichischen Kulturforums in Teheran in Szene gesetzt verspricht dieses mutige Unternehmen einen Linzer Frühling der besonderen Art: Willkommen!  (re_de)

Ausstellungsdauer: 07.12. 2012 - 04.01. 2013
 


 


Ausstellung:

Die neue Steinzeit – Kochstudio und Kochshow

Götz Bury

Der Tausch von Nahrung, Material, Werkzeug im unmittelbaren Umfeld kann schon für die ersten Kulturen der Steinzeit angenommen werden. Wenn also in bälde eine neue Steinzeit aufblühen wird: Was werden z.B. Politiker, Börsenspekulanten, Hedgefondsmanager, Aufsichtsratbäuche und Sport- & Kulturfunktionäre (rat-& tatlos) tauschen wollen...? Man ahnt beglückende Antworten und freut sich auf die Wahrheit dieses Augenblicks: Götz Bury zeigt & zelebriert & variiert das "Prinzip Hoffnung": Es lebe die neue Steinzeit, sie lebe hoch...!
Nähere Informationen erfahren Sie bei ihrem Arzt oder Apotheker oder per einfachen Doppelklick: basis wien - Götz Bury (re_de)

Ausstellungsdauer: 09.11. 2012 - 05.12. 2012
 


 


Ausstellung:

Skulpturen / Installationen

Behruz Heschmat (Iran)

Dort, wo
es Licht gibt,
lebt der Schatten.
Dort, wo
Schatten
stirbt,
gibt es
kein Licht.

Behruz Heschmat

Der aus Täbris (Iran) stammende Bildhauer Heschmat ist stets ein aus dem politischen Diskurs heraus agierender Künstler.
Diese Grundmotivation seines Schaffens steht keineswegs im Widerspruch mit der zeitlosen, nicht den aktuellen Zu- und Umständen verpflichteten Sensibilität seiner poetischen Gestaltungskraft, welche Heschmats Werke stets auszeichnet.
Der Iran, eine über 2500 jährige (Kultur)Geschichte vorweisend, existiert aktuell im Bewusstsein der westlichen Welt zumeist nur als dämonisiertes Feindbild: die Mehrheit der (wirtschafts)politischen Entscheidungsträger und viele der von ihnen beeinflussten Medien verweisen vordergründig und wahrlich scheinheilig auf eine verwerfliche "Achse des Bösen", der die vermeintliche Atommacht Iran mit ihren tatsächlich real existierenden zweitgrößten Erdölreserven der Welt unbedenklich zugerechnet wird.
Doch: Things ain't what they used to be...: (nicht nur) ein wunderbarer Blues von Duke Ellington. Die ungeheuere Vielschichtigkeit und Komplexität iranischer Vergangenheit und Gegenwart abzuhandeln: dazu fehlt in diesem Lost & Found-Newsletter der nötige Raum. Der Autor dieser Zeilen möchte sich jedoch folgende Literaturverweise gestatten, welche dem lesenden Hörer, dem hörenden Leser, dem stets kritisch abwägenden Lost & Found-Publikum ein differenzierteres Erscheinungsbild des alten Persiens, der Islamischen Republik Iran gestatten: diesem historischen wie brisant aktuellen Drehscheiben-Raum, Kampfplatz und Begegnungstätte zwischen Okzident und Orient.

Michael Lüders • Iran: der falsche Krieg
Wie der Westen seine Zukunft verspielt / München, 2012
*
Kamaran Safiarian • Pulverfass Iran
Wohin treibt der Gottesstaat? / Freiburg im Breisgau, 2011
*
Olivier Roy • Der falsche Krieg
Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens / München 2010
*
Peyman Jafari • Der Andere Iran
Geschichte und Kultur von 1900 bis zur Gegenwart / München 2012
*
Gerhard Schweizer • Iran
Drehscheibe zwischen Ost und West / Stuttgart 1991  

Behruz Heschmat verließ seine im iranischen Aserbaidschan gelegene Heimat 1976 zur Zeit der Diktatur des Schah-Regimes von Mohammad Reza Pahlavi um in Wien ein Bildhauer-Studium zu beginnen. Seit 1983 lebt der zumeist Stahl verarbeitende Künstler in der Donausoblau-Metropole im Exil. Behruz Heschmat kehrte nie wieder in seine Heimat zurück.
Trifft man den Bildhauer in den Gassen von Wien begegnet man einem stets lächelnden Gesicht. Doch den grundgütigen wie unbestechlichen Augen dieses Meisters der künstlerischen Dokumentation seiner Zeit ist vieles nicht verborgen geblieben. Das mag den nicht nur Ferrum sondern auch Verse schmiedenden und durchaus kommunikativ-geselligen Bären Behruz Heschmat veranlasst haben, folgende Zeilen zu verfassen:

Ich brachte
die Mäuse
der Schmiedewerkstatt
um.
Ich wurde
einsam!

Ungemein "Fein"sinniges ist in den Räumlichkeiten des Clubs zu bestaunen: Ein Herzliches Willkommen!


Ausstellungsdauer: 01.10. 2012 - 03.11. 2012
 

Aus der Rede des ungarischen Dirigenten Ivan Fischer 2011 zum 9. November (Reichspogromnacht 1938):

(...) Lesen Sie die Hetzartikel? Sehen Sie die ultranationalistischen, fremdenfeindlichen und antiziganistischen Bewegungen, die europaweit zunehmen? Dann bitte ich Sie, endlich zu begreifen, dass in Europa nicht in erster Linie der Euro in Gefahr ist, sondern die Toleranz. Tun Sie etwas! Grenzen Sie sich von denen ab, die sich mit den Hetzern Kompromisse schließen und erschaffen Sie obligatorische Normen, die die Freiheit der BürgerInnen Europas garantieren!“ (...)

Tun Sie etwas: Jeden ersten Montag im Monat widmet "Lost & Found" jenen Anfängen, denen es stets zu wehren gilt. Gedacht wird an die vielen gewaltsamen Ausgrenzungen all jener selbsternannten (und manchmal auch mehrheitlich gewählten) Sitten-, Rassen-, Heimat- und Leistungswächter. Eingemahnt werden die schändlichen Vertreibungsstrategien all jener unheiligen Gralshüter, welche durch blutige Reinhaltungshysterien die von ihnen und ihresgleichen beanspruchten vermeintlichen Paradiese wertkonservieren wollen. „Der Trauernde siegt.“ Vielleicht hilft gerade diese von Laozi beschworene Ein-, Um-, Weit- und Weltsicht: Durch mahnendes Eingedenken der sinnlosen Aggression und Gewalt faschistoider Gemeinsamkeiten ein (frühzeitiges) Ende zu bereiten.

Tun Sie etwas! Zum Beispiel trauern. Jeden ersten MonatsMontag im Porgy & Bess.

Herzlich Willkommen: Renald Deppe.

P.S.:
Aber auch das sollte bitte (nicht nur) jeden ersten MonatsMontag möglich sein: Aus den Aufzeichnungen (1992-1993) eines Elias Canetti:

Bauern im südindischen Karnataka:
»Nach monatelangen fruchtlosen Protesten versammelten sie sich jetzt vor dem Parlamentsgebäude und lachten zwei Stunden lang die Regierung aus. 2000 Polizisten schauten tatenlos zu.«

(re_de)

 

 


Ausstellung:

Gomberg In Process: Live Painting

Franz Hautzinger

Anlässlich des im September stattfindenden Portraits des hochvielbegabten Künstlers, eine quasi in die Zukunft blickende Rückschau seines (auch) eng mit dem Porgy & Bess verbundenen Schaffens, findet in der Strengen Kammer eine Ausstellung der visuellen Zeichengebungen Franz Hautzingers statt: Subtile Bildformate, spontan verdichtete Tusch- und somit kalligraphische (Über)Lebensspuren, welche im Verlauf der Vernissage in einer (einminütigen) Wahrheit des Augenblicks entstehen.

Ein guter Wanderer lässt keine Spur zurück.

Laotse


Der Autor dieser Zeilen bittet den geneigten Leser jedoch auch folgendes zu bedenken:


Eine gute Spur lässt keinen Wanderer zurück.

(re_de)

Ausstellungsdauer: 11.09. 2012 - 28.09. 2012
 


 


Ausstellung:

Asche hinter Glas - schwarzweiß
Hinterglasbilder (Asche, weißer Lack hinter Glas)

Christian Muthspiel

(...) Die Entdeckung Sigmund Freuds, dass der Mensch nicht nur ein rationales Wesen ist, sondern von einem Unbewussten viel mächtiger bestimmt wird, als von seinem rationalen Tun, das ist Vielen in der Kunst des 20. Jahrhunderts die entscheidende Grundlage und Erkenntnis geworden. Das Bild ist kein Repräsentant einer äußeren Wirklichkeit mehr, es wird ein Ort, wo es um eine innere Befindlichkeit oder Dimension und letztlich um Energie geht. Daraus entwickelte sich nach 1945 auch die informelle, die gestische Malerei und dort setzt Christian Muthspiel an: Er lässt sich treiben von dem, was aus ihm kommt, was sich daraus formt – das äußere Zutun ist dann eine gewisse Gestaltung innerhalb eines bestimmten Rahmens. (...) Carl Aigner (Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums)
 
Montag, den 21. 05. 2012 : Vernissage

„für und mit ernst“
Soloperformance nach Lyrik von Ernst Jandl

Christian Muthspiel - Posaune, Klavier, Stimme, Electronics, Toys
Ernst Jandls Stimme

Anläßlich seiner "Strengen-Kammer-Ausstellung" gibt Christian Muthspiel, einer der vielseitigsten Klang-, Kunst- & Kulturarbeiter (nicht nur) in austriakischen Landen, ein ungemein spannendes Jandl-Programm zum Besten: Wort- & Spielwitz, Sprach- & Klangvirtuosität, Ab- & Tiefgründiges, Quer- und Gradgedachtes bilden einen faszinierenden Kontrapunkt zum Thema "Mängelwesen Mensch". Kein Abend von & für zeitgeistige Halbgötter: heftig zartdeftiges lautundluisenphonales Vollmenschdasein ist angesagt...: Herzlich Willkommen!  

Hermann Beil über "für und mit ernst":
 
»Im Anfang war das Wort - diese lapidare Botschaft aus dem Evangelium nach Johannes wird von Ernst Jandl schon im ersten Wort seines Zitats voll lautmalerischem Hintersinn in Frage gestellt. Die biblische Verkündigung mündet in der totalen Laut- und Wortverdrehung. Und so bekommt Christian Muthspiels vielstimmiges Jandl-Solo „für und mit ernst" eine weitere Bedeutung, weil dieses Solo, das ja doch ein Muthspiel-Solo ist, auch „aus Ernst" besteht und zugleich wider den tierischen Ernst ansingt und „voll Ernst" Jandls „Donner der Sprache" in luziden Klang verwandelt.«

Christian Muthspiel be- und verhandelt die Wortkunst Ernst Jandls mit liebevoller Vorsicht und vorsichtiger Liebe. So ensteht ein sorgsam verantwortetes für und mit, niemals ein gegen... (re_de)

liegen, bei dir

ich liege bei dir. deine arme
halten mich. deine arme
halten mehr als ich bin.
deine arme halten, was ich bin
wenn ich bei dir liege und
deine arme mich halten.
Ernst Jandl

 


Ausstellung:

Fotos und Kunstharzobjekte

Kurt Straznicky

»Die Dämmerung lässt scharfe Konturen verschwimmen, Umrisslinien lösen sich auf. Die Dinge formen sich durch Abstufungen von Farbtönen. Die Dunkelheit löst letztendlich alle Formen und Erscheinungen auf, bis sie durch das zunehmende Licht der Morgendämmerung langsam wieder sichtbar werden. Die Dämmerung zeigt uns, wie Form entsteht ….
„wo Licht ist“, wo das Licht sich bricht, entsteht die Form. Das Licht formt die Erscheinungen, lässt sie dreidimensional werden. In vielen Objekten von Kurt Straznicky existieren die Körper nur mehr als Licht …«  (Brigitta Höpler)

Ausstellungsdauer: 17.04. 2012 - 17.05. 2012

 

 


Ausstellung:

mindestens 7 notenhelfer für sorgsam gedroschelte hellzeilen
 graphein: klang-tabulaturen nach nothelfer-texturen von bodo hell
 feder, schwämme, tusche, eisengallus- & nussbaumtinte auf papier

Renald Deppe

(...) eine Bemerkung Renald Deppes im Vorgespräch hat mich aufhorchen lassen (nämlich: diese Arbeiten seien aus der Not geboren) und mir gleich die intensiven Heerscharenbilder eines Henri Michaux in Erinnerung gerufen, jenes Dichters und Zeichners wie Malers zugleich, der bei aller Aufmerksamkeit auf den damaligen Zeitgeist doch als genuine Erscheinung im Umfeld des Surrealismus anzusehen ist, er schreibt in einem Katalog aus 1959, eben jenem Jahr der 1. Ausstellung musikalischer Grafik in Donaueschingen: ich male wie ich schreibe. Um zu finden, um mich wiederzufinden, um mein eigenes Bestes zu finden, das ich besaß, ohne es zu wissen. Um der Überraschung und gleichzeitig um der Freude willen, es erkannt zu haben. Um eine gewisse Undeutlichkeit hervorzurufen oder erscheinen zu lassen, eine gewisse Aura, wo andere ein Ganzes sehen oder sehen wollen, um überall den Eindruck „Gegenwart“ darzustellen. Um zuerst mir selber die Verstrickungen zu zeigen, die ungeordnete Bewegung, die äußerste Lebendigkeit des „Ich weiß nicht was“, das sich in meinen Fernen regt und sucht, auf dem Gestade Fuß zu fassen. Um darzustellen: nicht Geschöpfe, selbst unwesenhafte und soeben erfundene, nicht ihre Gestalt, selbst eine ungewöhnliche, aber die Linie ihrer Kraft, ihre Begeisterung
mir scheint diese Selbstbeschreibung des Michauxschen Tuns auf der Papierfläche nicht schlecht auf Renald Deppes nächtliches Bearbeiten der Kartone und Pappendeckel zu passen, den Ansturm der Zeichen mitinbegriffen (...)
Bodo Hell : ALLES GETUSCHT / zu Renald Deppe und seinen graphischen Partituren, Wien 2006 (Auszug)


Die Schrift ist ein Wissen, welches das Vergessen in den Seelen derer, die sie erlernt haben, zum Vorschein bringt.

Platon


Die Schrift ist ein Vergessen, welches das Wissen in den Seelen derer, die sie erlernt haben, zum Vorschein bringt.

Renald Deppe

Ausstellungsdauer: 20.02. 2012 - 09.04. 2012