9. November 2018
Von Hannes Schweiger

SO 7. Oktober 2018
The Meaning Of Evansense
DJANGO BATES´ BELOVÈD
Django Bates (p, voice), Petter Eldh (b, voice), Peter Bruun (dr, voice)

Dem britischen Jazzboom in den 1980er Jahren drückte Bates den unüberhörbarsten, schrägliegendsten, sarkastisch witzigsten Stempel auf. Vor allem als Mitkreator in der vielköpfigen Großformation Loose Tubes. In seinen kleineren Ensembles hat er sich fortan immer dezidierter, in seine spitzbübische Art eingebunden, der Jazztradition zugewandt. In Begegnungen mit vielen gestandenen Jazzgrößen konnte er ausreichend Erfahrungen sammeln. Derzeitigen Kulminationspunkt seines Schaffens dahingehend, stellt das Trio Belovèd dar. Ein Trio, das es nach ursprünglicher Aussage Bates´ hätte gar nicht geben sollen. Da, nach Einschätzung des Pianisten, so und so schon ausreichend Piano Trios den „Planet Jazz“ anreichern. Doch die Begegnung mit dem schwedischen Bassisten Petter Eldh und dem dänischen Schlagzeuger Peter Bruun belehrte ihn eines Besseren. Zu sehr stimmte die Chemie zwischen den dreien in allen Belangen, zu tiefgreifend war der musikalische Output. Und zu sehr versank er auch wieder im akustischen Klavier. Ein weiteres Piano Trio trat also auf den Plan. Jedoch ein Trio, dass durch reformerische Eigenheiten, unerwartbarem, stetigen Veränderungswillen und substantielles Weiterentwickeln der bahnbrechenden Neudefinitionen des Pianisten Bill Evans hinsichtlich der Triokunst, als eines der befähigtsten im aktuellen Jazzkanon zu werten ist. Ihr Auftritt war Garant dafür. Neben eigenen Kompositionen, in der die Jazztradition immer wieder als Lesezeichen fungiert um eine jetzige Klangrede formulieren zu können, waren Paraphrasen oder Assoziationsimpulse zu Stücken des Modern Jazz-Monolithen Charlie Parker, mit dem sich Bates seit geraumem intensiv beschäftigt, Teil des Programmes. Etwa „Donna Lee“ oder „Ah-Leu-Cha“ (inklusive entrücktem, dreistimmigem Harmoniegesang). Bates drang in die Grundbeschaffenheit der Stücke vor. Er gliederte sie in ihre Nervenbahnen auf, gruppierte die Funktionsharmonik um, im nächsten Moment mit ausdifferenzierter Emphase ausweitend. Selbst die Ausgangsthemen waren nur mehr fraktal erhörbar. Hier nun erlangte das explizit sesmographische Interplay des Trios seine Bedeutung. Als paritätische Einheit, die im simultanen Improvisieren eine feinfädige Kraftströmung entfesselte. Unentwegt zelebrierte das Triumvirat in ihren Phantasieschüben einen Überraschungsmoment nach dem anderen. Harmonische und melodische Verfeinerungen, sowie erheiternde Zitate, mobilisiert mit verschachtelter Rhythmik, schüttelten Bates und  Eldh reihenweise aus dem Ärmel. Einmal mit Hang zum Lyrischen, andermal mit beherrschtem Verve. Dahinein platzierte der Schlagzeuger seine metrisch entkoppelten Interpunktionen, womit er die „Zeitzonen“  der Musik unentwegt auf´s Spannendste verlagerte. Durch zusätzliche permanente Tempowechsel, gefolgt von häufigeren Rhythmusrochaden, verdichtete sich die komplexe Textur. Doch keine Spur von elitärer Verstiegenheit. Verblüffend und mittreißend war die Leichtigkeit in der Umsetzung. Ideen zirkulierten, standen sich kreativ erquicklich nahe, analog der Positionierung der Instrumente, und die Musiker betrieben aus der Tonalität heraus ihr Freispiel. Was Bates mit Belovèd festschreibt: Man muss über die Vorgeschichte Bescheid wissen, um im Heute relevant sein und in die Jazz-Zukunft gelangen zu können. Für das Trio eine lockere Übung.