Mo 22. März 2021
20:30
The P&B Stageband 2019/20 – Final Concerts

Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna (A)

Lisa Hofmaninger, Fabian Rucker, Astrid Wiesinger, Robert Unterköfler, Ilse Riedler, Florian Bauer: saxophones, clarinets
Gerhard Ornig, Lorenz Raab, Dominik Fuss: trumpet, flugelhorn
Alois Eberl, Daniel Holzleitner, Christina Baumfried: trombone
Philipp Nykrin: piano
Judith Ferstl, Beate Wiesinger: bass
Judith Schwarz, Marton Juhasz: drums
Christian Muthspiel: compositions, leader

Das Großorchester um Christian Muthspiel konnte die Stageband-Serie 2019/20 corona-bedingt nicht wie geplant beenden. Dafür gibts drei Sonder-Abschluss-Konzerte im März. Herzlich Willkommen!

Die Freude darüber, mit einem Großkollektiv (zusammengesetzt aus derart niveauvollen Klangkreativen) arbeiten und noch dazu dieses respektive die Musik in der Stageband-Reihe reifen lassen zu können, steht Christian Muthspiel ins Gesicht geschrieben. Courage auf beiden Seiten. Aufbauend auf einem fixen Repertoire an Stücken, gewinnt man unweigerlich den Eindruck, dass Muthspiel noch konkretere Details aus den Texturen herausarbeitet. Sein leidenschaftliches Dirigat, mit dem er quasi nach den Tönen greift, wird zusehends in motivierender Weise einfordernder. Keineswegs dominierend, sondern emotional und imaginativ auf Augenhöhe. Auch die Kohärenz der Vernetzung von Komposition und Improvisation nimmt sich immer fließender aus. Demzufolge verdichtet sich somit das integrative Moment solistischer Freiräume mit determinierten Partituren. Die organisch sich aus dem großen Ganzen herausschälenden Improvisationen beziehen ihre Anegungen aus unterschiedlichen inhaltlichen Umgebungen, entsprechend dem Naturell der herausgestellten Persönlichkeiten. Dämme brachen, Astrid Wiesinger, in der Wucht polytonaler Strukturkomplexe, stakkatierende Klangfarbenexkurse, Florian Bauer, spickten abstrakte Schlieren, Post-Bop Phrasierung drehte sich einmal um rasante Bewegungsdynamik, andermal um geschmeidige Sophistication, das Metier der Trompeter. Einer ergreifenden Balladendramaturgie verschaffte diesmal Altist Preinfalk einen glimmenden Klimax. Eigenwillig, offen soundorientiert erzählte Lisa Hofmanninger mit der Bassklarinette. Feine Ideen priesen ebenfalls die Posaunisten, wobei allerdings ohrenfällig war, dass hier genauso wenig zu den Errungenschaften eines Albert Mangelsdorff Bezug genommen wurde. Neu hinzu trat diesmal, entsprechend des Ansatzes des Komponisten das Programm kontinuierlich zu erweitern, ein zündendes Bassduett, Beate Wiesinger E-Bass und Judith Ferstl Kontrabass – taufrisch mit metrisch und harmonisch frei schwebendem Melos tieftönend. Auch Pianist Nykrin war abermals in seiner wagemutigen Fantasie brillant.

Gleichsam tritt die Vielschichtigkeit der Kompositionen immer deutlicher ins Licht. Harmonisches Raffinement, melodische Reichhaltigkeit, iso-, polyrhythmische/-metrische Spannungsmomente. Wahrhaftigkeit, überschäumender Impetus. Muthspiel hält ein glühendes Eisen in Händen. Das Orchester als feinnerviges Meta-Instrument. (Hannes Schweiger über das Konzert vom Dezember 2019)