Fred Wesley Generations (USA/I/F)
Fred Wesley: trombone
Leonardo Corradi: hammond organ
Tony Match: drums
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In die Musikgeschichtsbücher, Kapitel 20. Jahrhundert, Unterkapitel Funk Jazz, schrieb er sich als langjähriger, von 1967 bis 78, Bläsersatz-Leader und maßgeblicher Arrangeur von „Mr. Dynamite“ James Brown ein. Gemeinsam mit diesem schickte Wesley den Funk auf Reisen. Alle Welt sah in ihm obendrein den funkiest Posaunisten. Und weiterhin lässt „Mr. Funky Trombone“ die Funken sprühen. Trockener Groove, als irisierender Energizer, erdige Hooklines. In Feinabstimmung mit dem satten Präzisionsbeat des Schlagzeuges. Unvergleichlich lässig ziehen dabei Off-Beat- Extravaganzen ihre Bahnen. Ausstaffiert mit dieser untrüglichen Funkiness. Inklusive Big Soul und tiefverwurzeltem Bluesfeeling. In all dieser Kollektivbeschaffenheit sondern weiters spritzige Soli ihre Leuchtkraft ab. Altmeister Wesley, immer noch voluminös bei Ton, mit fokussierten, scharf konturierten Linien. Die Formel die einst ein anderer berufener „Funkianer“ James „Blood“ Ulmer apostrophierte „Jazz Is The Teacher, Funk Is The Preacher“ geht zweifelsohne auf Fred Wesley zurück. Und in seinem aktuellen Projekt „Generations“, bei dem er auf das Hard Bop-typische „Orgeltrio“ zurückgreift, wird diese genauso zündend FUNKtionieren. (Hannes Schweiger)
Fred Wesley, einst Bandleader bei James Brown, gab das wohl für längere Zeit letzte reguläre Konzert im Porgy & Bess, das trotz Restriktionen offen halten wird.
„Corona virus be damned! We'll play anyway“, murmelte ein gut gelaunter Fred Wesley. Dieser Posaunist, heute auch schon 76 Jahre alt, hat die meiste Zeit seines Berufslebens im Funk zugebracht. Doch Jazz war und ist sein Steckenpferd, seine famosen Alben mit den J. B.'s, aber auch seine Solowerke enthielten verlässlich gut abgehangene Jazzkompositionen. Solche brachte er auch mit dem Trio Generations an diesem etwas unheimlichen Abend im Porgy & Bess.
Die letzte Lücke vor dem Inkrafttreten des Regierungserlasses ausnützend, kamen überraschend viele Menschen im Porgy zusammen. Auch Hausherr Christoph Huber gab sich entschlossen: Die für März geplanten Konzerte werden stattfinden, jeweils auf zwei Sets aufgeteilt, für die jeweils 100 Besucher eingelassen werden. Als gemeinnütziger Verein könne man sich eine totale Schließung anders als Konzerthaus und Oper nicht leisten, erklärte Huber: „Solang U-Bahnen und das Donau-Zentrum geöffnet haben, wird es Jazz im Porgy & Bess geben.“
Das Trio – mit Organist Leonardo Corradi und Trommler Tony Match, zwei Meistern des Soul-Jazz – begann mit dem sorglos groovenden „Road Song“ von Wes Montgomery, einem Jazzhit von 1968. In der liebevoll zusammengestellten Setlist folgten Horace Silvers Gospelkracher „The Preacher“ und Freddie Hubbards soulige Hardbop-Nummer „Red Clay“.
„Freedom Jazz Dance“
Wesley erhob auch seine bescheidene, aber charismatische Singstimme. Seinen selbstironischen „Old Man Song“ intonierte er im exakt gleichen Protorapstil wie 1972, als er mit „Little Boy Black“ in den Ghettos der US-Großstädte berühmt wurde. Auch die patinierte Eddie-Harris-Nummer „Freedom Jazz Dance“ kam zu Ehren. Wesleys Posaune kam da so richtig ins Glühen. Zwischendurch faltete er die Hände, scattete und bat heiter um Zuwendung: „I'm a light legend, so give me a little round of applause.“ So geschah's.
Das zweite Set begann mit einer innigen Version von Freddie Hubbards „Little Sunflower“, einer der großen Jazzmelodien der späten Sechzigerjahre. Corradi zeigte unerwartete Subtilitäten auf der sperrigen Orgel. Den vom Posaunistenkollegen Juan Tizol mit Duke Ellington komponierten Klassiker „Caravan“ legte das Trio sehr perkussiv an. Es folgte die Tanznummer „Got My Mojo Working“, bei der Wesley wie Les McCann klang. Zum Finale gab es endlich die James-Brown-Hommage, diesmal das von einem trockenen Rhythmus angetriebene „Same Beat“.
Mit Wesleys größtem Hit „House Party“ endete das reguläre Set. Die Musikfreunde taten vieles von dem, was nun eingeschränkt werden soll: Tanzen, Singen, Küssen und Trinken in Gesellschaft. Es mutete trotzig an. Als würde sich der Widerstandsgeist, der den Jazz immer schon geprägt hat, nun gegen die durch das Virus ausgelösten Zwänge richten. (Samir H. Köck, "Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2020)
https://www.funkyfredwesley.com/