Minton-Beyer Duo
Das MINTON–BEYER DUO wirkt wie eine Studie zum Phänomen der Stimme mit zwei unterschiedlichen Instrumenten: der menschlichen Stimme und dem Daxophon.
Phil Minton ist als der vielleicht berühmteste und berüchtigtste Vokalkünstler der freien Improvisation bekannt für seine bemerkenswerten erweiterten Gesangstechniken, die das gesamte Spektrum des menschlich möglichen Ausdrucks umfassen: vom einfachen Atmen, übers Murmeln, Grummeln und Flüstern, bis hin zum Pfeifen, Rülpsen und Röcheln, Schreien und Stöhnen – von schrillen Höhen bis zu grummelnden Tiefen ist alles parat. Und all dies ist immer gepaart mit einer außergewöhnlichen, einzigartigen Präsenz und einem absolut ungefiltertem Ausdruck.
Auf dem Daxophon wiederum scheint die Nachahmung von Lauten und Sprachmustern menschlicher sowie auch tierischer Art in die Natur und den Charakter des Instruments hineingelegt worden zu sein. Im Vergleich zu anderen Instrumenten fällt es scheinbar sehr leicht Tierlaute und -stimmen, vom Vogelgesang bis zum Grunzen, Röhren, Krächzen, Brüllen, Quaken, Schnattern, Gurren und Zirpen verschiedenster Tierarten auf dem Daxophon zu imitieren. Dies alles ist von Kriton Beyer in artenübergreifender Kommunikation mit seinem Daxophon als Instrument gut erforscht und praktisch erprobt worden und wird auch in der Arbeit in diesem Duo im musikalischen Dialog hörbar verarbeitet.
Akustisch ist der Klang dieses Duos trotz der Schnelligkeit, der Wechselhaftigkeit und der Fülle der musikalischen Information schlicht, klar, eindeutig und direkt und dadurch sehr intim und nie aufgesetzt. Die beiden Stimmen ergänzen einander gleichwertig, ohne dass die eine die andere je verdeckt; sie bewegen sich irgendwo zwischen dem Animalischen und dem Menschlichen, manchmal komisch und grotesk, manchmal subtil und zerbrechlich, in einem intuitivem musikalischen Schlagabtausch zweier facettenreicher Stimmen unterschiedlicher Natur.
Phil Minton (* 2. November 1940 in Torquay, Devon, Großbritannien) ist ein Sänger, des Avantgarde Jazz und der freien Improvisationsmusik, der als Jazztrompeter begann. Als Vokalist gilt er mit „schier unglaublichen und unheimlichen Sounds, für die es weit und breit nichts Vergleichbares gibt“ (Bert Noglik) als eine feste Größe in der Szene der freien Improvisatoren.
Leben und Wirken
Minton, dessen Eltern Sänger waren und der im Kirchenchor sang, erhielt mit fünfzehn Jahren den ersten Trompetenunterricht. Zwischen 1959 und 1961 spielte er in Devon im Brian Weldon Quintet. 1962 zog er nach London, wo er mit Mike Westbrook arbeitete, dessen Band er nach Zwischenspielen als Tanzmusiker in Las Palmas (1964/65) und Schweden (1966 bis 1971) von 1971 bis 1990 für viele Programme (z. B. On Duke’s Birthday) und internationale Tourneen angehörte. Durch Westbrook kam er zum Gesang und zum Kontakt mit der Avantgarde- bzw. Free-Jazz-Szene Londons.
1975 gründete er mit Julie Tippetts, Maggie Nicols und Brian Ely das Vokalquartett Voice. Ab dem gleichen Jahr erarbeitete er sich ein Soloprogramm. Seit den 1980er Jahren gastierte er in unterschiedlichsten Konstellationen weltweit bei einschlägigen Festivals und arbeitete dabei zunächst mit Fred Frith, Roger Turner, Günter Christmann, Peter Brötzmann und Willi Kellers, später mit Radu Malfatti und Phil Wachsmann (Raphiphi) John Zorn (Angelica 94) oder Tom Cora (Roof). Parallel dazu wirkte er bei Filmmusiken und auf Plattenaufnahmen von Lindsay Cooper, Theaterproduktionen von Mike Figgis, den Auftritten von Georg Gräwes GrubenKlangOrchester, Tony Oxleys Celebration Orchestra und multidisziplinären Arbeiten des Komponisten Konrad Boehmer mit. Seit 1987 entstanden aus der Zusammenarbeit mit dem Pianisten Veryan Weston mehrere CDs, von denen vor allem das Oratorium für Chor „Songs from a Prison Diary“ zu erwähnen ist, das auf Texten Ho Chi Minhs beruht.
Minton war 1997 an der europäischen Erstaufführung von Carla Bleys „Escalator over the Hill“ als Gesangssolist maßgeblich beteiligt. Weiterhin arbeitete er mit zahlreichen Improvisationskünstlern wie Thomas Lehn und Axel Dörner (die zusammen das Trio TOOT bilden), Derek Bailey, Erhard Hirt, John Butcher oder Bob Ostertag zusammen. 1998 sang er in der Berliner Band Frigg imaginäre Shanties. Er arbeitete außerdem in Projekten von Alfred Harth (Vladimir Estragon), Franz Koglmann (O Moon My Pin-Up, 1998), Klaus König, David Moss, Simon Nabatov, Paul Hubweber, Uli Böttcher (Schnack) und Oliver Schwerdt (EUPHORIUM_freakestra Free Electric Supergroup, 2007) und ist in Hörstücken von Grace Yoon, Andreas Ammer, FM Einheit und Ulrike Haage zu hören.
In Workshops unterrichtet er als Chorleiter unter dem Namen The Feral Choir die (häufig sehr zahlreichen) Teilnehmer in seiner Art des Improvisationsgesangs.
Sein Gesangsstil ist voller ekstatischer Momente und fantasievoller Geräuschanreicherungen mit „aberwitzigen und kunstvollen Röchelvokalisen“ (Ulrich Ohlshausen). Daneben trägt er auch gefühlvolle Balladen vor. 1988 wurde er von der Zeitschrift Jazz Forum als bester männlicher Sänger Europas anerkannt. Er ist an zahlreichen Plattenaufnahmen beteiligt.
Kriton Beyer ist ein deutsch-griechischer Musiker und Komponist, der – als Performer und Improvisator – hauptsächlich mit dem Harmonium und dem Daxophon arbeitet. Er studierte Musikwissenschaft an der Aristoteles-Universität Thessaloniki in Griechenland, wo er von 1990 – 2004 mit einer Vielzahl von lokalen Musikgruppen und Musikern wie Sakis Papadimitrou und Floros Floridis zusammenspielte.
Im Jahr 2004 zog er nach Berlin, wo er sich intensiv mit der Improvisations-Szene der Stadt beschäftigte. Seitdem arbeitete er mit zahlreichen Musiker*innen zusammen wie Phil Minton, Elliott Sharp, Audrey Chen, Steve Noble, Fred Lonberg-Holm, Andrea Centazzo, Nate Wooley, Axel Dörner, Liz Kosack, Kresten Osgood, Tristan Honsinger, Kazuhisa Uchihashi, Tomomi Adachi, Richard Scott, Willi Kellers, Matthias Bauer, Antonis Anissegos, Olaf Rupp, Alexei Borisov, Els Vandeweyer, Harri Sjöström, Nicola Hein und Liz Allbee, Tänzer*innen wie Yuko Kaseki in interdisziplinären Performance-Projekten wie enLIGHTenment und visuellen Künstler*innen wie Akiko Nakayama. Kriton Beyer hat das „FRAGMENTATION ORCHESTRA“ gegründet, ist Mitglied des elektroakustischen Trios „uproot“ und der Ensembles „Redox Reaction“ und FDBK EXPT.
Bei seiner Arbeit mit dem Harmonium nutzt Kriton Beyer sowohl den natürlichen Klang seines Instrumentes und „traditionelle“ Spielweisen als auch Präparationen, Objekte und unorthodoxe Spielweisen. Auch beim Spiel des Daxophons fällt seine persönliche, unkonventionelle Technik und sein überzeugender Klang auf, der u. a. auch durch die subtile Verwendung von Elektronik zustande kommt. Als Musiker der Improvisationsmusik ist er in ganz Europa aufgetreten. Seine Kompositionen sind größtenteils von der Konzeptkunst geprägt.
Kriton Beyer hat darüber hinaus die Musik-Software CinePrompt® konzipiert und entworfen, die speziell für den Einsatz zur musikalischen Improvisation zu Filmen entwickelt wurde. Er kuratiert und leitet die Konzertreihe / das Musiklabel „The Procrustean Bed“.
https://www.kritonbeyer.com
https://www.philminton.co.uk