The Messthetics & James Brandon Lewis (USA)
James Brandon Lewis: tenor saxophone
Anthony Pirog: guitar
Joe Lally: bass
Brandon Canty: drums
Wir starten ca. 1/2 h vor Konzertbeginn den Live-Stream (Real-Time, nach Konzertende nicht mehr abrufbar!). Durch Klicken auf "Zum Livestream" öffnet sich ein Fenster, wo Sie kostenlos und ohne irgendeine Registrierung das Konzert miterleben können. Wir ersuchen Sie aber, dieses Projekt über "Pay as you wish" zu unterstützen. Vielen Dank & Willkommen im realen & virtuellen Club!
Joe Lally stand auf der Bühne und gab Vollgas, als ihm klar wurde, dass seine Band einen wahren Seelenverwandten gefunden hatte. Es war im Herbst 2021 und die Messthetics - das Instrumentaltrio mit Lally am Bass, seinem ehemaligen Fugazi-Bandkollegen Brendan Canty am Schlagzeug und dem Gitarristen Anthony Pirog - spielten im Bell House in Brooklyn ihr Uptempo-Riff-Workout „Serpent Tongue“. Der gefeierte Jazz-Saxophonist James Brandon Lewis, der erst zum zweiten Mal mit der Gruppe auftrat, nachdem er bereits 2019 bei einer anderen Show in New York zu Gast war, war ein besonderer Gast bei diesem Stück. Das erste Treffen war ein Erfolg gewesen, aber dieses Mal löste Lewis' Anwesenheit etwas Neues aus.
Mit James Brandon Lewis als Ergänzung zum Messthetics-Mix ändert sich die Gleichung. Was sich einst so anfühlte, als würde der begabteste Gitarrist von D.C. mit der Hälfte von Fugazi jammen (und was häufig auch so dargestellt wurde), ist jetzt ein echter Jazz-Act auf Impulse Records.
Das neueste Album des Quartetts, The Messthetics and James Brandon Lewis, erscheint März 2024 und ist eine Fortsetzung des Stils, den Joe Lally (Bass), Brendan Canty (Schlagzeug, Perkussion) und Anthony Pirog (Gitarre) verfolgten, aber es ist auch ein Versuch des Trios, mit einem der talentiertesten Saxophonisten der Welt, James Brandon Lewis, Schritt zu halten. (Pressetext)
Das experimentelle Jazz-Punk-Trio The Messthetics aus Washington DC (Schlagzeuger Brendan Canty und Bassist Joe Lally von der Kultband Fugazi, mit dem visionären Gitarristen Anthony Pirog) schließt sich zusammen mit dem gefeierten Jazz-Tenorsaxophonisten, Komponisten und Bandleader James Brandon Lewis für eine besondere Zusammenarbeit auf Impulse! Records. Gemeinsam erweitern sie die Reichweite von entscheidender Instrumentalmusik durch ihre Überschneidungen von Jazz, Punk, Funk, Aggression und Innovation.
Obwohl die auf »The Messthetics and James Brandon Lewis« zu hörende Konfiguration relativ neu ist, baut sie auf langjährigen musikalischen Beziehungen auf. Lewis und Pirog lernten sich vor etwa zehn Jahren bei einer Session unter der Leitung des Free-Jazz-Schlagzeugers William Hooker kennen und verstanden sich auf Anhieb, woraufhin sie in Lewis' eigenen Gruppen intensiv zusammenarbeiteten. »Vom ersten Tag an, als ich Anthony kennenlernte, passten er und ich einfach zusammen«, sagt Lewis, der heute als einer der überzeugendsten Bandleader der zeitgenössischen Jazzszene gilt. »Nach der William-Hooker-Session sahen wir uns an und sagten: ›Verdammt, das ist ja der Hammer‹.
Lally und Canty verbindet natürlich eine ähnliche Bruderschaft, die ihre Wurzeln in den 15 Jahren hat, in denen sie als geschmeidige und doch grundsolide Rhythmusgruppe der legendären Fugazi aus Washington, D.C. durch die Welt tourten. ›Ich spiele mit Joe anders als mit jedem anderen‹, sagt Canty. ›Er schafft dieses Fundament, das ich als ein sehr stabiles Klettergerüst für uns alle bezeichne, auf dem wir spielen können. Er sorgt dafür, dass es dubbig und rhythmisch bleibt, und es gibt viele Momente, in denen wir einen sechsten Sinn haben - es gibt Dinge, die zwischen uns passieren, wenn wir spielen, für die es keine Erklärung gibt, außer der Tatsache, dass wir schon seit 30 Jahren zusammen spielen.
Lewis vergleicht die Erfahrung, mit Lally und Canty zu spielen, mit seiner Arbeit mit verschiedenen Jazz-Altmeistern. ‹Ich verehre sie auf dieselbe Weise, wie ich es verehre, mit Jamaaladeen Tacuma oder mit William Parker gespielt zu haben«, sagt er und zitiert ein Paar geschätzter Bassisten-Veteranen. »Es ist eine gewisse Erfahrung auf der Straße, die man in der Schule nicht bekommen kann. Er schätzt es auch, dass er das reiche musikalische Erbe ihrer Heimatstadt in ihrem Sound hören kann. ›Da Brendan und Joe in der Gegend von D.C. aufgewachsen sind, sind sie mit Go-Go vertraut, mit allem, was aus dieser Gegend kommt‹, sagt er. ›Ich kann also sagen, dass das Zeitgefühl nicht besser sein kann als das. Es ist, als würde eine gut geölte Maschine mit ihnen spielen. (Pressetext)
Vier, die sich verstehen. Für den ebenso vielbeschäftigten wie vielbejubelten Tenorsaxofonisten James Brandon Lewis ist die Zusammenarbeit mit The Messthetics zu einer willkommenen Konstante geworden. Nach erfolgreichen Touren, die das Quartett mit seinem Debüt im Gepäck u. a. auch zum Jazzfest Saalfelden im August 2024 geführt hat, ist nun das zweite gemeinsame Album auf Impulse! erschienen. »Deface the Currency« zeigt Lewis und das Trio der Ex-Fugazi-Rhythmusgruppe Joe Lally und Brendan Canty plus Gitarrist Anthony Pirog erneut als bestens eingespielte vierköpfige Einheit. Virtuos, keine Frage. Allerdings streckenweise auch recht konventionell komponiert, weshalb auf Albumlänge die Spannung für mich immer wieder verloren geht. Pirogs Gitarrenstilmix nervt bisweilen mit allzu frickelig friktionsfreien Griffbrettläufen. Zu viel John McLaughlin statt den einst gecoverten Sonny Sharrock gehört? Wer es, so wie ich, entschieden kratzbürstiger mag, kann aufatmen, wenn improvisiert wird; wenn Pirog der Gitarre Feedback und Lewis dem Tenor rauere, kehligere Töne entlockt. Das passiert zwar schon kurz im Opener, der als Titeltrack etliche Elemente des Albums vorwegnimmt. Das freiere Zusammenspiel ohne jazzrockigen Sicherheitsgurt entfaltet sich aber erst im fünften Track, der ironischerweise »Universal Security« heißt. Davor überzeugt »30 Years of Knowing« mit lässig entspanntem Groove. »Clutch« hingegen rockt hymnisch, hinterlässt dabei jedoch einen etwas schwerfälligen Eindruck. Sei’s drum. So richtig in Fahrt kommt das Quartett nochmals im letzten Track »Serpent Tongue (Slight Return)«. In ursprünglicher Version auf dem Messthetics-Debüt von 2018 erschienen, hat sich die »gespaltene Zunge« live zu einem furiosen siebenminütigen Closer entwickelt. Das ist Jazz Punk – und in seiner Intensität als »Slight Return« auch eine schöne Referenz an Hendrix’ »Voodoo Child (Slight Return)«. Beim nächsten Mal bitte gerne mehr davon in Albumlänge. (skug)
https://www.themessthetics.com/
https://jblewis.com/