Di 19. Januar 2027
20:30

FLAMMeS feat. Franz Koglmann (A)

Franz Koglmann: trumpet, fluegelhorn
Lukas Schiske: drums, percussion
Andreas Donhauser: guitar, trumpet, synthesizer, vocals
Silvia Deixler: guitar
Max Bühlmann: saxophone, clarinet, bass clarinet
Michael Mautner: keyboards, synthesizer

Wir starten ca. 1/2 h vor Konzertbeginn den Live-Stream (Real-Time, nach Konzertende nicht mehr abrufbar!). Durch Klicken auf "Zum Livestream" öffnet sich ein Fenster, wo Sie kostenlos und ohne irgendeine Registrierung das Konzert miterleben können. Wir ersuchen Sie aber, dieses Projekt über "Pay as you wish" zu unterstützen. Vielen Dank & Willkommen im realen & virtuellen Club!

Wie die Impro-Musiker der FLAMMeS mit Purcell den Winter austreiben

Das Sextett rund um Flügelhornist Franz Koglmann würzte seinen Jänner-Gig im Porgy & Bess mit einer Prise Aktionskunst

Niemand hat das schmerzliche Erwachen aus den Tiefen emotionaler Eiseskälte überzeugender vertont als Henry Purcell im Cold Song. Ein Schlager aus der Barockoper King Arthur, stockende Zurückweisung jeglichen Tauwetters. Es bedarf schon eines ausgewiesenen Experten des "Cool", um die Schrecken des Eises und der Finsternis besonders wirkungsvoll zu bannen.

Franz Koglmann, heimischer Flügelhornist und Sachwalter der Jazz-Moderne, nähert sich im Wiener Porgy & Bess Purcells Wintergeist in englischen Maßschuhen, mit gedämpftem Instrument. Das Improvisationskollektiv FLAMMeS lud in der Wiener Riemergasse zum Ritual. Gedacht war an die fachgerechte Austreibung des Frostes mit dem Reisigbesen der Aktionskunst. Wobei man der Kältearie zur vorsichtigen Erwärmung ein paar neue Akkorde unterschob.

Das nun anhebende Zirpen und Saitenstreichen beugte jeder Vergletscherung vor. Längst ist die Lärmkunst des Sextetts FLAMMeS einem Geben und Nehmen auf höchstem Interaktionslevel gewichen. Unter der Anleitung von Impulsgeber Michael Mautner (Keyboards) entstehen, kein Widerspruch, planvoll angebahnte Zufallsmuster des Zusammenspiels. Akustische Wimmelbilder, in denen Bassist/Gitarrist Andreas Donhauser mit Trompetenstößen die anderen dazu antreibt, "attacca" fortzufahren. Sinken die Partikel der Lärmerregung doch nieder, spielt Koglmann stoisch seine vor Klarheit und Verstandeskälte funkelnden Linien.
Messing und Farbe

Der Wintergeist („Cold Genius“) selbst wurde von der Aktionskünstlerin Josef Ka verkörpert. Splitterfasernackt erklomm sie Schritt für Schritt, zum liegenden Stockhausen-Akkord der Purcell-Jünger, die Porgy-Bühne, mit nichts angetan als den Goldketten der Liebe. Und während Max Bühlmanns Bassklarinette noch heftig tutete, übergoss sich Schlafes Schwester mit dem Farbinhalt einer Messingschüssel. Daraufhin legte Kafkas Wiedergängerin sich vor aller Augen zur Ruhe. Der Winter behält nicht das letzte Wort, die wunderbaren FLAMMeS spielen weiter. (Ronald Pohl, 20.1.2026)