Tue Nov. 3, 2020
20:30

Stick Men (USA/D)

Tony Levin: chapman stick
Pat Mastelotto: drums, percussion, electronics
Markus Reuter: touch-guitar

Sorry this part has no English translation

Let´s Stick Together

Bei seinem Aufkommen Ende der 1960er Jahre reflektierte der sogenannte Progressive Rock häufig eher mehr Schein als Sein. Lediglich einer Handvoll Bands gelang ein ernstzunehmender progressiver Schritt/Schnitt. In dieser Hinsicht die radikalsten und gewichtigsten Rockneuerer waren King Crimson - das Versuchslabor des visionären Gitarristen und Komponisten Robert Fripp. Als Einzigem gelang es ihm mit seiner, in den Jahrzenten besetzungsmäßig stetig mutierenden Band und originellen erweiterten Konzepten dem Rock harmonisch, rhythmisch, modal funktionalistisch Neuland zu erschließen und diese „extended“ Version im „21th Century“ beständig zu verankern. Zudem hatte/hat er ein besonderes Gespür für begnadete Musiker. Und der King Crimson Pool regt immer wieder Splittergruppen an. Ein spezieller Zusammenschluss dahingehend ist das Trio Stick Men, welches sich musikalisch wie zu 2/3 personell auf King Crimson beruft. Die Betreiber: Tony Levin, E-Bass Autorität und Tausendsassa des anspruchsvollen Rock/Pop Zirkels und einer der wenigen Beherrscher der Bassinstrumenteerfindung Chapman Stick, die wie die Touch Guitar(ein achtsaitiges Instrument) mit pianistischen Fingersätzen gespielt wird, der muskulöse Offensivrhythmiker Pat Mastelotto und der klangmonströse „Fripp-Jünger“ Markus Reuter.

Wie ein Eisbrecher schoben sich die Soundblöcke durch grauschattierte Klangtopographie. Findige Arrangements kanalisierten vertrackte Rhythmusstrukturen, die zumeist im Mid-Tempo aus dem Schlagzeug hervor brachen und sich mit den kontrapunktisch gesetzten Melodierhythmen der Gitarren zu teils atemberaubenden Kapriolen vermengten, und die harmonisch-melodischen Motive in frickelige Abläufe. Schwellklänge prallten auf trashige Cluster, verwundene Bassfiguren umhüllten schlichte Songlines oder splittrige Klangmanipulationen. Asymmetrische Beat-Akzentuierungen und waghalsige Schlagkombinationen (die sich polyrhythmisch wie –metrisch austobten) verhalfen dem massiven Konvolut zu intelligenten Tanzschritten. Trotz alledem atmete die Musik eine faszinierende Durchlässigkeit. Resultierend daraus ergab sich gleichfalls eine spannungsvolle Balance zwischen fixen Spielvorlagen und offenen Gestaltungsmöglichkeiten. Wobei das engverzahnte Interplay ein gehöriges Fluidum an Spontaneität besaß. Was kollektiv wie solistisch zum Tragen kam. Gespeist aus einem Jazzverständnis, das auch modales Improvisieren begründete. Und ein bisschen museales Brimborium mit streicherlastigem Klangflächenpathos, das beim Rückgriff auf klassische Klangideale auftauchte, darf bei einem aufgeschlossenen Progressiv Rock-Feuerwerk ebenso nicht fehlen. Zum Glück hielt es sich im Rahmen. Beeindruckend war jener elektrisierende Sog und die klirrende Körperlichkeit ihrer Klangarchitektur. In den eigenen Stücken um nichts weniger als in den verdammt guten Version von King Crimson Klassikern wie „Larks´ Tongues In Aspic“ oder „Level Five“. Ein Zusammenhalt wie Dur & Moll in ansprechend exzentrischer Collagierung.