Di 12. Januar 2021
20:30

Gina Schwarz 'Pannonica' (A)

© Iris Camaa © Iris Camaa

Gina Schwarz: bass, composition
Lorenz Raab: trumpet, fluegelhorn
Lisa Hofmaninger: soprano saxophone, bass clarinet
Alois Eberl: trombone
Florian Sighartner: violin
Clemens Sainitzer: cello
Philipp Nykrin: piano
Christopher Pawluk: guitar
Judith Schwarz: drums

Album Präsentation

[...] „Gina Schwarz hat aus der Zusammenstellung handverlesener MusikerInnen ein zutiefst demokratisch funktionierendes Kollektiv geformt, in dem jede/jeder ein unüberhörbares Stimmrecht hat. Ausnehmend spannend das Erleben, wie man auf unkonventionelle Art freigeistig konventionell klingen kann.“ (Hannes Schweiger)

„Pannonica de Koenigswarter, geb. Kathleen Annie Pannonica Rothschild, war eine der wichtigsten Förderinnen des Modern Jazz.“ So steht es in ihrem Lexikon-Eintrag, und auch, dass sie mit Thelonious Monk, der sich für ihr selbstloses Tun als Gönnerin gleich mit mehreren ihr gewidmeten Kompositionen revanchierte, und seiner Familie eng verbunden war. „Pannonica“ ist eine davon, und so lautet auch der Titel eines spannenden Projektes rund um die „Baroness der tiefen Töne“, Gina Schwarz, die einerseits das Mäzenatentum der Namensgeberin wieder in Erinnerung ruft (solche Menschen gehen schon seit Langem ab!) und andererseits damit einen bewusst femininen „Hörblick“ eröffnet. Dieses Projekt startete als Stageband im Porgy & Bess, es wurden Komponistinnen und Musikerinnen eingeladen, die ihre Aufgabe meisterhaft lösten und für insgesamt acht höchst unterschiedliche und spannende musikalische Abende sorgten. Einen Querschnitt aus diesen Arbeiten gibt es auf dieser Doppel-CD nachzuhören (CD 1 „Musicbox“), plus neu konzipiertes Material (CD 2 „Free Landscape“) mit jener Band, die in der Saison 2017/18 allmonatlich auf der Bühne stand, also als bestens eingespielt gilt. Gina Schwarz fungiert als umsichtige und souveräne Bandleaderin, die sich als gewiefte und kompetente Komponistin und Arrangeurin auszeichnet und ihrer hervorragend besetzten Formation viel Freiraum lässt, der höchst spannend solistisch und kollektiv eingenommen wird. Gina Schwarz, die seit vielen Jahren eigenen Formationen wie „Schwarzmarkt“, „Woodclock“ oder „Jazzista“ vorsteht oder Projekte wie jenes mit ihrem amerikanischen Namensvetter Jim Black realisiert, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem produktiven Katalysator und zu einer stabilen, kreativen Stütze der aktuellen austriakischen Jazzszene. Diese Einspielung bestätigt diese Einschätzung nachhaltig.

Die Baroness de Koenigswarter verstarb 1988 – posthum erschien ein Buch mit dem Titel „Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche“ (empfehlenswert!). Duke Ellington meinte darin: „Meine Wünsche sind sehr bescheiden ... Ich will nichts als das Beste.“ Gina Schwarz kommt mit „Pannonica“ dem Ellington’schen Paradigma schon sehr nahe. Chapeau! (Christoph Huber, Porgy & Bess, Wien im November 2019)

Nach einigen erfolgreichen Projekten wie Woodclock, Jazzista, Airbass und Schwarzmarkt verwirklicht Gina Schwarz eine weitere Vision – Pannonica. Mit Pannonica präsentiert die Bassistin, Komponistin und Bandleaderin eine gleichberechtigte generationen-übergreifende Verbindung in der heimischen Jazzszene. Neben etablierten JazzmusikerInnen ihrer Generation holt sie weitere aufstrebende Ausnahmetalente mit ins Boot - Judith Schwarz, Lisa Hofmaninger, Lorenz Raab, Alois Eberl, Florian Sighartner, Clemens Sainitzer, Christopher Pawluk und Philipp Nykrin.

Pannonica bespielte im Rahmen von acht Konzerten der Stage Band die Bühne des Wiener Jazzclubs Porgy&Bess gemeinsam mit internationalen Gästinnen wie Karin Hammar (SWE), Julia Hülsmann (D), Camila Meza (CL/USA), Sylvie Courvoisier (CH/USA), Angelika Niescier (POL/D), Ingrid Jensen (CAN/USA) und Marilyn Mazur (DNK). Weitere Kooperationen mit Mino Cinelu (perc) und Dave Taylor (trb) folgten.

Im aktuellen Programm von Pannonica überzeugen die MusikerInnen – gekonnt in Szene gesetzt – durch starke Soli und klangfarbenreichen Kollektiv-Improvisationen. Die konzeptionelle Idee und das Verständnis von melodischer Formgebung prägen die Musik der Komponistin. In uneingeschränkter Hingabe der Umsetzung durch die MusikerInnen treffen kreativ arrangierte Bläsersätze auf melodisch gesetzte Streicherstimmen und ergeben mit großem Spannungspotential der Rhythmusgruppe einen homogenen Bandsound mit unkonventionellen Färbungen. Neben dem Gendergedanken war eine schillernde Persönlichkeit Inspiration für die Entstehung des Projekts: Namensgeberin Baroness Pannonica de Königswarter, eine Kämpferin, Mäzenin, Muse, Vertraute und innige Freundin vieler MusikerInnen wird oft die Jazzbaroness genannt. Jazz verkörperte für sie Modernismus und Toleranz. (Pressetext)