Mi 31. Mai 2017
20:30

Carla Bley/Andy Sheppard/Steve Swallow 'Trios' (USA/GB)

TICKETS:

Carla Bley: piano
Andy Sheppard: tenor, soprano saxophone
Steve Swallow: bass

Wer dieses grandiose Trio am Spielboden gehört hat, dürfte angesichts dieser CD einige wohl begründete Déjà-vu-Erlebnisse haben, denn ein Großteil dieser ein Jahr später in Lugano aufgenommenen Stücke war auch schon in Dornbirn zu hören und praktisch alle wurden auch schon in Arrangements für größere Bandbesetzungen auf Vinyl gebannt. Bei „Utviklingssang“, „Vashkar“ und den drei Suiten „Le Trois Lagons (d’après Henri Matisse)“, „Wildlife“ und „The Girl Who Cried Champagne“ handelt es sich zumeist um jahrzehntealte Kompositionen (zum Beispiel „Vashkar“ wurde 1963 erstmals veröffentlicht), die längst zum allseits anerkannten Kanon der vielseitigen Komponistin und Arrangeurin zählen.

Dennoch handelt es sich hier bei der ersten Einspielung Carla Bleys, die sie nicht selber produziert und auf ihrem eigenen WATT-Label veröffentlicht, sondern in die bewährten Hände von Manfred Eicher und ECM gelegt hat, um weit mehr als eine bloße Wiederverwertung altbekannten Materials. Vom Repertoire her könnte das seit 20 Jahren existierende Trio ohnehin praktisch unbegrenzt aus dem Vollen schöpfen, hier geht es aber um eine spannende Revision genaue dieser von Manfred Eicher ausgesuchten, vielschichtigen und zeitlosen Stücke, die durch die Reduktion auf drei Instrumente vielfach einen völlig neuen Charakter annehmen. Klarerweise tritt Carla Bley, die sich in größeren Formationen dezent im Hintergrund hält, im Trio-Format auch als uneitle, aber höchst versierte und effiziente Pianistin stärker ins Rampenlicht. Steve Swallow, ihr Langzeit-Partner für alle musikalischen Angelegenheiten und Lebenslagen, begeistert mit der Fähigkeit, mit seinem grundsolide groovenden, mitunter wundervoll lyrisch singenden Bassspiel ganz vergessen zu lassen, dass es hier kein Schlagzeug gibt, um das Geschehen rhythmisch voranzutreiben. Und die wunderbar emotionalen Beiträge Andy Sheppards auf Tenor- und Sopransax liefern den nötigen Schmelz und lassen das Herz aufgehen. Kaum zu glauben, dass das nach dem grandiosen 1994er Album „Songs with legs“ erst die zweite Veröffentlichung dieses Trios ist. (Peter Füssl)