So 16. Juni 2019
20:30

James Blood Ulmer Solo (USA)

James Blood Ulmer: guitar, vocals

Die Blues-Hymne über Amerika stellt eine Frage, die James Blood Ulmer, der große Gitarrist und Sänger des sogenannten Free-Funk, im Interview nicht beantworten möchte. „I'm in Germany right now“, sagt er und lacht. Von 1980 ist dieses Stück. Ob seine Musik sich, wie auch die Gesellschaft, im Laufe der Jahre verändert habe, fragen wir. „Keine so schweren Fragen! Habt ihr keine einfache Frage“, sagt er und lehnt sich in seinem Ledersessel zurück. „Warum quält ihr mich?“ Ulmer liegt nichts an einem intellektuellen Diskurs über seine Musik; denn seine Musik ist Existenz: Sie ist, wie sie ist, und sie muss nicht weiter erläutert werden. Wann denn für ihn die Gitarre eine Rolle zu spielen begonnen habe, fragen wir ihn. Es habe bei ihm zuhause immer eine gegeben, sagt er. Aber fragt mich doch mal nach meinem Leben, fordert er uns leise murmelnd auf. Man habe doch erst ein eigenes Leben, wenn man aus dem Elternhaus weggezogen sei. Er ging nach Pittsburgh/Pennsylvania, zog zu einer Cousine. Die meinte irgendwann, er müsse jetzt aber mal einen Job suchen und Geld nach Hause bringen. Er meinte, wieso Job? Er könne doch auch Geld beschaffen, ohne einen Job anzunehmen. Und sie: Ja, solange er es nicht stehle. „And that's when I started to play guitar. That's when I started my life“. (Roland Spiegel, BR-Klassik, 2016)

Herr Ulmer spielt in meiner musikalischen Sozialisierung eine wesentliche Rolle, war doch mein erstes Jazzkonzert jenes seiner Band „Phalanx“ mit dem großartigen George Adams am Saxophon im „Stall“ aka „Zentrum Kreuzhof“ in Saalfelden – und zwar exakt am 1. Juni 1985. Dieses Konzert veränderte mein Leben, auch weil mich die damals etwa doppelt so alten Herren vom Jazzclub als „Rookie“ zu diversen Jazzfestivals mitnahmen bzw. alle möglichen Aufnahmen kopierten. Somit habe ich Herrn Ulmer und den Leuten aus Saalfelden wohl sehr viel zu verdanken, weil, wenn ich beispielsweise in Oberkrimml aufgewachsen wäre, sich meine berufliche Laufbahn deutlich von der jetzigen unterscheiden würde. Und ich glaub nicht, dass mir die dann besser gefallen würde. Wie auch immer – Vorhang auf für James Blood Ulmer! Jazz ist he teacher! CH