Di 1. September 2020
20:30
The Grand Reopening

Ratzer / Herbert / eXtracello (A/AUS/D)

Karl Ratzer: guitar, vocals
Peter Herbert: bass
Edda Breit, Gudula Urban, Melissa Coleman, Margarethe Herbert: cello

Wir gehen davon aus, dass ab September auch für das Kulturleben so etwas wie "Normalität" eintritt – sofern man von normal überhaupt sprechen will bzw. kann. Die Kultur wurde als erstes runtergefahren und sperrt als letztes wieder auf. Aber wir wollen da nicht kleinlich sein, freuen uns (hoffentlich) auf das Ende einer bis dato nicht geahnten Zäsur und zelebrieren einen Neustart. Und wer wäre dafür prädestinierter als Sir Karl Ratzer, der das P&B in der Spiegelgasse im September 1993 eröffnet hat und der sich gerade in einem ungeahnten kreativen Höhenflug befindet? Eben. The show must go on – erstmals wieder live... Willkommen im Club! CH

Musikalisch in Bewegung sein, kreativer Unruhezustand, das lebt Karl Ratzer im letzten Jahrzehnt mit besonderer Passion und Lust. Wie wären seine unzähligen Projekte der jüngeren Zeit, aktuell die erfinderische Kooperation mit Peter Herbert und der Streicher-Equipe Extracello sonst zu erklären. Peter Herbert ist für Ratzer mittlerweile sowas wie sein unverzichtbarer alter ego geworden und Extracello, eine rare Instrumentengruppierung, ist der Zusammenschluss von vier österreichischen/in Österreich lebenden Cellistinnen die ihren klassischen Background aufs gelungenste in Korrelation mit diversen substantiellen musikalischen Strömungen des 20.Jhdts bringen. Dem gestandenen Jazz-Modernisten Ratzer, mit seinen genüsslichen Ausschweifungen in Rock-, Soulterritorien brannte da ein intensiver Forschungsdrang unter den Nägeln. Mit Umsicht stellte das Kollektiv ein Repertoire an Eigen- und Fremdkompositionen zusammen, denen die kammermusikalische Verpflanzung in entsprechendem Ausmaß eine neue Färbung bzw. einen neuen Standort beschert. Gekleidet in raffiniert elaborierten, fließenden Arrangements. Ratzers groovige Ideen, sein sensationelles, in der Blues-Ursuppe einzementiertes Feeling, die markante melodische, riffmeisterliche Gabe, bedeuten die Botenstoffe. Er genoss diese feinstoffliche Umgebung auch solistisch in höchstem Maße. Entspanntheit, Sinnesintensität, Verdichtung. Das ließ die Songs über dem Boden schweben. Mitten ins Herz ging´s, wenn Ratzer seinen inbrünstigen Gesang, gestützt auf dieser authentischen, schnoddrigen Intonation und melodisch autonomen Nebengleisigkeit, einbrachte. Etwa bei dem Blues Rock-Knaller Oh Well von Fleetwood Mac oder seinem Meisterwerk My Time. Man sank in den Sessel und ließ die Zeit, Zeit sein. Die Qualität dieses Projektes liegt in der Transparenz, welche die organische Verbindung von konzertmusikalischem Strukturdenken mit improvisatorischen Zündungen durchdringt.
Ratzer ist gegenwärtig mit „Bestzeit“ unterwegs. (Hannes Schweiger anlässlich des Konzertes im Mai 2019)