Mo 21. September 2020
20:30

AHL6 'Thinker Try To Dance' (A)

(C) Fabian Ressl

Lukas Aichinger: drums, composition
Thomas Liesinger: trumpet, FX
Robert Schröck: alto saxophone
Leonhard Skorupa: tenor saxophone, clarinet
Markus W. Schneider: guitar, FX
Tobias Pöcksteiner: bass

Ob der Begriff „Jazz“ noch für einen bestimmen Stil steht mag fraglich sein. Er steht aber nach wie vor für einen bestimmten Zugang zur Musik: Einen aufgeschlossenen, egalitären, relevanten Zugang, der Musikerinnen und Musikern möglichst viel Freiheit zum Selbstausdruck einräumt – ohne dass sie befürchten müssen, sie könnten irgendwo eine imaginäre Trennlinie überschreiten. Jazz ist vor allem eine grenzenlose Musik – und Lukas Aichingers Projekt „AHL6“ verkörpert genau dieses Verständnis. Es gibt viel zu schätzen an dieser Band: Die Risikofreudigkeit, das solide Spiel und den kräftigen Schlagzeugklang des Bandleaders; das scheinbar endlose Ideenreichtum des Gitarristen Markus W. Schneider (und auch seine Bereitschaft, den 80er-Jahre-Gitarrenheld zu spielen); einen Bläsersatz der in der Lage ist, Präzision mit einem schön muskulösen Klang zu verbinden. Die Improvisationen der Bandmitglieder sind durchwegs überzeugend, der wahre Star ist aber das Ensemble und die Musik selbst: Aichingers Kompositionen erinnern mal an Sex Mob oder John Lurie und die „Lounge Lizards“. Sie sind dicht, ohne hektisch zu sein; komplex und schrullig aber nie verfremdend; jedes Stück führt den Zuhörenden mit sicherer Hand den vom Komponisten bestimmten Weg entlang. Man nehme den Titeltrack, „Thinker Try To Dance“: Eine Odyssee in viereinhalb Minuten, vollgepackt mit vertrackten, wechselnden Grooves…aber irgendwie ist’s auch tanzbar, obwohl freilich eher ein Tanz, den man in zwei verschiedenen Schuhen tanzen würde. Einfachere Vergnügen gibt’s jedenfalls auch: Das funkige, scofield’sche „Duck Disco“ oder das elegische „DMIAL“ laden ein, sich einfach zurückzulehnen und zu genießen. Die Stücke, so Aichinger, haben oft gesellschaftliche Themen als Inspirationsquelle, insbesondere die rasende Veränderung der Welt durch neue Technologien. Solche Ideen werden in der Musik auch wiedergespiegelt: Elektronische Effekte von Gitarre und Trompete(!) huschen und kratzen immer wieder durch die Gegend, sind aber immer in den Stücken integriert. Als würde man sagen: ja, es ist eine schräge neue Welt aber vielleicht schaffen wir es doch noch, uns damit zu versöhnen. Kurzum, AHL6 hat eine ganz eigene Klangwelt geschaffen: Pressant, offenherzig und voller Überraschungen! (Phil Yaeger)

Kompakte, klug durchstrukturierte und dennoch überraschungsreiche Musik von Schlagzeuger Lukas Aichinger (Andreas Felber, Ö1)
AHL6 erfüllen die Jazztheorie mit Leben, sie bringen diese durch gewitztes Spiel, permanenten musikalischen Grenzüberschreitungen und viel Ideenreichtum zum Tanzen und zelebrieren dabei einen Sound, der überaus spannende Eigenheiten zum Vorschein bringt. (Michael Ternai, mica)