22. Oktober 2019
Von Christoph Huber

Editorial

Januar 2020

Das Jahr endet mit einer erfreulichen Überraschung: Die Kulturabteilung der Stadt Wien meldete sich bei uns und tat kund, dass dem P&B ab 2020 für den laufenden Betrieb 30.000 Euro mehr zur Verfügung stehen werden – auch weil das gesamte Kulturbudget erhöht wurde, was vorbehaltlos zu loben ist. Dies bedeutet eine erstmalige Subventionserhöhung seitens der Stadt seit Gründung des P&B 1993 (das Bundeskanzleramt erhöhte 2015). Das heißt, dass der Subventionsanteil 2020 knapp 16 % des Gesamtbudgets betragen wird. Zum Hintergrund: 2015 verloren wir ohne unser Zutun den Hauptsponsor, der knapp 10 % des Gesamtbudgets beisteuerte. Unser damaliger Vorschlag war, dass der Verein P&B die eine Hälfte kompensiert, Stadt und Bund zu gleichen Teilen die zweite. Der Bund folgte, wie schon erwähnt, unserem Ansinnen, die Stadt zierte sich vorerst. Nun machte unser Rechnungsprüfer im Jahresabschluss 2018 unmissverständlich darauf aufmerksam, dass es in diesem Zusammenhang einer nachhaltigen Lösung bedarf, da ansonsten der Verein trotz offiziell attestierter Sparsamkeit und maßvollem Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zukünftig unausweichlich in finanzielle Turbulenzen geraten werde, weil die Rücklagen, die durch den Sponsor gebildet werden konnten, schon aufgebraucht wurden. Diese Botschaft wurde offensichtlich verstanden und die Situation ohne großes Aufheben in unserem Sinne korrigiert. Vielen Dank an die Frau Kulturstadträtin und ihr Team. Wir wissen diese unbürokratische Erledigung zu schätzen und zollen dankbar Respekt. „Wien ist anders“ war ein (touristischer) Slogan – alt zwar, aber immer noch wahr!

Wie schon vor ein paar Ausgaben an dieser Stelle angekündigt, haben wir nun tatsächlich einen Trinkbrunnen in der Musikergarderobe installiert und fordern die Musiker auf, das wunderbare Wiener Hochquellwasser anstelle von plastikbeflaschter Verkaufsware zu konsumieren. Erste Erfahrungen zeigen, dass das durchaus angenommen wird, auch weil es hauptsächlich für internationale Musiker einen großen Unterschied macht, ob man Wasser aus dem Wasserhahn entnimmt oder eben aus einem Trinkbrunnen, der ja genau dafür da ist. Diese Investition wird sich also in kürzester Zeit amortisieren und wir sind den ganzen Plastikflaschenwahnsinn los. Dank auch an die MA 31 für ihren Support. Also auch das Wiener Wasser ist anders!

Eine weitere „Baustelle“ wurde ebenfalls erfolgreich abgeschlossen. Unsere Betriebsanlagengenehmigung stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 2000, mit einigen Abänderungen wie z. B. der geänderten Eingangssituation ab 2011 und diversen anderen Adaptionen. Nun war es das Ansinnen der unterschiedlichen Abteilungen – genauer: Magistratisches Bezirksamt für den 1./8. Bezirk, Arbeitsinspektorat Wien Zentrum, MA 36-A und MA 36-B – einen aktuellen und „vereinheitlichten“ Stand der Betriebsanlage mit dem Standort Riemergasse 11 zu schaffen. Das ist normalerweise kein wirkliches „Honigschlecken“, und das Genehmigungsverfahren kann ganz schön anspruchsvoll sein, auch weil sich seit fast 20 Jahren viele Auflagen geändert, also „verschärft“ haben bzw. etliche neue hinzukamen. Es gab natürlich etliche Beanstandungen, wovon die meisten sofort und ohne gröberen Aufwand behoben werden konnten. Der größte „Knackpunkt“ war die Lüftung im Eingangsbereich, wobei sich da eine Lösung fand, die von allen Beteiligten als in Ordnung befunden wurde. Mitte November trudelte der Bescheid mit der offiziellen Genehmigung der Betriebsstätte mit allen uns wichtigen Parametern wie Konzerten in der Strengen Kammer, Ausstellungen in der Public Domain, Barbetrieb etc. ein. Ich glaube also, dass wir die nächsten 20 Jahre diesbezüglich keine weiteren Probleme zu erwarten haben. Auch recht beruhigend – Dank an die Kooperationsbereitschaft der VertreterInnen dieser Abteilungen.

In diesem Sinne, ich wünsche Ihnen und mir ein musikalisch spannendes neues Jahr!

 

Dezember 2019

Wie schon seit 1994 gibt’s auch für das Jahr 2020 sogenannte MemberCards. So eine Karte ermöglicht freien Eintritt zu allen vom Verein Porgy & Bess veranstalteten Konzerten, und das sind ca. 300 Veranstaltungen im Jahr. Bei Kooperationen bzw. „Fremdveranstaltungen“ gilt zumeist eine Ermäßigung von bis zu 50 % bzw. zumindest eine von 10 Euro. Unser regulärer Eintrittspreis beträgt bis Ende des Jahres 20 Euro, d. h. für ein „normales“ Konzert ist das der Preis für einen Sitzplatz, und es ist damit für MemberCard-Holder frei – also ohne Aufpreis zu bezahlen. Ist der Sitzplatzpreis höher, dann müssen Karten-Inhaberinnen oder Inhaber die Differenz zum Grundpreis zahlen. Stehplätze sind auch dann frei, wenn diese über 20 Euro kosten. Dieser Grundpreis wurde 2015, nachdem uns unser Hauptsponsor abhandenkam, letztmalig erhöht. Nun sehen wir uns gezwungen, ab 2020 22Euro verlangen zu müssen, auch weil die Subvention der öffentlichen Hand bis dato nicht valorisiert wurde und ziemlich sicher auch nicht wird. Der Preis der MemberCard bleibt in allen Kategorien gleich – ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann da die letzte Erhöhung stattfand. Natürlich passen wir da die „Freigrenze“ auf 22 Euro an, für MemberCard-Holder ändert sich also eigentlich nichts bzw. wird die Karte sogar etwas aufgewertet. Wem das alles etwas zu kompliziert klingt: Alle Infos können Sie auf unserer Homepage http://porgy.at/page/membercard/ in Ruhe nachlesen.

Ganz allgemein ist dieses MemberCard-System mit Sicherheit mitverantwortlich dafür, dass es das P&B nach wie vor gibt. Dank da an die Leute, die uns so viel Vertrauen entgegenbringen, dass sie diese Karte zu einem Zeitpunkt erwerben, wo sie noch gar nicht genau wissen können, was sie dafür tatsächlich bekommen, weil das Programm natürlich nicht so weit im Vorhinein fixiert werden kann. Dass die meisten die Karte verlängern, deutet darauf hin, dass die Majorität offenbar recht zufrieden ist.

Dank natürlich auch an die Subventionsgeber Stadt Wien und Bundeskanzleramt, ohne deren jahrzehntelanges Engagement das P&B ebenso wenig denkbar wäre, auch wenn wir leichter schlafen würden, wenn diese Gelder in irgendeiner Form inflationsbereinigt wären ... Dank an dieser Stelle auch an den SKE-Fonds der Austro Mechana und an die AKM, und Dank auch an die Firma Ottakringer, die es sich auch was kosten lässt, dass wir ihr Bier verkaufen. Ein ganz ausgezeichnetes übrigens!

In diesem Sinne: Ein an-, auf-, er- oder sonst wie sich regendes Dezember-Programm – und bleiben Sie uns gewogen!

Hier können Sie das Dezember-Programm als pdf downloaden

 

November 2019

Wien ist auch deshalb eine sehr lebenswerte Stadt, weil man das Wasser aus der Leitung trinken kann. Ich habe gehört, dass diese Stadt auch weltweit den größten Weinanbau innerhalb der Stadtgrenzen hat – klingt ja fast paradiesisch, aber letzteres soll hier kein Thema sein. Wir überlegen uns schon seit längerem, wie wir es den Musikern schmackhaft machen können, unser wunderbares Hochquellwasser zu konsumieren. Bis jetzt haben wir monatlich hunderte 0,3 Liter Plastikflaschen herangekarrt, um diesen Bedarf zu decken. Da muss man nämlich bedenken, dass 1 Literflaschen nicht gehen, weil das ein Musiker nie austrinkt und eine angebrochene Flasche wird wiederum von anderen nicht mehr verwendet. Glasflaschen sind auf der Bühne aus unterschiedlichen Gründen problematisch, außerdem sind diese Dinger ganz schön schwer zu transportieren. Dann gehen auch keine Gläser, weil die umkippen können, bleiben also nur wiederverschließbare Flaschen über.

Nun versuchen wir es anders: Wir planen in der Musikergarderobe einen Trinkbrunnen zu installieren und fordern die auftretenden Musiker auf, ihre eigenen Wasserflaschen mitzubringen. Oder wir stellen den Musikern Trinkflaschen zur Verfügung, die diese dann mitnehmen können und idealerweise auch in anderen Clubs Verwendung finden. Die Produktion dieser Flaschen, die man natürlich „branden“ kann, muss freilich noch geprüft werden bzw. vielleicht findet sich da ja ein (umweltbewußter) Sponsor. Andere Veranstalter müssten natürlich auch Trinkbrunnen installieren, und wenn das Wasser aus der Leitung irgendwo nicht konsumierbar ist, dann sollen dort halt Nachfüllbehälter zum Einsatz kommen.

Damit wäre ein Signal gegen diesen Plastikwahn gesetzt, ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen. Wir haben schon beim European Jazznetwork (EJN) vorgefühlt und sind da auf offene Ohren gestoßen. Gut möglich, dass sich da relativ viele solidarisch erklären und zukünftig Musiker nicht nur ihre Instrumente im Koffer mitführen...

Wir haben übrigens schon ein Motto: B-Y-O-B – Bring your own bottle! Vielleicht haben auch Sie da irgendwelche Anregungen...

Hier können Sie das November-Programm als pdf downloaden

 

Oktober 2019

Noch ganz unter dem Eindruck der Saisoneröffnung (die 27., nebenbei bemerkt) mit den großartigen „Orchestra Suites“ von Michael Mantler, kann ich es mir nicht verkneifen, doch noch ein Wort zur hierzuorts praktizierten Veranstaltungspolitik zu verlieren (leider wirklich im wahrsten Sinne des Wortes). Mantler ist in dieser Stadt geboren und ein mittlerweile 76-jähriger Weltbürger, der Jazzgeschichte geschrieben hat, u. a. durch seine Beteiligung an der mythenumrankten Oktoberrevolution des Jazz 1964, der Gründung der „Jazz Composer’s Guild“ im selben Jahr, spätestens aber seit seiner Einspielung der (legendären) Doppel-LP „The Jazz Composers Orchestra“ 1968. Ich will jetzt gar nicht Musiker aufzählen, die an Projekten von Mantler beteiligt waren – es liest sich wie das Who’s who der Jazz-, Rock-, Crossover-, Literatur- und was-weiß-ich-noch welcher Szene. Bis Anfang der 1990er Jahre lebte er in den USA, seitdem in Kopenhagen und Südfrankreich. Er arbeitete mit namhaften Symphonie-, Kammer-, Rundfunkorchestern zusammen und realisierte diverse Multimedia-Musiktheaterproduktionen. Seit Jahrzehnten veröffentlicht er auf dem renommierten ECM-Label. Ein wichtiger Mann, würde man meinen – aber offenbar nicht wichtig genug für die Musikstadt Wien. Bis heute (trotz mehrfacher Bemühungen) kein einziger (!) Auftrag eines einschlägigen Wiener Festivals, kein einziger Auftritt unter seinem Namen (sieht man vom P&B ab). Zur kulturpolitischen Ehrenrettung muss natürlich erwähnt werden, dass Mantler den Staatspreis für Improvisierte Musik und den Preis der Stadt Wien für Musik erhielt. Seine Arbeit wird also – wenn schon nicht aufgeführt – zumindest ausgezeichnet. Wenn sich das P&B, dem diese Projekte in allen Dimensionen um eine Schuhnummer zu groß sind, nicht um die Realisierung gekümmert hätte, wäre in dieser Stadt keine einzige Mantler-Komposition live zu hören gewesen sein. Unglaublich eigentlich – aber immerhin haben wir uns damit ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Und trotz herber finanzieller Verluste muss ich sagen, dass diese drei Aufführungen im Jazzclub zu den beeindruckendsten Klangerlebnissen zählten, an die ich mich erinnern kann. Es wäre ewig schade gewesen, wenn es aufgrund rein rational-ökonomischer Gründe nicht zur Umsetzung gekommen wäre. Großen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten, die höchst motiviert ein enormes Arbeitspensum bewältigt haben und diese komplexen Kompositionen mit meisterhafter Leichtigkeit zum Klingen brachten. Chapeau!

Weil wir gerade zwecks Subventionsabrechnung bzw. -einreichung den Jahresabschluss 2018 fertiggestellt haben, möchte ich ihnen einige „hard facts“ nicht vorenthalten:

Der Hauptraum des P&B wurde 2018 an 343 Tagen mit insgesamt 385 öffentlich zugänglichen Produktionen bespielt. Dazu kamen 77 Konzerte in der Strengen Kammer und 12 Vernissagen in unserem Ausstellungsraum, der Public Domain. Im Jahr 2018 besuchten mehr als 80.000 Personen die Veranstaltungen im P&B. Insgesamt wurden in diesem Jahr 474 Veranstaltungen in den unterschiedlichen Räumen des P&B organisiert. Das Gesamtbudget des P&B betrug 2018 rund 1,78 Mio. Euro. Das Bundeskanzleramt unterstützte den laufenden Betrieb mit 8,4 %, die Stadt Wien mit 6,2 % des Jahresbudgets. Knapp 2,2 % stammten von Sponsoren wie Ottakringer, AKM, Austro Mechana, Universal, ORF... (Seit 2015 müssen wir den Ausfall unseres Hauptsponsors, der in der Vergangenheit fast 10 % des Jahresbudgets zur Verfügung stellte, kompensieren!). Die Eigendeckung beträgt damit über 83 %! Die Eintrittseinnahmen liegen bei fast 70 %. Die restlichen Gelder stammen aus Vermietungen und aus der verpachteten Gastronomie.

Recht ordentliche Zahlen, wie ich meine. Wie sie unschwer erkennen, ist der Hauptsponsor das zahlende Publikum. Bleiben sie uns also gewogen, damit zukünftig der Jazzszene kein Mantler-Schicksal blüht ...

Hier können Sie das Oktober-Programm als pdf downloaden

 

September 2019

Vor einer recht kuriosen Situation standen wir Anfang Juli, meldete doch der Betreiber der Gastronomie Insolvenz an – das heißt, wir standen von einem Tag auf den anderen plötzlich ohne Barpersonal da. Wir wussten bereits von den Schwierigkeiten, und ein Wechsel war per Ende August vereinbart. Es gab also zum Glück schon einen Nachfolger, der halt unerwartet plötzlich die Arbeit aufnehmen musste und sich auch nicht scheute, ins „kalte Wasser“ zu springen. Danke dafür an Cathrine Lux und Andreas Gstettner, und willkommen im Club! „Natural Forces“ nennt sich ihre Firma, und der Name ist auch Programm. Es geht um bewusste Ernährung, Nachhaltigkeit und Qualität der Produkte – kurz, um die Kraft der Natur. Eine gute Ergänzung also zur natürlichen Kraft des Jazz!

Es gibt ein europäisches Jazz-Netzwerk, das EJN (European Jazz Network), das ein paar Jahre früher als das Porgy & Bess gegründet wurde und als eine Vereinigung der wichtigsten Protagonisten in diesem Gebiet gilt sowie als eine Plattform für länderübergreifende Projekte etc. So waren wir beispielsweise 1995 Teil eines europäischen Club-Festivals mit dem Titel „Imaginary Roots“. Die Idee dahinter war recht einfach: Alle sieben teilnehmenden Jazzclubs entsenden jeweils eine Band, die dann durch die anderen Clubs tingelt. Beteiligt waren das Bimhuis in Amsterdam, das Les Instants Chavirés in Montreuil, der Stadtgarten in Köln, das AMR in Genf, das Moods in Zürich, das Jazzhouse in Kopenhagen und eben das P&B. Wir schickten übrigens die Formation „AM4“ mit Linda Sharrock, Wolfgang Puschnig und Uli Scherer. Es gab ein Programmheft, übersetzt in drei Sprachen, und das ganze Projekt wurde vom EJN unterstützt – angeblich, denn wir leisteten den Hauptteil der Arbeit, das damals gerade entstandene Mica (Music Information Center Austria) kümmerte sich um die Logistik, und zum Schluss blieben wir auf Kosten sitzen, von denen wir eigentlich dachten, sie wären vom EJN abgedeckt. Meine Sympathie gegenüber dieser Organisation hielt sich danach verständlicherweise in überschaubaren Grenzen und wir lehnten jahrelang die wiederholten Versuche, uns als Mitglieder zu gewinnen, erfolgreich ab, obwohl ich mit allen Kolleginnen, die Teil dieses Netzwerkes sind, ein durchwegs freundschaftliches Verhältnis pflege. Mein Freund Edin Zubcevic vom Jazzfestival Sarajewo unternahm im Juni einen letzten Versuch und lud mich nach Ljubljana ein, wo John Zorn seine Bagatellen zur Aufführung brachte – freilich ohne mich von seiner eigentlichen Intention zu informieren. Letztendlich haben wir uns nach knapp fünfundzwanzig Jahren (man soll ja nicht ewig nachtragend sein) doch noch entschieden, dieser Organisation – hauptsächlich aus Solidarität der Jazzszene gegenüber – beizutreten. Wenn ich richtig informiert bin, dann sind wir die 152ste Organisation (aus 35 Ländern), die Mitglied des EJN wurde. Soweit ich das beurteilen kann, sollte das eine Win-win-Situation für beide sein.

Bevor die Saison am 5. September mit einem weiteren Großprojekt von Michael Mantler eröffnet wird, spielt der afrikanische Superstar Keziah Jones am 1. quasi noch in der Sommerpause. Willkommen im Club und bleiben Sie uns gewogen ...

Hier können Sie das September-Programm als pdf downloaden

 

Juli & August 2019

Im „alten“ Porgy & Bess in der Spiegelgasse begann die Sommerpause Ende April/Anfang Mai und dauerte bis Mitte September. Der Grund war recht einfach und allgemein nachvollziehbar: Im Sommer wird es in der Stadt ordentlich heiß und im Jazzkeller gab es keine Klimaanlage. Warm ist’s im Juli und August zumeist immer noch, aber mittels einer Kälteanlage strömt gekühlte Luft in den Club in der Riemergasse – theoretisch zumindest, doch befanden sich diese Aggregate leider recht häufig im Error-Modus. Als alle Instandsetzungstricks und selbst gutes Zureden nichts mehr halfen, entschlossen wir uns, dieses „Gewerk“ komplett neu zu konzipieren, auch weil es hieß, dass diese Kältegeräte, die als „direktbefeuerte Gasabsorber“ funktionieren (das heißt: keine umweltschädlichen Kältemittel zum Einsatz kommen!), in Europa nicht mehr produziert werden. So zerbrach sich ein Team rund um Wolfgang Hacker, der schon beim Umbau im Jahr 2000 für „HKLS“ (Heizung, Kälte, Lüftung, Sanitär) zuständig war, den Kopf darüber, wie wir unser Problem längerfristig loswerden könnten, und kam zu interessanten Ergebnissen, deren Realisierung aber, grob geschätzt, um die 200.000 Euro gekostet hätte, also deutlich jenseits unserer finanziellen Möglichkeiten gelegen wäre. Dann entdeckten wir eine Firma in Italien, die diese ursprünglichen Gasabsorber-Aggregate weiterentwickelt und auch produziert – das bedeutete, dass wir „nur“ die Geräte tauschen mussten. Billig freilich war auch das nicht, kostet ein Gerät doch schlappe 20.000 Euro, und auf unserem Dach stehen vier davon, aber mangels Alternativen entschieden wir uns für diese Variante. Nun ist es nicht so, dass man diese Geräte einfach kauft und montiert – wir gaben die Produktion in Auftrag und akontierten die Hälfte der dafür veranschlagten Summe. Ich gebe zu, dass wir nicht unbedingt blindes Vertrauen in italienische Industriebetriebe haben, aber da waren uns sprichwörtlich die Hände gebunden. Wirklich fristgerecht waren diese Geräte dann auch nicht fertig, und als sie dann schlussendlich in Wien ankamen, versuchte die Transportfirma, mit einem Tieflader in die Innenstadt zu fahren. Den Erfolg dieses Unterfangens können Sie sich vorstellen. In der gesperrten Riemergasse stand ein Kran, der knapp fünfzig Meter in die Höhe ragte, die alten Geräte vom Dach hievte und darauf wartete, auf den leer gewordenen Platz die neuen zu setzen. Ausgemacht war, dass diese Lieferung am späteren Vormittag eintreffen würde. Gegen zehn Uhr war das Dach geöffnet und die funktionsuntüchtigen Maschinen entsorgt … und dann begann das lange Warten – bei laufendem Motor, weil sonst der Kran seine Standfestigkeit verliert. Die Freude der Nachbarn können Sie sich vorstellen. Wie auch immer, kurz bevor auch wegen sich verschlechternden Wetterbedingungen die ganze Aktion abgebrochen werden hätte müssen, trafen die neuen Absorber, transportiert von Innenstadt-kompatiblen Kleinlastfahrzeugen, endlich ein und waren eine knappe halbe Stunde später dort positioniert, wo sie auch hingehörten. Einzig auf eine Fachkraft, die zur Inbetriebnahme nötig gewesen wäre, wurde vergessen. Ich bin nicht so schnell aus der Fassung zu bringen, aber in diesem Fall verlor ich wohl etwas die Contenance. Es dauerte weitere quälende Tage bzw. Wochen, bis schlussendlich am 1. Juli des vergangenen Jahres gleich nach dem Konzert des großen Charles Lloyd (der meinte, er ziehe warme Temperaturen kalten Händen vor) die Kälteanlage ihren Dienst startete.

Warum ich das erzähle? Weil wir bis zum 17. August bis auf ein paar „Stehtage“ faktisch durchspielen und der Techniker, der diese Anlage wartet, mir versichert hat, dass wir im Sommer im Keller keine Probleme bezüglich Hitze haben werden. Nun denn: Hot Jazz im coolen Club! Welcome! CH

PS: Die nächste Saison, also die 27. der Geschichte, beginnt am 5. September mit einem dreitägigen Gastspiel des großen austriakischen Komponisten und Trompeters Michael Mantler, der einen Querschnitt seiner orchestralen Arbeiten präsentieren wird. Mantler ist übrigens gebürtiger Wiener, der sehr früh in die Vereinigten Staaten ging, die „Jazz Composers Guild“ mitbegründete und federführend für die sogenannte „October Revolution in Jazz“ verantwortlich zeichnete, mit Mitstreitern wie Bill Dixon, Cecil Taylor, Archie Shepp und natürlich seiner damaligen Frau Carla Bley. In seiner Geburtsstadt wurde er nie eingeladen, seine Arbeiten zu präsentieren (Ingrid Karl und Franz Koglmann organisierten irgendwann einmal einen Workshop im Rahmen der Wiener Musikgalerie, den Mantler leitete). So bleibt es halt uns vorbehalten, diesem großen, verkannten Sohn unserer Stadt ein Podium zu bieten.

Hier können Sie das Juli & August-Programm als pdf downloaden

 

Juni 2019

Eubie Blake war ein Ragtime-Pianist, der uralt wurde (auch weil er bei der Angabe seines Geburtsjahrs etwas geschwindelt hatte) und mit 101 im Jahr 1983 verstarb (tatsächlich dürfte er 96 Jahre alt gewesen sein). Jedenfalls wurde er von Journalisten gefragt, ob es nicht sehr anstrengend sei, in seinem hohen Alter immer noch Tourneen zu machen, und er antwortete sinngemäß, dass er sich, seitdem sein Sohn endlich im Altersheim sei, nun viel mehr um seine eigenen Dinge kümmern könne und damit für ihn alles viel leichter geworden wäre. Er sagte auch, wenn er gewusst hätte, wie alt er werden würde, er besser auf sich aufgepasst und z. B. schon früher das Rauchen aufgegeben hätte. Diese Geschichte fiel mir ein, nachdem wir in dieser Saison mit einigen altersmäßig schon recht fortgeschrittenen Musikerpersönlichkeiten zu tun hatten, die neben der musikalischen Integrität auch über veritable humoristische Qualitäten verfügen. So lehnte Martial Solal (*1927), der zu unserem 25. Geburtstag am 26. September vergangenen Jahres spielte, alle Interviewanfragen mit der Begründung ab, dass er nun schon so alt sei, dass keine Zeit mehr übrig bliebe, sich zu langweilen – nur um dann trotzdem bis nach Mitternacht im Club zu sitzen und Journalistenfragen zu beantworten. Als ich ihn zum Flughafen brachte, meinte er, dass er unbedingt zum 50. Geburtstag wieder spielen wolle. Als er bemerkte, dass sich das wohl eher nicht ausgehen würde, schlug er vor, dass ich ihn in ein, zwei Jahren auch ohne Anlass einladen könne. Lee Konitz, ebenfalls ein 27er-Jahrgang, ist auch immer für coole Sprüche gut bzw. wegen seiner typisch grantelnden Art bei Musikern und Veranstaltern gefürchtet. Im P&B beschwerte er sich einmal über zu viel Licht und spielte erst wieder weiter, als ich ihm erklärte, dass aus behördlichen Gründen die Notleuchten, die die Fluchtwege markieren, nicht abgeschaltet werden dürfen. Roy Haynes (*1925) war auch nicht schlecht: Als er von seinem Bassisten darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Tune, dass er gerade ansagte, bereits gespielt worden war, meinte er lapidar: „If so, then let’s play it differently.“ Der große Hans Koller (*1921) rief mich an und sagte: „Heast Christoph, I wer’ heit 80 und kumm zu dir ins Porgy!“ An diesem Tag war Jam Session und wir bauten im hinteren Teil des Clubs eine Tafel auf, um diesen Anlass auch gebührend zu feiern. Koller schenkte mir übrigens ein Notenblatt mit einer Komposition, die er mit „Hommage à Christoph Huber, Porgy & Bess“ betitelte, er machte also mir ein Geschenk zu seinem Geburtstag. Yusef Lateef (*1920) spielte 2007 mit den Belmondo-Brüdern, und als diese wissen wollten, wie viel Geld er pro Auftritt verlangen würde, nannte er die Summe von 100.000 US-Dollar. Als die Brüder einwarfen, dass dies recht unrealistisch sei und eigentlich schon das Unterfangen absagen wollten, meinte der Meister, dass, wenn 100.000 zu viel sei, für ihn auch 1.000 Dollar pro Konzert okay wären. Aber ich schweife ab: Marshall Allen (*1924) gab ein paar Tage vor dem Verfassen dieser Zeilen ein Gastspiel mit jenem Arkestra, dass er nach dem Saturnabgang des Namensgebers Sun Ra 1993 leitet, und sprang nach dem knapp zweieinhalbstündigen Konzert, weil er nicht den Umweg über den Stiegenabgang nehmen wollte, ganz einfach von der Bühne – mit 95, wohlgemerkt! Möglicherweise war das doch nicht der letzte Auftritt dieser Formation unter seiner Leitung. Und am 30. April war wieder der internationale Jazztag, den die UNESCO 2011 ausrief, und u. a. spielte da der vergleichsweise Jungspund Rolf Kühn (*1929) – und neben dem sehen viele Musiker auch sehr alt aus ...

Hier können Sie das Juni-Programm als pdf downloaden

 

Mai 2019

Ein paar Worte an dieser Stelle zur sogenannten „Strengen Kammer“, dem „Raum mit dem weiten Horizont“, wie mein Freund und (Haupt-)Kurator Renald Deppe zu sagen pflegt. Diesen alternativen kleinen Konzertsaal gibt es nun schon seit 2011, und er entstand, weil wir die ursprünglich dort befindliche Vorverkaufsstelle in das benachbarte Geschäftslokal übersiedeln konnten. Davor mussten wir, weil das Grundwasser unsere im tiefen Keller situierte Musikergarderobe überschwemmte, den Raum provisorisch als Künstlerumkleide adaptieren – inklusive Bösendorfer-Flügel, der zum Einspielen von Pianisten diente. Als der Keller wieder trockengelegt war, wanderte zwar die Musikergarderobe an ihren ursprünglichen Platz zurück, nicht aber das Klavier, das wollte niemand die unzähligen Stufen hinunterschleppen. Carla Bley meinte so nebenbei nach einer Probe in dieser provisorischen Garderobe: „Quite a nice room for playing music.“ Klarerweise spielten wir mit dem Gedanken, diesen Raum für Konzerte zu nutzen, wo wir doch schon seit Langem über ein „Off-Porgy“ nachdachten. Ein Arbeitstitel war rasch gefunden – eben „Strenge Kammer“ –, einerseits als augenzwinkernde ironische Referenz an das historische Rondell-Kino mit seiner inhaltlichen Ausrichtung – verzeihen Sie mir diese unzulässig unterstellte Verallgemeinerung, aber meines Erachtens waren alle männlichen Wiener, die mittlerweile über 60 sind, dereinst dort! –, andererseits stand ein Festival, das John Zorn in München kuratierte, Pate. „Radical Jewish Culture“ hieß eine Konzertserie in der Philharmonie, und unter anderem stand im Foyer eine „Black Box“, in der Zorn sein Werk „Kristallnacht“ zur Aufführung brachte. Davor wurden Zettel verteilt mit der Warnung, dass, wenn man sich für dieses Konzert entschieden hätte, man den Ort erst wieder nach Konzertende verlassen dürfe. Ähnliches schwebte uns vor: ein Raum, wo die Konzerte pünktlich um 19 Uhr beginnen und längstens eine Stunde dauern. Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt, ebenso wie derjenige, der plötzlich, aus welchem Grunde auch immer, während des Konzertes das Weite suchen möchte. Man muss sich entscheiden und man muss auch die Konsequenzen dieser Entscheidung tragen. Eintritt muss natürlich auch bezahlt werden, allerdings nur so viel, wie der Besucher zu geben bereit ist. „Pay as you wish“ lautet die niederschwellige Devise. Klingt alles sehr streng, aber ich verrate wohl kein Geheimnis, wenn ich anmerke, dass wir in der Exekution dieser Überlegungen eher nicht sehr konsequent sind. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung blieb der vermeintliche Arbeitstitel namensgebend und setzte sich auch binnen kurzer Zeit trotz mitunter missverständlicher Interpretationen durch.

Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich dieser Raum zum Hotspot für die junge, austriakische, avancierte Jazzszene, und zwar hauptsächlich aufgrund der umsichtigen und mutigen Programmierung von Renald Deppe, der seinen edukativen Aufgaben als Professor an der Musikuni Wien und am Bruckner Konservatorium in Linz vorbildlich nachkommt und immer wieder unbekannten neuen Talenten eine Bühne bietet – mittels zweier Serien namens „Lost & Found“ jeden Montag und „Brennkammer“ jeden ersten Donnerstag bis Samstag im Monat. Eine Werkstatt, ein Laboratorium, ein Versuchsraum soll das sein, wo Dinge ausprobiert werden können, ohne dem Diktat der ultimativen musikalischen Ausformulierung. Hier finden Sie nicht nur Dinge, die verlorengegangen schienen, sondern Sie können Sachen entdecken, von denen Sie gar nicht wussten, dass diese überhaupt existieren. Ein immer spannendes Experimentierfeld für Köpfe, die für ihre Ohren haften. Willkommen in der Strengen Kammer!

Hier können Sie das Mai-Programm als pdf downloaden

 

April 2019

Da gibt es ja diesen austriakischen Musikpreis, der nach dem berühmten Komponisten benannt ist, der auch für die Vermarktung von Kugeln herhalten muss (Touristen sprechen mitunter über „Mozart’s balls“). Dieser Preis kommt jedes Jahr zu genauso zweifelhafter wie kurzweiliger Berühmtheit, weil verlässlich wer böse ist, dass denselben Preis auch jemand gewinnen könnte, der als singende volksrockandrollende Lederhose im deutschsprachigen Raum eine gewisse Popularität erlangt hat.

Dieser Preis wird seit Jahren vom „ifpi – Verband der österreichischen Musikwirtschaft“ organisiert und veranstaltet – das sind also jene, die die Arbeit schaffen, wie wir von der Frau Fachministerin belehrt bekommen haben. Aber ich schweife ab ... jedenfalls schrieb ich dem Amadeus-Award-Leuten Nachstehendes:

„Ich weiß zwar nicht mehr genau, seit wie viel Jahren ich in der Jury für die Kategorie „Jazz/World/Blues" meine Stimme abgebe, ich weiß aber, dass noch nie irgendein Musiker oder irgendeine Formation, den/die ich vorgeschlagen habe, schlussendlich nominiert wurde. Nun gibt es z. B. eine Band namens Shake Stew, die gerade international reüssiert, das deutsche Feuilleton erobert, überall das Publikum begeistert und es beispielsweise geschafft hat, das P&B an zwei Abenden auszuverkaufen, die aber vom Amadeus Award vollkommen ignoriert wird. Der großartige Karl Ratzer legt gerade eine fulminante „dritte“ Karriere hin, bringt regelmäßig überzeugende Alben heraus – blickt man auf die Nominiertenliste, findet sich dieser Name natürlich nicht. Genauso wenig wie internationale Aushängeschilder wie Wolfgang Puschnig oder Wolfgang Muthspiel, dessen letzte Einspielung ein 5-Star-Rating im US-amerikanischen Fachjournal „downbeat“ erhielt (der letzte österreichische Musiker, dem das gelang, hieß übrigens Hans Koller, und man schrieb das Jahr 1965!). D. h, dass egal wen ich nominiere, es vollkommen klar ist, dass der Betroffene keine Chance hat, den Preis auch tatsächlich zu gewinnen. Um also die Jazzszene zukünftig davor zu bewahren, bitte ich Sie, mich aus der Juryliste zu streichen. Weiters ersuche ich sie, wie schon seit Jahren von vielen anderen auch gefordert, dem Jazz endlich eine eigene Kategorie zu widmen!“

Es ist nämlich so, dass die Nominierten aus der Jury-Wertung und den Verkäufen im Vorjahr ermittelt werden, und zwar im Verhältnis 50 % Verkaufserfolg und 50 % Jurywertung. Klar kommt es da bei Mischkategorien zu Ungerechtigkeiten, die fairerweise zu beheben sind, noch dazu, wenn man das eh schon weiß. Wird aber nicht gemacht, weswegen Jazzmusiker gar keine Chance haben, diesen Preis zu bekommen, weil die anderen Genres schlicht und einfach populärer sind und mehr verkaufen. So ist das halt mit der Wirtschaft. Eine Jury macht da also gar keinen Sinn.

In diesem Sinne, solidarisieren Sie sich mit der (benachteiligten) Jazzszene und strömen Sie in den Club. Herzlich willkommen!

Hier können Sie das April-Programm als pdf downloaden

 

März 2019

Bevor ich mit meiner Familie, wie zumeist um diese Zeit herum, der winterlichen Bundeshauptstadt den Rücken kehrte, um den hoffentlich eh bald auch bei uns Einzug haltenden Sommer auf einer südlichen Insel zu begrüßen, die schon dem Seefahrer Columbus, dem Naturforscher Humboldt und viel später dem Aktionskünstler und Maler Günter Brus gut gefiel, erwarb ich in der Buchhandlung meines Vertrauens das schriftstellerische Debüt des Pianisten, Komponisten und Sängers Oskar Aichinger mit dem passenden Titel „Ich bleib in der Stadt und verreise“, das ich also in der Ferne mit großem Genuss und noch größerem Vergnügen lese. Er berichtet da von seinen vielen Spaziergängen, die bei ihm alle immer in auch mir sehr sympathischen und geradezu ans Herz gewachsenen Gaststätten wie dem „Sittl“, dem „Rüdigerhof“, dem „Anzengruber“, aber auch in mir vollkommen unbekannten Buschenschanken und Heurigen in den fernen Weiten des Wienerwalds enden. Ich teile da dieselbe Leidenschaft des Gehens – fremde Städte zum Beispiel sind am nachhaltigsten per pedes zu erkunden –, aber vor allem auch die Zielgerichtetheit des Spazierganges. Nicht, dass auch der Weg schon das Ziel sein kann, was ausnahmsweise auch schon einmal vorkommen soll … ich bevorzuge es aber, wenn der Weg zu einem klar definierten Ziel führt. Sehr amüsant sind da die Aichinger’schen Berichte über seine Fußmärsche zu lesen, und wohl viel kurzweiliger, als sie nachzugehen. Über meine städtischen Wanderungen brauche ich wohl kein Buch zu schreiben, da reichen ein paar editoriale Zeilen an dieser Stelle, haben sie doch meist das gleiche Ziel, wenn ich auch zwecks Abwechslung ein paar alternative Wege benutze, wiewohl es da nicht allzu große Auswahlmöglichkeiten gibt, wenn man für die Distanz zwischen der Wieden und der Inneren Stadt nicht mehr als zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Minuten aufwenden möchte. Aber bevor ich mein finales allabendliches Ziel erreiche, gibt es ein paar interessante Einkehrmöglichkeiten in der näheren Umgebung, je nach Zeitbudget und Befindlichkeit. Bin ich zum Beispiel hungrig, suche ich gerne das Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ auf, und zwar jenes, wo die Riemergasse auf die Singerstraße trifft. Diese Gastwirtschaft ist eine der ältesten der Stadt, in der auch schon Franz Schubert seine kulinarischen Bedürfnisse befriedigte, um nicht mit knurrendem Magen zu komponieren. Will man noch kurz etwas mit einem Musiker oder mit sonst jemandem an der Jazzszene interessierten besprechen, dann eignet sich das „Café Prückel“ hervorragend dafür, auf das der gestrenge Bürgermeister Karl Lueger sein statuenhaftes Auge geworfen hat. Will ich einfach noch schnell einen Espresso zu mir nehmen, dann dort, wo die Riemergasse an die Wollzeile stößt, da befindet sich nämlich rechterhand eine „Aida“-Filiale, und deren Inventar ist wahrscheinlich fast so alt wie die berühmte Verdi-Oper. Ist es einmal, was sehr selten vorkommt, nicht ganz so spannend im Jazzclub, dann empfiehlt sich ein kurzer Abstecher ins unmittelbar benachbarte „Peters Operncafé“, wenn der Herr Peter halt einmal Lust hat, seine Lokalität auch tatsächlich zu öffnen. Spaziere ich nach getaner Arbeit den umgekehrten Weg nach Haus, dann kehr ich manchmal im „Krippl“ ein, einem Tschocherl (manche sagen auch Tschecherl, was wohl auch seine Gültigkeit hat), wo man um diese Zeit nur auffällt, wenn man vollkommen nüchtern ist, was bei mir – ähnlich wahrscheinlich wie beim Herrn Aichinger – beim Verlassen des Zielobjektes sehr unwahrscheinlich ist.

In diesem Sinne, berauschen Sie sich am musikalischen März-Programm und bleiben Sie fit, indem Sie regelmäßig ein paar Schritte zum Ziel ihrer Wahl tun ...

Hier können Sie das März-Programm als pdf downloaden

 

Februar 2019

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen kehrt der Club nach den weihnacht-, silvester- und neujährlichen Ausnahmezuständen langsam wieder in den „normalen“ Betriebsstatus zurück und wir können uns um ein paar Dinge kümmern, die aufgrund urlaubsbedingter Nichtverfügbarkeit von diversen Fachkräften aufgeschoben wurden bzw. bei denen wir gezwungen waren, darauf zu warten, bis Firmen wieder ihre Geschäftstüren öffnen. Die Behörden (genauer: BV1, AI Wien Zentrum, MA36-B und MA 36-V) hielten in einer konzertierten Aktion Anfang November des vergangenen Jahres im Club Nachschau, ob die Betriebsstätte noch dem Konsens aus dem Jahre 2000 entspricht, was sie im Wesentlichen natürlich tut, aber aufgrund diverser Veränderungen, Verbesserungen bzw. anderweitiger Nutzung von Räumen (Strenge Kammer, Public Domain) − oder noch komplizierter, aufgrund geänderter, also verschärfter behördlicher Bestimmungen −, offensichtlich nicht immer zu 100 Prozent. Nun fand also die Behörde diverse Mängel und forderte uns auf, diese zu beheben, wogegen ja prinzipiell nichts einzuwenden ist. Ich begann auch unverzüglich mit dem Einholen diverser Atteste zu verschiedenen Bodenbelägen, von Befunden diverser Maschinen, Prüfbüchern von Kälteanlagen, Wartungsprotokollen von Strom- und Gasleitungen, ich beauftragte einen Architekten mit der Aktualisierung von Plänen aller Art, fand heraus, dass die einzige Firma, die das auf dem Dach befindliche Notstromaggregat warten kann/darf, das Lagerhaus Wiener Becken ist ... etc. etc. Alles „business as usual“ im Prinzip, obwohl ich da wirklich gerne auf einen sogenannten Facility Manager zurückgegriffen hätte, den ich aber in Ermangelung finanzieller Ressourcen halt selber spielen musste. Dann kam ein Brief vom MBA 1/8 (Magistratisches Bezirksamt für den 1. und 8. Bezirk), datiert mit 10.12.19, mit einer Auflistung der festgestellten Mängel und mit der Aufforderung, binnen 4 Wochen ab Zustellung des Schreibens diese Mängel auch nachweislich behoben zu haben, widrigenfalls ein Strafverfahren gemäß §367Z25GewO1994 eingeleitet werden würde. Das fand ich nun wiederum etwas forsch, denn welche Behörde kennen Sie, die vor dem 7. Januar ansprechbar wäre, mit Ausnahme der ominösen MA2412, die aber für unsere Betriebsstätte sowieso nicht zuständig wäre? Eben. Immerhin zeigte sich das MBA nach mehrmaliger Intervention gnädig bzw. einsichtig und verlängerte die Frist bis Ende Januar. Bis dahin müssten wir zum Beispiel eine Lüftung, die das Arbeitsinspektorat im Eingangsbereich fordert, umgesetzt haben. Wir haben dort vor Jahren einen Windfang errichtet, weil es in diesem Bereich unangenehm zog, das heißt, das Letzte, was da benötigt wird, ist eine Zu- und Abluftanlage, aber Vorschrift ist halt Vorschrift, und nun werden wir halt dort eine Lüftung einbauen. Dieselbe Behörde forderte übrigens im Zuge des Umbaus des Rondell-Kinos zum Jazzclub P&B einen Fluchtweg aus dem im Keller situierten Aufnahmestudio – und zwar nicht für die Musiker oder Tontechniker, sondern für die angestellte Putzkraft. Wir realisierten diesen Fluchtweg und gruben in knapp 20 m Tiefe einen Gang ab (Kostenpunkt damals 1999 eine geschätzte halbe Mio. ATS), um diese Forderung zu erfüllen – mit dem Ergebnis, dass im Zuge der Kollaudierung jener Beamte, der diesen Fluchtweg verlangt hatte, diesen kurzerhand „umdrehte“, das heißt, die Putzkraft darf nun dorthin flüchten, wo auch Musiker etc. hinauslaufen. Der Fluchtweg hat seitdem keine diesbezügliche Verwendung mehr und kann auch nicht wirklich als Stauraum oder dergleichen umgewidmet werden. Hier wurde sprichwörtlich Geld komplett sinnlos vergraben. Dasselbe wird mit der Lüftung passieren, aber sie erfüllt zumindest den Zweck, dass den Bestimmungen, so realitätsfern sie auch sein mögen, entsprochen wird und damit der allgemeine Konsens als wiederhergestellt gilt. Und das wollen wir natürlich alle, oder?

In diesem Sinne – Willkommen im Club!

Hier können Sie das Februar-Programm als pdf downloaden

 

Januar 2019

Und wieder ist ein wirklich Guter viel zu früh gegangen. Der großartige Pianist, das Universalgenie Uli Scherer ist Ende November in Wien gestorben. Das P&B hat ihm viel zu verdanken, viele Ideen (die „A Tribute to ...“-Serie stammt von ihm. Sie wissen: eine jazzhistorische Einspielung, interpretiert von unterschiedlichen Kräften der austriakischen Jazzszene), viele Anregungen (Uli dachte immer grenzenlos), viele ausgezeichnete Konzerte (mit Steve Lacy etwa, im Rahmen des Festivals „Americans alone in Europe“) ... Ich persönlich habe ihm ebenfalls viel zu verdanken, eine Zeit lang waren wir quasi Nachbarn und frequentierten regelmäßig dasselbe Café „around the corner“ – bezeichnenderweise heißt das Café auch noch Wortner. Dort traf ich ihn zum Beispiel Ende der 1980er Jahre auf dem Weg zu den „Konfrontationen“ in Nickelsdorf, weil er eine Idee hatte, die für das Jazzfestival Saalfelden spannend war. „Eleven up“ war der Arbeitstitel – ein großes Vorhaben, u. a. mit Louis Sclavis und Streichquartett. Die Idee war auch tatsächlich überzeugend, umgesetzt wurde das Projekt aber freilich nicht. Das war öfter so – ein genialer Impulsgeber, Ideenspender, Katalysator ..., aber die tatsächliche Realisierung war ihm dann oft gar nicht mehr so wichtig, denn in seinem Kopf war das Projekt ja schon umgesetzt. Es gibt nicht viele Zeitgenossen, die trotz aller menschlichen Widersprüchlickeiten so profund, so klar und so messerscharf analytisch argumentieren können – nun gibt es definitiv einen weniger. So long, Uli.

Tot ist auch Roy Hargrove, ein super Trompeter, der im April noch im Club gastierte, und mit nicht einmal fünfzig das Zeitliche gesegnet hat. Einen Monat später spielte Randy „the gentle giant“ Weston, kurz danach wachte er nicht mehr auf. Wenigstens wurde er fast doppelt so alt wie der arme Roy. Jetzt soll der komische Sensenmann aber eine Pause einlegen.

Ein paar Infos zum Januar-Programm, beginnend am 31. Dezember. Da kann der Saxophonist Johannes Enders nicht spielen, weil er offenbar etwas Besseres vorhat. Substituiert wird er von niemand Geringerem als Franz Koglmann, der also tatsächlich mit Karl Ratzer das musikalische und kalendarliche Jahr abschließen wird. Eine spannende Kombination, wie ich meine, die es aber vor Urzeiten schon einmal gab. Herr Koglmann spielte nämlich einmal im Bläsersatz von C-Department, einer Rockband, der Sir Ratzer Ende der 1960er, Anfang der 70er Jahre vorstand. Also, wenn zum Beispiel dem Uli Scherer eingefallen wäre, das Ratzer & Koglmann zusammenspielen sollen, hätte ich ihn möglicherweise für leicht verrückt gehalten. Übrigens taucht der Name „Kogelmann“ (sic!) auch im Line-up der ersten Single des „Premier Orchestre d’Art de Vienne“ (später weltberühmt geworden als Vienna Art Orchestra) auf. „Jessas na!“ heißt diese Einspielung, und am Klavier spielt natürlich Herr Scherer. Koglmann und Ratzer beenden also dieses Jahr, und ich finde, dieses Projekt passt wunderbar in unsere 25. Jahresfeierlichkeiten. Aus dem Quintett wird am 1.1. übrigens ein Sextett, weil Enders zwar kommt, aber Koglmann nicht geht. Happy new ears, kann ich mir und Ihnen da nur wünschen ...!

Weil vom Tod viel die Rede war, noch etwas zum Leben: „Kick Jazz“ heißt ein Showcase-Festival, organisiert vom mica – Music Austria, das wir seit drei Jahren „hosten“. Da spielen kuratiert sechs Bands an drei Abenden und dafür werden internationale Veranstalter eingeladen, die diese Bands dann in ihre Clubs bzw. zu ihren Festivals einladen sollen. Wie im letzten Jahr auch schon hat jede Band zumindest ein ausländisches Engagement erhalten. So schaut’s aus! Willkommen im Club!

Hier können Sie das Januar-Programm als pdf downloaden

 

Dezember 2018

Alle Jahre wieder ... keine Angst, ich spreche nicht vom in Bälde hereinschneienden Christkind, sondern von der MemberCard für 2019. Eine Karte in unterschiedlichen Kategorien, die im Wesentlichen dazu dient, für alle vom P&B veranstalteten Konzerte (und das sind immer noch circa 90 % aller in unseren Räumlichkeiten stattfindenden Events) keinen weiteren Eintritt mehr berappen zu müssen. Soweit mir bekannt, gibt es so etwas in keinem Konzertbetrieb in Europa. Und obwohl überall rundherum immer alles teurer wird, bleibt der Preis der gleiche wie in den letzten Jahren. Und bedenken Sie: Sollten Sie alle Konzerte im Jahr besuchen, dann würden Sie pro Konzert – gerechnet auf die Standardkarte – weniger als einen Euro zahlen!

Diese Karte gibt es nun fast schon so lange wie den Jazzclub bzw. ohne diese Karte würde es den Jazzclub mit ziemlicher Sicherheit nicht so lange geben. Eine Win-win-Situation für alle daher, für die einen (also Sie), weil Sie den gemeinnützigen Verein und damit die Jazzszene unterstützen und dafür etwas bekommen, was offensichtlich gefällt, und für die anderen (also uns), weil uns monetäre Mittel zur Verfügung gestellt werden, um eben dieses Programm und diese Musiker auch zu finanzieren. Also – sollten Sie noch ein Weihnachtsgeschenk brauchen – voilà!

Diese Karte kann aber auch noch andere Sachen, wie zum Beispiel in anderen befreundeten Jazzclubs ebenfalls gültig sein, oder aber sie ermöglicht einen ermäßigten CD-Kauf. Ganz konkret geht es um eine 21-CD-Box, die in wenigen Wochen erscheinen wird und die zum Anlass des fünfzigjährigen Bestehens des legendären Art Ensemble of Chicago von ECM veröffentlicht wird – mit einem 300 Seiten starken Booklet (wenn man bei diesem Umfang noch von so etwas sprechen kann). Diese Box gibt es für MemberCard-Inhaber zu einem noch auszuhandelnden Spezialpreis exklusiv im P&B. Außerdem kann ich schon vorankündigen, dass wir planen, dieses spektakuläre Ensemble im Oktober 2019 für ein dreitägiges Gastspiel einzuladen. Zwar noch nicht zu 100 % bestätigt, aber doch sehr wahrscheinlich. Great Black Music also und ein weiteres Argument für den Erwerb dieser Karte.

Noch ein paar Sätze zum Zorn-Schwerpunkt Anfang November, der auf mehreren Ebenen bemerkenswert war. Zum einen, weil Zorn seit Langem in keinem europäischen Jazzclub mehr gastiert und speziell für das P&B eine Ausnahme machte – was uns natürlich sehr ehrt. Zum anderen natürlich auch, weil das Ganze finanziell und organisatorisch eine wirkliche Herausforderung darstellt. Aber musikalisch war dieses viertägige Engagement ein absoluter Genuss. Wie unterschiedlich der Meister da kompositorisch ans Werk geht, war atemberaubend, und dass er nun seit fast vier Jahrzehnten nichts an Kreativität und Originalität eingebüßt hat, ist schön zu sehen/hören. Und John Zorn ließ es sich nicht nehmen, am ersten Abend auch als Instrumentalist sein „brand new quartet“ zu präsentieren, als kleines Präsent anlässlich unseres 25. Geburtstages. Vielen Dank dafür und für einen weiteren Meilenstein in unserer Clubgeschichte!

Hier können Sie das Dezember-Programm als pdf downloaden

 

November 2018

Beim Verfassen dieser Zeilen stehe ich immer noch im Banne des Konzertes des großen Martial Solal. Ungeachtet seines hohen Alters ist der schier unerschöpfliche Ideenreichtum, den der Meister in seine Interpretation von Standards einfließen lässt, zutiefst beeindruckend. Die Ideen scheinen ihm nur so aus den Fingern zu rinnen, und aufgrund seiner immer noch stupenden Technik muss er sich keine Gedanken machen, wie das Gedachte auf die Tasten zu bringen ist. Chapeau – dieser Abend war ein Highlight und geht in die P&B-Geschichte ein. Und ich war mir im Vorfeld nicht sicher, ob diese meine Entscheidung, den Pianisten zum 25. Geburtstag des P&B einzuladen, wirklich eine richtige war. Einerseits entwickelte sich der Kartenverkauf sehr zäh und mühsam, andererseits zweifelte ich, ob es tatsächlich richtig war, einen „historischen“ Musiker ins Zentrum der Feierlichkeiten zu stellen. Rückblickend bin ich sehr froh, dass wir dieses nicht kalkulierbare Risiko eingegangen sind – das Konzert hat sämtliche Bedenken vom Tisch gefegt. Herr Solal hat übrigens versichert, dass er sich alle Mühe geben wird, zum 50. Geburtstag wieder pianistisch zu gratulieren. Nachdem er die Unmöglichkeit des Vorhabens bemerkte, relativierte er auf 30, um dann festzustellen, dass eher der 26. Geburtstag noch ein realistisches Zeitziel sein könnte. Wir wünschen ihm jedenfalls alles Gute und bedanken uns für diese Lehrstunde! Und wer weiß, vielleicht gibt es tatsächlich noch ein Dacapo ...

Im Zentrum des November-Programmes steht das viertägige Gastspiel des Meister-Avantgardisten John Zorn, der sein neuestes Masada-Projekt vorstellt. „Book of Beriah“ heißt der Kompositionsreigen für unterschiedliche Ensembles (in einer wunderbaren 11-CD-Box nachhörbar), wobei sieben davon im P&B zu hören sein werden, und als Bonus noch seine Lied-Widmungen an Frau Haden. Ein logistisch und vor allem finanziell aufwändiges Projekt und etwas wirklich Einzigartiges für einen Club. Zorn tritt schon lange nicht mehr in einem derartigen Rahmen auf – eine Auszeichnung für das Porgy & Bess also. Außerdem hat mir Herr Zorn im Vorfeld versprochen, zum Geburtstag auch saxophonistisch tätig zu werden. Lassen wir uns überraschen!

Auch sonst kann sich das Programm im November sehen und vor allem hören lassen. Stars wie Randy Brecker, Bill Evans, Monty Alexander, Ron Carter, Mike Stern, Jeff „Tain“ Watts (just to name a few) geben sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand, Wien Modern ist zu Gast und feiert mit dem großartigen London Jazz Composers Orchestra einen spektakulären Abschluss des diesjährigen Festivals, und unter dem Titel „Blue Bird“ zelebriert eine feine Auswahl internationaler Singer-Songwriter ihre melancholische und oft nachdenkliche Kunst. Last, but not least präsentiert der Gründer des P&B, mathias rüegg, sein neuestes Opus – Bearbeitungen von Brahms-Liedern nämlich – gemeinsam mit der wunderbaren Lia Pale.

In diesem Sinne – Willkommen im Club!

Hier können Sie das November-Programm als pdf downloaden

 

Oktober 2018

Pauschaler Dank an dieser Stelle an all jene, die zum vierteljahrhundertlichen Bestand des Jazzclubs gratulierten – Journalisten, Gäste, Musiker, auch mir gänzlich unbekannte Zeitgenossen. Es freut natürlich schon sehr, wenn so viel Positives artikuliert wird und man einfach bemerkt, dass den Leuten das Wohl und/oder Wehe des Porgy & Bess doch nicht ganz „powidl“ ist. So wie sich die finanzielle Situation augenblicklich darstellt, also wenn der Zuspruch des Publikums – bzw. damit eng verknüpft, dessen Bereitschaft, Member- und Konzertkarten käuflich zu erwerben –, nicht wesentlich nachlässt, dann können wir recht optimistisch in die Zukunft blicken. Und das, obwohl ursprünglich die Kulturabteilung der damaligen Stadträtin Ursula Pasterk die erste Subvention nur deshalb gewährt hatte, weil ihr damaliger Berater davon ausgegangen war, dass sich nach einem Jahr sowieso niemand mehr für unser Unterfangen interessieren würde, das Projekt also aus Gründen der Erfolglosigkeit eingestellt werden könne und die Stadt dann keinen weiteren Unterstützungsgrund mehr gehabt hätte. Da hat man sich zum Glück etwas getäuscht. Trotzdem darf an dieser Stelle schon auch Dank an die öffentliche Hand ausgesprochen werden, sprich an beide Subventionsgeber, nämlich Stadt Wien und Bundeskanzleramt. Hätten die 1993 abgewinkt, wäre die Erfolgsgeschichte schon aus gewesen, bevor sie begonnen hat. Dabei begann das alles als eine Art Pingpong-Spiel mit uns als Zuschauern. Beide Körperschaften sagten die Unterstützung nur dann zu, wenn der jeweils andere die ihre bestätigt. Soweit ich mich erinnern kann, war es die Stadt, die sich als erste dazu durchrang, eben aufgrund der eingangs angedeuteten Überlegung. Dank an mathias rüegg, der durch die Realisierung des sogenannten Jazzherbstes 1993 die Initialzündung für die Etablierung eines täglich bespielten Jazzclubs gab und natürlich auch an Gabriele Mazic, die von Anfang an – also auch schon beim Jazzherbst – für die finanzielle Abwicklung im Vorstand verantwortlich zeichnete und dies heute noch tut. Ohne deren Vorarbeiten wäre wohl nix aus meinem Traumjob geworden.

Weil wir gerade den Rechnungsabschluss des vergangenen Jahres vorbereiten, hier ein paar Zahlen: Summa summarum besuchten 2017 über 75.500 Personen die einzelnen Veranstaltungen im P&B. Der „Hauptraum“ wurde an 332 Tagen mit insgesamt 358 öffentlich zugänglichen Produktionen bespielt, dazu kamen 90 Konzerte in der Strengen Kammer und 5 Vernissagen in unserem Ausstellungsraum, der Public Domain, sowie 18 Kindertheater-Aufführungen. Beeindruckende Hard Facts, finde ich. Übrigens sind unsere Eintrittseinnahmen deutlich höher als die bis dato geheim gehaltenen des einstmaligen Aushängeschildes der wienerischen Kulturszene, der Wiener Festwochen – und das trotz des Bemühens darum, die Preise so moderat und fürs Publikum leistbar zu halten wie möglich. Allein subventionstechnisch hinken wir da weit abgeschlagen nach ...

Ich darf einen an-, auf- und sonstwie regenden musikalischen Oktober wünschen bzw. frei nach Uli Scherer – OK, but who is TOBER? Willkommen im Club!

Hier können Sie das Oktober-Programm als pdf downloaden

 

September 2018

Wie Ihnen wahrscheinlich nicht entgangen sein dürfte, begeht das Porgy & Bess im September sein/ihr vierteljahrhundertliches Bestehen. Nun haben wir in der Vergangenheit zu vergleichbaren Anlässen zumeist Schwerpunkte realisiert, wie zum Beispiel beim letzten „Runden“ die Riemergasse gesperrt und ein Street Jazz Festival organisiert. Den 25er begehen wir über die gesamte Saison mit einzelnen speziellen Projekten, wie zum Beispiel im November an vier Abenden mit dem „Masada Book Nr. 3“ des großartigen John Zorn. Zum exakten Tag haben wir uns was ganz Besonderes einfallen lassen: Wir laden den Grandseigneur der europäischen Jazzszene zu einem seiner raren Auftritte in den Club. Martial Solal, 1927 geboren, wird unseren Fazioli solistisch beflügeln und dem P&B musikalisch zum Geburtstag gratulieren. Wir freuen uns sehr auf das späte P&B-Debut des legendären Pianisten. Bienvenue!

Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Monat ist das Portrait des unermüdlichen Ewald Oberleitner, der seit den 1960er Jahren die heimische Jazzszene nachhaltig geprägt hat (und das immer noch tut). Zu erleben sein wird er mit dem Karlheinz Miklin Trio, das nun auch schon seit unglaublichen vier Jahrzehnten existiert, mit dem slowenischen Akkordeonisten Jure Tori, mit der Formation D.I.V.A. (es gibt einen Grund, wieso die sich so nennen) und natürlich mit den legendären Neighbours um Dieter Glawischnig, die sich mit einigen Freunden erweitern werden. Willkommen im Club, lieber Ewald!

Überhaupt beginnt diese Saison schon in der letzten Augustwoche, also direkt anschließend an das Jazzfestival Saalfelden, unter anderem mit der fantastischen Trompeterin Jaimie Branch, die Sie sich, wenn Sie sie im Pinzgau gehört haben, mit Sicherheit im Club nicht entgehen lassen werden. Den Auftakt, wenn man ihn so bezeichnen will (es gibt ja schon Konzerte auch Tage davor), macht der Free-Jazz-Veteran Fritz Novotny, der den amerikanischen Multiinstrumentalisten Milo Fine einlädt, gemeinsam mit Paul Fields des großen Cecil Taylor zu gedenken und danach mit reformARTseven im Kollektiv zu improvisieren. 

Ein finales Wort zu unserer (vormals) berühmt-berüchtigten Klimaanlage, die nun nach mehrjährigem Anlauf tatsächlich getauscht wurde und seit der spektakulären Installation mittels Kran (und großer nachbarlichen Anteilnahme) auch tadellos funktioniert. Wenn wir so agieren würden wie alle an diesem Projekt beteiligten Firmen – ein italienischer Produzent, ein deutscher Vertrieb, ein österreichischer Generalplaner inklusive diverser Subfirmen – dann würde unser Monatsprogramm mit Sicherheit ganz anders ausschauen … und ganz sicherlich nicht besser! Aber nun scheint dieses Problem – zumindest in näherer Zukunft, also mittelfristig – gelöst, das heißt, es ist kühl, wenn’s draußen heiß ist! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein spannendes Septemberprogramm und uns eine erfolgreiche Jubiläumssaison – egal, was das Klima so alles an Überraschungen zu bieten hat. Bleiben Sie uns gewogen ...

Hier können Sie das September-Programm als pdf downloaden

 

Juli/August 2018

Voilà, wie Sie sehen, wird die Sommerpause immer kürzer, das Programm immer dichter und damit die Urlaubszeit der Mitarbeiter immer knapper bzw., nachdem das ja arbeitsrechtlich geregelt ist, bräuchten wir eigentlich im Juli und August ein eigenes Sommerteam. Der Grund, warum wir uns das antun, liegt gar nicht so sehr darin, dass wir das unbedingt wollen, sondern vielmehr, weil es schlicht und einfach möglich ist, und die Argumente dafür, keine Konzerte zu machen, mich nicht überzeugen. Außerdem finde ich, dass es für eine Stadt wie Wien wohl ein Witz ist, dass alle kulturellen Institutionen im Sommer pausieren, obwohl die Stadt ziemlich voll mit Touristen ist, die kein adäquates kulturelles Angebot vorfinden. Ich habe auch vor zwei Jahren eine offizielle Anfrage an WienTourismus gestellt, ob sie uns da nicht monetär unterstützen würden – das freundlich abgelehnt wurde. Trotzdem bleiben wir dabei: Solange Bands zu leistbaren Konditionen spielen wollen, unterstützen wir das. Im Juli sowieso und im August immer wieder! An den spielfreien Tagen muss dann exakt geplant und koordiniert werden, weil der Teppich gereinigt gehört (da braucht es ein paar aufeinanderfolgende Tage) und diverse Instandsetzungsarbeiten und Renovierungen vorgenommen werden müssen. Die nächste Saison beginnt dann nicht wie üblich Anfang September, sondern bereits am 27. August. Die noch fehlenden Konzerte in dieser Woche werden dann im Septemberfolder bzw. zeitnah auf www.porgy.at veröffentlicht.

 

Exakt am 26. September 1993 eröffnete Sir Karl Ratzer das P&B in der Spiegelgasse, das heißt, wir feiern dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum. Für mich persönlich bedeutet das, dass ich exakt die Hälfte meines bisherigen Lebens mit diesem Projekt verbracht habe. Im Gegensatz zu den letzten Jubiläen, wie 2013 dem Street-Jazz-Festival oder 2003 einer mehrtägigen, vom anfänglichen Programm-Triumvirat mathias rüegg (der mit seinem Verein VAO im Herbst ’93 den Jazzherbst organisierte, eben in der ehemaligen Fledermaus-Bar, die er kurzerhand in Porgy & Bess umbenannte), Renald Deppe (der dann im Verlauf dieses Herbstes zum Projekt stieß) und meiner Wenigkeit kuratierten Konzertserie, gibt es diesmal kein klar definiertes Festival, aber dafür immer wieder spezielle Schwerpunkte, wie etwa die viertägige Präsentation des Masada-Songbooks Nr. 4 von John Zorn mit insgesamt acht spannenden Bands im November. Dieses 25-Jahre-Sujet wird also in der gesamten Saison hinweg immer wieder mit ganz speziellen Konzerten „aufblitzen“.

Bis dahin darf ich einen schönen Sommer wünschen – und viel Vergnügen mit den Juli/August-Konzerten. Willkommen im Club! CH

Hier können Sie das Sommer-Programm als pdf downloaden

 

Juni 2018

An dieser Stelle sei auf eine Initiative hingewiesen, die von Daniel Riegler initiiert wurde und bereits für einige Bewegung in der kommunalen Kulturpolitik gesorgt hat. Informationen dazu finden Sie unter http://mitderstadtreden.at, und Sie können sich da auch engagieren, wenn Sie (wie wir) der Meinung sind, dass gerade die sogenannte „freie“ Musikszene in dieser Stadt doch arg benachteiligt wird und das, obwohl das Kreativpotenzial dieser Szene jedem internationalen Vergleich standhält. Es geht dabei nicht um das „übliche Gesudere“ (© A. Gusenbauer), sondern um die Entwicklung eines Masterplans für die Musikstadt Wien, der klargemacht werden muss, welch ungehobenen Schatz diese Szene für die Politik und für diese Stadt darstellt: Einen Schatz, von dessen bloßer Existenz die kulturpolitisch verantwortlichen Personen teilweise keine Ahnung haben. Es geht dabei auch um ein selbstverständliches Auftreten und das selbstverständliche Einfordern von finanziellen Strukturen, die in anderen Bereichen gar nicht erst hinterfragt werden. Oder, wie es der Musiker und Kopf der Musikergilde, Peter Paul Skrepek, formuliert: „Kunst gehört nicht subventioniert, sondern finanziert, so wie man eine Autobahn finanziert und nicht subventioniert!“ Wo er recht hat, hat er recht – und dieses Recht gehört selbstverständlich umgesetzt, aus, basta! Der Initiator, bei dem ich mich an dieser Stelle auch ausdrücklich für sein Engagement bedanken möchte, lädt übrigens im Juni in seiner „Zweitfunktion“ als Komponist und Posaunist zu einem „Experimental Music Festival“ mit dem Titel „More Creatures & Other New Stuff“ in die Strenge Kammer und mit „Big Studio Dan“ als Abschluss am 12. Juli auf die Mainstage. Not to be missed!

Ein entscheidender Nachteil dieser „Nachrichten aus dem Inneren“ ist die Zeitspanne zwischen dem Schreiben und der tatsächlichen Veröffentlichung, die mitunter über drei Wochen betragen kann. Schrieb ich im letzten Editorial über einen energetischen Ring um die Kulturabteilung des Rathauses, um negative Vibrationen nicht nach außen dringen zu lassen und bevor der Folder mit diesen Zeilen dann im Postkastl landete, war der Chef dieser Abteilung auch schon Geschichte. Auch wenn man seine Arbeit kontroversiell betrachten kann – das P&B in der Riemergasse wäre ohne seinen Einsatz (damals als Ministerialrat im Bundeskanzleramt) wohl nicht möglich gewesen. Sein kurzfristiger Vorgesetzter (erinnert sich noch wer an Franz Morak?) tat jedenfalls alles (und das meine ich ausdrücklich nicht sprichwörtlich!), um dieses Projekt zu verhindern. Für diese Weitsichtigkeit sei Mailath-Pokorny gedankt – auch wenn er bis vor Kurzem nicht wusste, was die Strenge Kammer ist. Jetzt hat er vielleicht Zeit und Muße, es herauszufinden (auch wenn uns das kulturpolitisch nicht mehr wirklich helfen wird).

„For Alto“ hieß 1968 die Debüt-Einspielung des großen Anthony Braxton – Solo für Altsaxophon natürlich, und das als Doppel-LP ... was für ein Statement! Es ergab sich, dass der nicht ganz uneitle Schreiber dieser Zeilen just am Tag des Auftritts des Meisters genauso alt wird wie das Braxton’sche Masterpiece. Willkommen im Club!

Hier können Sie das Juni-Programm als pdf downloaden

 

Mai 2018

Wow! Das letzte Editorial löste viele Reaktionen aus – ausschließlich positive, nebenbei bemerkt. Als nicht gänzlich von Eitelkeit Befreiten freut mich das, und auch, dass diese Meldungen aus dem Inneren auch tatsächlich gelesen werden. Danke dafür!

Eine interessante Anregung in diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Ein Leser schlug vor, die Kulturabteilung möge doch einen Energetiker engagieren, der einen Ring um das Rathaus verlegt, damit keine wie auch immer gearteten Vibes nach außen dringen. Übrigens liegt das kolportierte Gehalt des selbsternannten Schwingungsfachmanns nur knapp unter der Subvention, die die Stadt dem P&B für den Jahresbetrieb zugesteht. 2017 waren das exakt 469 Veranstaltungen an insgesamt 336 Tagen!

Das P&B braucht auch aus einem ganz anderen Grund keinen Esoterikexperten. Wir sitzen so tief im Keller, dass selbst Radiowellen kaum einen Weg in und aus dem Raum finden. Das heißt, wir sind schon aus rein baulichen Gründen nicht anfällig für derartigen Firlefanz. Sind Sie also einmal trüb bei Laune, besuchen Sie den Jazzclub, und Sie werden mit einem Lächeln nach Hause gehen. Versprochen – zumeist!

Anfällig sind wir für gute Konzerte und großartige Musiker. So gab es eine Anfrage in sprichwörtlich letzter Minute, ob wir nicht das Duo Randy Weston und Billy Harper machen wollten. Was heißt da wollen – wir müssen! Und das trotz des Faktums, dass für diesen Abend schon der wunderbare Pianist Giovanni Guidi engagiert wurde und dieses Engagement nicht verschiebbar ist. Nun gibt’s ein Doppelkonzert unter dem naheliegenden Titel „The Art of Jazz Piano“. Weston feiert heuer übrigens seinen 92. Geburtstag und ist immer noch in bester physischer und psychischer Verfassung. Das letzte Mal, als der Hüne im P&B gastierte, war ihm das Kingsize Bed im Hotel zu klein und wir mussten am Fußende ein Zusatzbett quer dazustellen, damit der Meister auch ausgestreckt schlafen kann. Lassen Sie sich diesen Abend nicht entgehen!

Zu etwas ganz anderem: Als aufmerksamer Leser (geschlechtsneutral) dieser Nachrichten aus dem Inneren wissen Sie sicherlich über unsere äußerst umweltschonende Kälteanlage Bescheid, die deshalb so schonend ist, weil sie in der Vergangenheit den Club im Sommer nur äußerst ineffizient gekühlt hat. Nun haben wir diese Anlage über Jahre gewartet, instand gesetzt und ihr gut zugeredet. (Vielleicht hätten wir da einen Energetikexperten gebraucht? Diese Maschinen befinden sich nicht im Keller, sondern am Dach des Hauses.) Jedenfalls haben wir uns entschlossen, nicht mehr an das alte System zu glauben, sondern etwas gänzlich Neues zu entwickeln. Etwas, dass keinen allzu großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt, aber die Luft im Club kühlt, wenn es draußen heiß ist. Zweieinhalb Kostenvoranschläge liegen vor, die neue Anlage wird in etwa so viel kosten wie der Ringverleger des KH-Nord (damit schließt sich der Kreis – was für eine Metapher!), und ab Mai soll das leidige Thema „Cooler Club, aber im Sommer oft eine Sauna“ endgültig Geschichte sein. Und wenn Sie auf unserer Homepage die bereits fixierten Sommertermine begutachten, werden Sie auch wissen, wieso die Lösung dieser Klima-Problematik keinen Aufschub mehr erlaubt! In diesem Sinne: „Let’s cool one“! Willkommen im Club!

Hier können Sie das Mai-Programm als pdf downloaden

 

April 2018

Erstaunliches passiert augenblicklich in der Kulturwelt. Da veröffentlicht ein Blogger in Tirol Vorwürfe, die ihm angeblich zugetragen wurden, und fährt mit schweren Geschützen gegen den Leiter eines Kulturbetriebes auf. Ich kenne den inkriminierten Kollegen nicht persönlich, weiß auch nicht, was derjenige eventuell angestellt hat bzw. wie er seinen Betrieb führt – was ich aber weiß, ist, dass die Vorwürfe vollkommen anonym in den Raum gestellt wurden und dass es, wie sich jetzt gerade herausstellt, die Person, von der besagter Blogger seine Informationen bezogen haben will, möglicherweise gar nicht gibt. Es existiert zwar eine einstweilige Verfügung, d. h. der Blogger darf das Behauptete nicht mehr wiederholen, aber angepatzt ist der beschuldigte Kollege allemal, und diesen Schmutz bekommt er, egal wie das Ganze ausgeht, auch nicht mehr weg, und dass trotz (angeblich) geltender Unschuldsvermutung. Nicht ganz so heftig, aber trotzdem sind wir augenblicklich auch mit einer Anschuldigung konfrontiert, die offensichtlich ebenfalls anonym bei der Kulturabteilung der Stadt Wien eingebracht wurde: Der Magistrat fordert uns jetzt auf, dazu Stellung zu beziehen. Konkret geht es um den Vorwurf, dass der gemeinnützige Verein P&B Subventionsmittel zweckwidrig zum Betrieb der (verpachteten) Gastronomie verwenden würde bzw. wurde nachgefragt, ob der Gastronom eine Gewerbeberechtigung besitzt, über eine Registrierkasse verfügt bzw. die Hygienebestimmungen einhält. Gleich vorweg: Wir haben genau aus diesem Grund seit mehr als zwei Jahrzehnten die Gastronomie ausgelagert, d. h. die diesbezüglich engagierte Firma bezahlt Miete, und das gar nicht so wenig! Ohne diese Einnahmen wäre der Betrieb des P&B mit der augenblicklichen städtischen Subventionierung (weniger als 7 % des Gesamtbudgets!) jedenfalls nicht aufrechtzuerhalten. Selbstverständlich verfügt der Gastronom über alle juristischen und finanztechnischen Befugnisse, und eine Nachschau des Marktamtes ergab keinerlei hygienerelevante Beanstandungen. Aber Hauptsache, wir sind damit beschäftigt, Fragen über einen Vertragspartner beantworten zu müssen, die wir gar nicht beantworten können dürfen. (Ich glaube, dass nennt man Betriebsspionage). Hier wird offenbar auf Teufel komm raus vernadert, ohne dass derjenige, der solche Gerüchte in den Raum stellt, mit irgendeiner Konsequenz zu rechnen hat.

Weitergedacht müssten wir dann zukünftig z. B. das Hotel, mit dem wir kooperieren und bei dem wir besonders günstige Konditionen haben, kontrollieren, ob die ja alle Raumpfleger ordentlich angemeldet haben und die sich eh die Hände waschen, bevor sie Betten überziehen. Oder, wenn ein Musiker mit dem Taxi in sein Hotel fährt, müssen wir dann allen Ernstes überprüfen, ob der Taxler eh die korrekte Konzession besitzt? Ziemlich absurd, wie ich finde, und ein Ausdruck der augenblicklichen Facebook-Kultur, wo Shitstorms ohne Ende produziert werden und die Aufregung künstlich so hochgeschraubt wird, bis der Poster mit Schnappatmung vom Sessel kippt. Wie auch immer, jeder der erhobenen Vorwürfe erwies sich als haltlos, als „alternative facts“ wie man heute zu sagen pflegt. Nachstehendes schrieb ich der Kulturabteilung, nachdem alle Handels-, Sach-, Finanz-, Straf- und was weiß ich noch welche Registerauszüge übermittelt wurden: „(...) Aufgrund Ihres Schreibens vom 6.2.18 und der damit verbundenen Aufforderung zur Rechenschaft, ob diverse Vertragspartner des P&B möglicherweise subventionsmissbräuchlich agieren, ersuche ich Sie, auch um zukünftig investigative Recherchen meinerseits überschaubar zu halten, aber hauptsächlich, um zu wissen, was die Stadt Wien sich da genau überlegt hat bzw. wirklich wissen will, uns mitzuteilen, welche Kriterien Vertragspartner zu erfüllen haben, damit nicht irgendjemand vertragswidrige Verwendung von Subventionsmitteln in den Raum stellen kann. Das betrifft konkret Anfang Juli das Jazzfest Wien: Muss ich da nun auch überprüfen und der Stadt Wien berichten, ob der Veranstalter alle Voraussetzungen erfüllt, die es braucht, um das Jazzfest in unser Haus zu lassen? Und was soll ich dem Herrn Thom sagen, wenn die Stadt (wie in unserem Fall) da auch wissen will, wie viel er z. B. seinem Grafiker bezahlt? Noch problematischer: Anfang September richtet das Außenministerium (BMEIA) den „Intercultural Achievement Award“ aus. Welche städtischen Fragen müssen wir da beantworten? (...)“. Reagiert wurde auf dieses Schreiben selbstredend bis dato nicht ... Ich werde Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden halten. Übrigens haben wir, um auf eine ganz andere aktuelle Debatte Bezug zu nehmen, ein damals im Raum stehendes Sponsoring vonseiten jenes Glücksspielkonzerns, in dem die unglückliche Parteichefin ihr neues ebensolches finden will, abgelehnt. Nach wie vor halte ich diese Entscheidung für richtig!

In diesem Sinne – viel Vergnügen mit dem Aprilprogramm, und spielen Sie Ihr Spiel ...

Hier können Sie das April-Programm als pdf downloaden

 

März 2018

Von einer technischen Aufrüstung im Bühnenlichtbereich darf ich an dieser Stelle berichten. Schon vor Jahren haben wir ja die meisten Scheinwerfer auf LED-Technik umgerüstet. LED steht übrigens für „light-emitting diode“ also lichtemittierende Diode, viel mehr kann ich technisch dazu nicht sagen. Außer, dass diese Technologie den Vorteil hat, dass der Leuchtkörper kaum Wärme produziert und wenig Strom verbraucht. Der Nachteil ist, dass das Licht, vorsichtig formuliert, gewöhnungsbedürftig ist, weil es oft als „kalt“ bzw. „hart“ empfunden wird. Aus diesem Grunde blieben auch sechs herkömmliche Scheinwerfer hängen, damit die Musiker besser aussehen und die Fotografen auch ihre Freude haben. Diese Scheinwerfer aber, die in zwei Reihen oberhalb des Publikumsbereichs montiert sind, müssen theoretisch vor jedem Konzert so eingestellt werden, dass die Musiker im Lichtkegel stehen. Dafür benötigt der Lichttechniker eine Leiter und muss diese circa fünf Meter hinaufklettern, um den Scheinwerfer in die richtige Position zu bringen. Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, dass dies nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen dieser dafür verantwortlichen Personen zählt, weswegen das oft nur unwillig oder gar nicht gemacht wird bzw. der Musiker gebeten wird, sich doch dort hinzustellen, wo das Licht eh schon hinfällt. Auch nicht wirklich charmant. So fragte ich den Cheftechniker, Herrn Ronald Matky, der an dieser Stelle auch (wieder) einmal bedankt werden darf, ob es in der heutigen Zeit nicht andere Möglichkeiten gebe, Scheinwerfer einzustellen, ohne dass jemand in schwindelerregenden Höhen herumbalancieren muss. Die erste Reaktion auf mein Begehr war ernüchternd: Von „Hamma leicht an Geldscheißer?“ und „Des mocht oba an Lärm!“ war die Rede, bis nach einer verbalen Abkühlungsphase ein lapidares „I hob do a Idee“ kam. Die Idee war, dass Herr Matky aus im Lager herumliegenden Halterungsbügeln, irgendwelchen Motoren und einem alten Mischpult eine Konstruktion basteln könnte, die den Scheinwerfer vom Lichtmischpult aus in alle Richtungen beweglich machen kann. Gesagt, getan: Nach ein paar Tagen wurde die Anlage montiert, und sie stellte sich als funktionierend heraus. Und noch einen Zusatzeffekt gibt es: Die Lichttechniker haben plötzlich viel mehr Spaß an ihrem Job! Im Zuge dieses Einbaus wurde aber auch das gesamte Bühnenlicht auf den neuesten Stand der Technik gebracht, das heißt, wenn wir wollen, dann blitzt, blinkt, blinzelt und funkelt alles wie in einer hypermodernen Großraumdisco. Keine Angst, das wollen wir natürlich eh nicht, aber es ist trotzdem super, dass das alles prinzipiell möglich ist. Also: Nach der neuen, fantastischen Tonanlage spielt auch das Licht im P&B alle Stückerln ...

Und dass der programmatische Inhalt das alles rechtfertigt, davon soll sie das März-Programm überzeugen. Willkommen im Club!

Hier können Sie das März-Programm als pdf downloaden

 

Februar 2018

Auch wenn die Bedeutung möglicherweise nicht mehr ganz mit jener in der Vergangenheit vergleichbar ist, aber die international wohl relevanteste Fachzeitschrift für Jazz ist das US-amerikanische Downbeat, das es seit nun fast 80 Jahren gibt. Seit ein paar Jahren wird das Porgy & Bess dort immerhin als ein „Great Jazz Venue“ gelistet, ansonsten nahm das Magazin kaum Notiz von uns, wie halt ganz generell kaum Notiz von aus Europa stammenden Entwicklungen des Jazz genommen wird. Der große Hans Koller war übrigens 1953 der erste europäische Musiker, der mit einer Einspielung ein sogenanntes „five-star rating“ erhielt, also die höchste Auszeichnung, die eine Aufnahme bekommen kann – mit einer Platte („Hans Is Hip“), die ein amerikanisches Label (Discovery) veröffentlichte. Koller erhielt diese Wertung übrigens zwölf Jahre später noch ein zweites Mal, und zwar für die LP „ZO-KO-SO“ mit Attila Zoller und Martial Solal. Ansonsten taten sich europäische Musiker immer schwer, im Mutterland des Jazz überhaupt wahrgenommen zu werden. Außer natürlich, sie gingen in die USA, wie Joe Zawinul oder Dave Holland, um nur zwei zu nennen. Bis heute kommen in diesen „Polls“ (Critics & Readers) hauptsächlich amerikanische Musiker vor – ich meine, um nicht missverstanden zu werden: oft natürlich zu Recht –, aber in dieser Ausschließlichkeit ist dies wohl auch etwas chauvinistisch übertrieben. Wie auch immer: In der Februar-Ausgabe dieses Magazins gibt es einen größeren Artikel über die Wiener Jazzszene und damit auch über das Porgy & Bess (Link). Das hat zwar recht lange gedauert, aber wir wollen da nicht kleinlich sein und freuen uns einfach darüber, ebendort, wo diese Musik ursprünglich herkommt, auch für Aufmerksamkeit gesorgt zu haben. Danke unsererseits an dieser Stelle! 

Im Zentrum des Februar-Programms steht natürlich das Portrait des wunderbaren Saxophonisten Pee Wee Ellis, der dereinst dem legendären Bläsersatz von James Brown mit Maceo Parker & Fred Wesley angehörte und den sie in ganz unterschiedlichen Formationen und Ästhetiken an drei exklusiven Abenden hören können – von Duo und Trio bis zu seiner Assembly und mit einer von Markus Geiselhart zusammengestellten Big Band. Spannend!

Aus traurigem Anlass gilt es Tribut zu zollen. Der wegweisende Schlagzeuger Sunny Murray starb am 8. Dezember 2017 in Paris. Sein Freund und langjähriger Mitstreiter Fritz Novotny widmet ihm mit seinem Reform Art Orchestra das Konzert am 5. Februar, wobei er mit (s)einer Interpretation von „Love Cry“ von Albert Ayler den Abend eröffnet. Das letzte Konzert von Sunny im P&B war im Februar 2010 angekündigt (im Trio mit Juini Booth & Charles Gayle), er konnte diesen Gig aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spielen und wurde durch Roger Turner ersetzt. Bleiben also unterschiedliche Formationen um Fritz Novotny und ein super Duo-Konzert mit dem Saxophonisten Jemeel Moondoc in Erinnerung, und natürlich die beiden Abende, die er mit Cecil Taylor hätte bestreiten sollen, der aber in letzter Sekunde entschied, doch nicht den Flieger nach Wien zu besteigen. Sunny, der bereits in der Stadt war, spielte daraufhin mit Marco Eneidi und tags darauf mit einem extra zusammengestellten Kollektiv unter dem Motto „In the Spirit of C.T.“. So long, Sunny!

Ohne jetzt gewichten zu wollen, sei trotzdem noch auf das Konzert von David Murray mit dem Autor, Poeten, Schauspieler, Rapper, Sänger und Musiker Saul Williams verwiesen, deren Auftritt 2015 mir noch nachhaltig in Erinnerung geblieben ist – und mit der Zeit sind die Herrschaften wohl eher noch besser zusammengespielt ... In diesem Sinne darf ich einen musikalisch befruchtenden Faschingsmonat wünschen!

Hier können Sie das Februar-Programm als pdf downloaden

 

Januar 2018

Ist also wieder ein Jahr Geschichte, und ein neues steht in den Startlöchern. Ein statistisch fundiertes Resümee lässt sich für 2017 noch nicht ziehen, aber rein gefühlsmäßig traue ich mich zu konstatieren, dass es ein gutes Jahr war. Gut sowohl inhaltlich als auch ökonomisch. Trotz seit Jahren eingefrorener Subvention (immerhin nicht gekürzt!) und trotz diverser Sponsorenausfälle bilanziert der gemeinnützige Verein P&B durchaus ausgeglichen. Dafür hauptverantwortlich dürften wohl Sie, geschätztes Publikum, sein. Ohne Ihre schier unerschöpfliche Bereitschaft, für viele Konzerte relativ viele Tickets zu kaufen – ohne Ihre Treue, Solidarität, Ihr Vertrauen und auch Ihren Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen, wäre dieses Ergebnis nie und nimmer erzielbar. Dank dafür, und bitte weiter so!

Auf ein paar Dinge, die das Jahr 2018 betreffen, möchte ich an dieser Stelle eingehen. Im Herbst feiert das P&B sein und ihr vierteljahrhundertliches Bestehen – Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Ich selber werde im Sommer fünfzig, das heißt, ich habe die Hälfte meines Lebens mit diesem Projekt verbracht und – das traue ich mir auch zu sagen – etwas Neues werde ich wohl nicht mehr anfangen. Dieser Geburtstag (also jener des Jazzclubs) wird jetzt nicht mit einem speziellen Festival oder dergleichen begangen, sondern mit unterschiedlichen Projekten unter dem Titel „P&B 25“, wobei dieses Sujet auch von befreundeten Jazzclubs bei passenden Konzerten verwendet wird. Exakt am 26. September 1993 betrat Sir Karl Ratzer die Bühne der ehemaligen Fledermaus-Bar und, wenn ich das so pathetisch formulieren darf: Der Rest ist Geschichte. Dank an dieser Stelle natürlich an mathias rüegg, der beim Schreiben dieser Zeilen gerade seinen 65. Geburtstag mit einem Portrait im P&B zelebriert, für die Initialzündung!

Auf ein Projekt möchte ich jetzt schon hinweisen, weil das doch etwas sehr Spezielles ist. Vom 4. bis zum 6. November gastiert einer meiner „all time favorites“ mit einem dreiteiligen Zyklus mit dem Titel „The Masada Book Three – The Book Beriah“. Es geht um John Zorn, es geht um sieben Formationen, und es geht um eine Kooperation mit dem Jazzfestival in Sarajevo, das unmittelbar davor stattfindet. Vielen Dank an dieser Stelle an den dortigen Veranstalter Edin Zubcevic, ohne den dieses und auch das vergangene Gastspiel von Zorn nicht möglich gewesen wären. Darüber hinaus, und das soll auch nicht unerwähnt bleiben, gibt es auch eine ganz offizielle Serie, die wir gemeinsam mit dem NYer Club The Stone, der ja von Zorn initiiert wurde und bis heute von ihm als Mastermind betrieben wird, realisieren werden. Ab September werden unter dem Titel „The Stone presents“ Musiker aus diesem Umfeld wie Julian Lage, Mary Halvorson oder Brian Marsella mit ihren jeweiligen Formationen auftreten.

Vieles, was auch schon frühzeitig fixiert wird, stellen wir auf www.porgy.at. Es lohnt sich also, manchmal den Button „Alle anzeigen“ unter „Programm & Tickets“ anzuklicken, um auch längerfristig Konzertbesuche planen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich uns und Ihnen ein erfolgreiches und musikalisch spannendes 2018!

Hier können Sie das Januar-Programm als pdf downloaden

 

Dezember 2017

Konzertmäßig ist dieser Dezember wohl ein Rekordmonat. Bis zu vier Veranstaltungen an einem Tag wird es geben, und zwar nicht so sehr aus dem Grund, dass wir das unbedingt wollen, sondern vielmehr, weil es möglich ist und durchaus Sinn macht. So frühstückt am 3. Dezember um 12 Uhr Markus Kupferblum mit Stefan Sterzinger, um 17 Uhr geigt der große James Carter mit seinem Elektrik Outlet auf, um 19 Uhr geben die Herren Omerzell und Kranzelbinder einen ihrer bereits traditionellen Liederabende in der Strengen Kammer, und um 20.30 Uhr präsentiert Elfi Aichinger ihr neues Projekt mit edler Saitenbegleitung. Oder tags zuvor, da ist das Kindertheater Heuschreck um 14 Uhr zu Gast, um 20 Uhr tritt die ukrainische Musikerin mit dem Kürzel daKooka in der Strengen Kammer auf, um 20 Uhr präsentiert die LA Bigband mit Lorenz Raab die NÖ-Jazz-Sinfonie, und als Midnight Special fungiert Ismael Barrios mit seiner fantastischen Salsa Explosion Band. Schrieb der Journalist Christian Scheib vor bereits mehr als eineinhalb Jahrzehnten vom „Stadtmöbel Porgy & Bess“ als Musikmaschine, bestätigt dieser Monat wohl mehr als überzeugend diese Bezeichnung.

Im Zentrum des Dezember-Programms steht das dreitägige Portrait des Komponisten, Pianisten und langjährigen Leiters des legendären Vienna Art Orchestra, mathias rüegg, der ganz nebenbei 1993 auch das Porgy & Bess initiierte und etwas später den Hans Koller Preis ins Leben rief. Diese wohlverdiente Personale beleuchtet unterschiedliche Facetten seines reichen musikalischen Kosmos, und aus diesem Anlass wird auch das VAO einmalig wiedervereint, um das ausgezeichnete Programm „The Minimalism of Erik Satie“ wiederaufzuführen bzw. neu aufzunehmen. Dieses Konzert wird übrigens vom ORF aufgezeichnet und relativ zeitnah auf Ö1 ausgestrahlt. Unmittelbar nach dem rüegg’schen Portrait startet die Jazzbigband Graz ihre Trilogie und präsentiert ebenfalls an drei Abenden ihre Erfolgsprogramme mit Gästen wie Nguyên Lê oder Theo Bleckmann.

Etliches gewohnt Bewährtes gibt’s im Dezember, beginnend mit dem musikalischen Adventkalender des umtriebigen Friedl Preisl, der sein 1. Fenster am 1. des Monats im 1. Bezirk aufmacht, über das traditionelle Gastspiel des großartigen Ernst Molden mit seinem Frauenorchester bis zum Geburtstags-Konzert des Querdenkers Karl Ritter, das er am Vortag des sogenannten Heiligen Abends mit vielen Freunden zelebriert. Das unverwüstliche Schlippenbach Trio macht dieses Jahr auf seiner traditionellen Winterreise wieder einmal Halt in Wien, die ebenso als unverwüstlich zu bezeichnende Formation Ostinato liefert weihnachtlich Funkiges, und ein Denkmal der austriakischen Rock/Pop-Szene, der ebenfalls unverwüstliche Wickerl Adam, zollt dem unsterblichen Enfant terrible Franz Zappa Tribut, ebenso wie Harri Stojka seinem (Vor-)Namensgeber Harrison. Neu ist die Kapelle am 24. Dezember, da übernimmt die Sängerin Marina Zettl mit ihren Cats das Zepter von Slavko Ninic, der mit seinen Tschuschen Weihnachten woanders feiert. Für das Jahresende und den Beginn des neuen ist wie die Jahre davor Sir Karl Ratzer zuständig, der seine brandneue und höchst erfreuliche CD „Tears“ vorstellen wird.

Und falls Sie zufällig noch auf der Suche nach einem originellen Weihnachtsgeschenk sein sollten: Es gibt auch für 2018 wieder sogenannte MemberCards, mit denen Sie zu allen P&B-Veranstaltungen kommen können, ohne weiteren Eintritt bezahlen zu müssen und die in der allgemeinen Kategorie auch übertragbar sind. Informationen finden Sie unter www.porgy.at bzw. erhalten Sie telefonisch unter 01/512 88 11.

Happy New Ears bleibt mir zu wünschen – und bleiben Sie uns auch 2018 gewogen! 

Hier können Sie das Dezember-Programm als pdf downloaden

 

November 2017

Ein paar Nachrichten aus dem Inneren – keine Angst, es geht diesmal nicht um das Thema Kulinarik. In diesem Zusammenhang wurde ich nämlich freundschaftlich, aber bestimmt darauf aufmerksam gemacht, dass es sich dabei wohl eher um mein Problem handle, dass ich gefälligst als Chef des Etablissements zu lösen hätte, ohne die Öffentlichkeit damit zu belästigen. Das mag wohl stimmen, aber das Thema hat mich halt beschäftigt, und über etwas anderes zu schreiben, ist mir damals schlicht und einfach nicht eingefallen. Zum Glück gibt es jetzt eine Sache, über die zu schreiben sich lohnt, obwohl es praktisch jeder, der den Club besucht, mit eigenen Ohren hören kann. Wir haben ein neues PA-System (PA steht für Public Address), also um es einfach zu sagen, neue Boxen, die im Prinzip dazu dienen, dass Sie das, was auf der Bühne musikalisch fabriziert wird, auch gut im Raum hören können. Nun hatten wir vorher natürlich auch schon ein ganz ausgezeichnetes Equipment, aber die Technik entwickelt sich unaufhaltsam weiter, und selbstverständlich wollen wir auch bei der Technik wie in allen anderen Bereichen, up to date sein. Ende September wurde ein neues LINA-System eingebaut, mit vierzehn LINA (Line Array), vier 750LFC (Subbässe), zwei UPA1P (Downfills) und acht UM1P (Monitore), um ganz exakt zu sein. Und diese Anlage klingt fantastisch – und zwar ganz egal, ob Sie auf der Galerie oder im Souterrain sitzen. Was auch noch erwähnt werden muss: Diese Anlage in unserem Club ist die einzige in ganz Europa! Bestes Material also für die beste Adresse. Vielen Dank an Meyer Sound, die diese Anlage entwickelt und gebaut haben, an die Firma ATEC, die das Equipment in Österreich vertreibt, an Vienna Sound Vienna Light und Gerhard Gutscher, von denen das P&B seit Anbeginn technisch betreut wird, und natürlich an unseren Chef-Soundmann Ronny Matky, der immer dafür sorgt, dass das P&B gut klingt.

Weil wir gerade beim Bedanken sind: Ein ebensolcher Dank gilt der Firma Paiste, die uns einen kompletten Beckensatz für unser Schlagzeug zur Verfügung gestellt hat, was bei Drummern sehr geschätzt wird. Und bei Thomastik-Infeld, die uns zwar als Sponsor ab 2018 leider verloren gehen, von denen wir aber immer noch als Dauerleihgabe einen Kontrabass zur Verfügung gestellt bekommen, der dereinst im Besitz des ungarischen Meisterbassisten Aladár Pege war und der seit 2001 unsere „Backline“ wesentlich ergänzt. Der große Ron Carter wird ihn übrigens im November zum wiederholten Male bedienen.

Auf ein paar inhaltliche Erweiterungen soll an dieser Stelle aufmerksam gemacht werden: Der umtriebige Theatermann, Autor, Clown, kurz: das Gesamtkunstwerk Markus Kupferblum frühstückt einmal im Monat an einem Sonntag zu Mittag im P&B, lädt dazu unterhaltsame Zeitgenossen ein und räsoniert mit dem Gast über Aktuelles und Vergessenes, Zukünftiges und Utopisches. Im September war dies der Schriftsteller Doron Rabinovici, am 26. November wird es der Tänzer und Choreograph Sebastian Prantl sein. Der Pilot war vielversprechend und kurzweilig, so wird’s auch weitergehen – im P&B lässt es sich also auch spannend frühstücken (sorry, doch wieder was Gastronomisches). Und um die „Aufführungsnot“ zu lindern, gibt’s zukünftig am Sonntag auch immer wieder Konzerte bereits um 17 Uhr. Oliver Lake machte im Februar 2016 den Anfang, sehr erfolgreich übrigens! Christian Muthspiel präsentiert sein Duo mit Steve Swallow am 5. November um diese Zeit, und im Dezember gastiert James Carter (am 3.) und ein Afro-American Gospel Choir am 17.

Viel Programm also... Ich wünsche einen vergnüglichen November

Hier können Sie das November-Programm als pdf downloaden

 

Oktober 2017

Habemus Catering! Quasi in letzter Sekunde ist es uns also doch noch gelungen, ein cooles neues Gastro-Team zu gewinnen, dass sich trotz des ganzen (ver)staatlich(t)en Überregulierungswahns überzeugen ließ, dass es nicht nur lustig ist, im P&B zu arbeiten, sondern sich damit auch etwas Geld verdienen lässt. Ein Willkommen den Kolleginnen um Gerhard Hattinger, die uns hoffentlich noch lange (nicht nur) kulinarisch erfreuen sollen und nochmals Dank an das Team von Ludwig & Adele für die feine Zusammenarbeit!

Sie wundern sich vielleicht, wie es zu der Situation kommen kann, dass ein doch recht arrivierter Jazzclub Schwierigkeiten hat, jemanden zu finden, der Speis und Trank ausgibt. Auch wenn nicht – lassen Sie mich das trotzdem kurz aus meiner subjektiven Sicht erklären. Ich wurde vom Chef von L&A im März des Jahres (Sie kennen ja die diesbezüglichen Iden!) in Kenntnis gesetzt, dass er aufgrund der Erfüllung sämtlicher rechtsstaatlicher Anforderungen, finanzprokurativer Auflagen, magistratsspezifischer Erfordernisse, kollektivvertraglicher Verpflichtungen, gesellschaftspolitischer Erwartungshaltungen und was weiß ich noch was alles, bemerkte, dass knapp 50 Prozent des Umsatzes in die Abdeckung von Personalkosten fließen würden. Nun muss man kein studierter Ökonom sein, um zu erahnen, dass sich das wirtschaftlich sinnvoll mittelfristig eher nicht ausgehen kann. Ich nahm die Ankündigung der Aufkündigung zwar bedauernd, aber doch zur Kenntnis – und schob das Thema, nicht daran glauben wollend, vor mir her, bis ich Ende der Saison bemerkte, dass es nun wohl an der Zeit sei, mich um die ganz klar auf uns zukommende Problematik zu kümmern, nachdem mir wider Erwarten niemand „zuflog“, die/der nur darauf wartete, die P&B-Bar zu betreiben. Am 1. August schrieb ich also einen Newsletter an unseren E-Mail-Verteiler, u. a. mit der Bitte: „... Wenn Sie, wertes Publikum, uns jemanden empfehlen können, von dem Sie zukünftig gerne im Jazzclub kulinarisch betreut werden wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.“ Das war, wie sich zeigen sollte, etwas unklar formuliert, denn eigentlich wollte ich fragen, ob jemand wen kennt, der gerne die P&B-Gastro übernehmen würde. So kamen sehr viele Rückmeldungen der P&B-Community (ausdrücklichen Dank dafür!), die uns ihr Lieblingslokal empfahlen und meinten, wir sollten da einfach nachfragen ... und mit lieben Grüßen von XY. Nachdem ich ja verantwortlich für meine Wortwahl bin, habe ich das natürlich gemacht und überall eine Mail hingeschickt, mit der Frage, ob sie das machen wollten, mit dem Hinweis, dass sie uns empfohlen worden seien. Als ich dann unsere Wunsch-Rahmenbedingungen zusandte, erlosch bei den meisten das Interesse, weil viele offenbar davon ausgingen, dass wir sie bezahlen würden, damit sie ausschenken. Jedenfalls nahm das Ganze eine recht erstaunliche Dynamik an, die mich meinen Urlaub kostete, weil ich den gesamten August diesem Thema widmete und viele Sondierungsgespräche führte, bis zum Schluss vier Teams in die engste Auswahl kamen. Meine allerletzte Deadline war Freitag, der 25. August, 10 Uhr, also weniger als eine Woche, bevor das P&B wieder aufsperrte. Tags davor gab es die letzten Besprechungen, und dann hatte ich die Qual der Wahl – auch weil sich herausstellte, dass ich mir vorstellen konnte, mit allen vier „Kandidaten“ gut zusammenarbeiten zu können. Dank an dieser Stelle natürlich an die von mir abgelehnten Teams, aber das ist die wohl undankbarste Aufgabe, wenn man eine Auswahl treffen muss. Die Entscheidung wurde schlussendlich vom Vorstand getätigt, nach Abwägen aller Argumente. Ich muss sagen, dass ich im Vorfeld bereits derart konsterniert war, dass ich mir schon überlegt habe, die Bar abzureißen und durch Logen zu ersetzen und aufgrund der Tatsache, dass sich kaum noch jemand Personal leisten kann, weil der Faktor Arbeit hierzulande viel zu hoch besteuert ist, Getränkeautomaten aufstellen zu lassen. Das wäre wohl etwas wirklich Neues, oder?

Froh bin ich, dass diese „Revolution“ nun wohl für längere Zeit abgeblasen zu sein scheint. Wenn Sie das auch so sehen, konsumieren Sie bitte ab und zu vielleicht ein weiteres Gläschen oder laden Sie jemand auf den einen oder anderen Drink ein, damit wir nicht mehr auf „automatische“ Ideen kommen müssen. Sie tun damit sich und uns und der Gastro Gutes!

Etwas Amüsantes zum Schluss: Vielleicht können Sie sich noch an die Inserate der Stadt Wien in unserem Folder im vergangenen Jahr erinnern? Es handelte sich damals um einen Kompromissvorschlag des Herrn Stadtrates, der unsere Betriebssubvention partout nicht erhöhen wollte, aber aus seinem Werbebudget etwas Geld freimachen konnte. Bei einer Besprechung stellte er eine Prolongierung dieser Unterstützung in Aussicht, aber auf Nachfrage meinerseits wurde mir von der zuständigen Referentin mitgeteilt, dass sie derzeit keine Inhalte hätten, die sie im Folder kundtun könnten. In Anbetracht der Flut an städtischen Inseraten in diversen Krawallblättern ehrt mich diese Ablehnung sogar!

In diesem Sinne, cheers!

Hier können Sie das Oktober-Programm als pdf downloaden

 

September 2017

Rein gefühlsmäßig und bar jeder Statistik war die vergangene Saison eine wirklich gute – beginnend mit einem zweitägigen Song-Zyklus des großen austriakischen Komponisten Michael Mantler, über das sensationelle Gastspiel von John Zorn im November mit ungefähr zweieinhalb Dutzend Musikern (Bagatelles-Marathon!), den Auftritt der Minimal-Music-Legende Terry Riley oder das Solo-Recital der Extrem-Performerin Diamanda Galás bis hin zu den Juli-Konzerten von Enrico Rava, Tomasz Stanko, Charles Lloyd und Stanley Clarke – um nur die bekanntesten Namen zu nennen. Inhaltlich vielfältig und qualitativ zumeist hochwertig waren die Konzerte der 24. Saison, wie ich natürlich höchst subjektiv konstatieren darf. Auch in Hinblick auf Publikumszuspruch kann kaum etwas bemängelt werden. Gute Voraussetzungen also für das Jubiläumsjahr 2018?

Im Prinzip schon, wenn da nicht das eine oder andere Damokles-Schwert über unseren Köpfen schweben würde. Seit fast drei Jahren haben wir keinen Hauptsponsor mehr. Bis dato konnten wir das ganz gut kompensieren, weil Musiker mitunter auch für eine geringere Gage spielen (ein Witz eigentlich in einem Bereich, wo es sowieso ganz wenig Geld gibt) und Besucher durchaus bereit sind, einen höheren Eintrittspreis zu berappen. Irgendwann sind aber da wie dort Grenzen erreicht, über die es dann nicht mehr drübergeht. Ich bin der Meinung, dass wir diesbezüglich den Plafond erreicht haben und sowohl einnahmen- als auch ausgabenseitig alles optimiert haben. Wie auch immer – es ist jetzt grad nicht gerade Feuer am P&B-Dach, aber bei absehbaren Investitionen, Reparaturen, Instandsetzungen und dergleichen kann es dann schon etwas brenzlig werden (sie wissen wahrscheinlich, was Fachkräfte kosten).

Und erst recht, wenn sich Teile des Publikums die Tickets nicht mehr leisten können. Und da sind wir schon mitten in der Diskussion, die gerade im Zusammenhang mit den öffentlich unterstützten Gratis-Kultur-Events aufkommt. Einerseits argumentiert die Stadtpolitik, dass damit Interesse geschaffen wird, das die Menschen erst in die Konzerthäuser und Clubs dieser Stadt strömen lässt, andererseits zeigen Erfahrungen, die andernorts gemacht wurden, das genaue Gegenteil. In Graz beispielsweise brachte der sogenannte Jazzsommer die gesamte Clublandschaft in gröbere Schwierigkeiten, von denen sie sich Jahre nach dem letzten „Seitenblicke-Bussibussi-samma alle leiwaund“-Event erst langsam zu erholen beginnt. Ich möchte mich jetzt nicht generell gegen diese Brot & Spiele-Politik aussprechen, bin aber schon der Überzeugung, dass man, wenn man sich schon fürs Nix Kosten entscheidet, jene Kulturanbieter, die Eintrittskarten verkaufen müssen, um ein inhaltlich hochwertiges Programm übers gesamte Jahr anbieten zu können, entweder einbinden sollte, oder diese zumindest in irgendeiner Form unterstützt werden müssten. Übrigens sah und hörte ich auf dem Nachhauseweg am Karlsplatz eine Sängerin, die als samstäglicher Mainact agierte, und die praktischerweise als Kuratorin des dortigen Festes fungierte, sich also der Einfachheit halber gleich selbst engagierte und ins Rampenlicht programmierte. Dem Publikum war’s wurscht, weil eh gratis. Kultur wird also billig für jene, die sie konsumieren, und ziemlich teuer für jene, die sie finanzieren müssen!

Kreative Ticketgebühren wurden nun vom Handelsgericht als Unrecht beschieden. Kauft man z. B. eine Karte für ein P&B-Konzert nicht über unsere Seite oder unsere Vorverkaufsstelle, sondern bei irgendeinem anderen Anbieter, dann kostet dieses Ticket deutlich mehr, als im Folder ausgewiesen. Zum Glück haben wir seit über eineinhalb Jahrzehnten ein eigenes Ticketingsystem, über das wir geschätzte neunzig Prozent der Karten verkaufen und sind damit praktisch autonom und nicht jemandem ausgeliefert. Wir sind also nicht in der Hand von Trittbrettfahrern, die sich ohne Risiko ein schönes Körberlgeld dazuverdienen. Gut, dass dies gerichtlich (noch nicht rechtskräftig) thematisiert wurde.

In diesem Sinne – Willkommen im Club!

Hier können Sie das September-Programm als pdf downloaden

 

Juli & August 2017

Voilà, Sie bemerken, dass wir immer weniger Lust verspüren, im Sommer auf Urlaub zu gehen. Ich gebe natürlich zu, dass dies in erster Linie auf mich selbst zutrifft (wo soll man denn auch hinfahren, wenn sich der lässigste Jazzclub vor der Haustüre befindet), meine Kolleginnen & Kollegen ächzen hin und wieder ob der nicht enden wollenden Saison, aber prinzipiell bin ich der Überzeugung, dass, wenn eh alle anderen Kulturinstitutionen pausieren, zumindest der Jazzclub ein Mindestangebot in puncto sinnvoller kultureller Freizeitgestaltung machen soll – was denken sich denn sonst all die vielen Touristen, die die Musikstadt Wien im Sommer besuchen und permanent vor verschlossenen Türen stehen?

Natürlich hat das Offenhalten der Jazzclub-Pforten auch damit zu tun, dass Musiker und Bands, die bei diversen Sommer-Festivals auftreten, den einen oder anderen Club-Gig spielen wollen, wenn sie ja sowieso gerade quasi vor Ort, sprich: in Europa sind. Das heißt, das sommerliche Programm hat einerseits mit Angebot zu tun, wofür wir andererseits aber auch Nachfrage schaffen müssen. Schauen wir einmal, in welchem Ausmaß uns das heuer gelingt.

Eine markante Änderung wird es im Herbst geben, nämlich eine neue Betreiberin der Gastronomie. Die Belegschaft von Ludwig & Adele, die uns im Laufe der drei Jahre ans Herz gewachsen ist und bei denen ich mich an dieser Stelle generell und bei Luke Bereuter und Florian Siegismund speziell bedanken möchte, reagieren auf die geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen (hauptsächlich) im Personalbereich, die sich mit einem (fairen!) Geschäftsmodell wie jenem von L&A nicht wirklich vertragen. Dies ist bedauerlich und zeugt auch von einer absoluten Überregulierung im mittelständischen Unternehmer-Umfeld, was mittelfristig dazu führen wird, dass selbst ihr Wirt ums Eck, sobald er irgendwie in Pension gehen kann, dies auch tun wird, und seine Gastwirtschaft zusperrt – und einziehen wird irgendeine globalisierte Kette, die, wie andere Franchise-Unternehmen auch, ihre Gewinne vor Versteuerung im Ö-Land in Oasen verschifft – und das faktisch legal, also unter Tolerierung des Gesetzgebers. Nicht lustig! Also müssen wir uns wieder um jemanden umsehen, der umsichtig und sensibel ab September das P&B-Publikum kulinarisch um- und versorgt. Wir werden fündig werden.

Finden müssen wir auch noch eine dauerhafte Lösung für unsere weltberühmte Kälteanlage, die dafür sorgen sollte, dass die warme Luft von außen auf dem Weg in den Club ordentlich abgekühlt wird. Jetzt ist es so, dass das im Prinzip sogar tadellos funktioniert, wenn das Ding nicht ständig ausfallen würden bzw. alle paar Wochen gewartet werden müsste – die dafür zuständige Fachfirma steht da auch vor einem Rätsel. Als wir diese Anlage installierten, waren alle Beteiligte sehr stolz darauf, weil diese Maschinen besonders energieeffizient und umweltschonend sind. Kein Wunder, wie ich meine, weil sie zumeist „offline“ sind! Nun, wir werden diesen Sommer kältetechnisch schon irgendwie „überbrücken“, aber es kann schon sein, dass es das eine oder andere Mal etwas wärmer ist als gewünscht, was aber der musikalischen Qualität wohl eher keinen Abbruch tun sollte. Im nächsten Jahr haben wir einen kompletten Tausch der Geräte bzw. eine Neukonstruktion der Klimaanlage geplant und in groben Zügen auch schon budgetiert. Bis dahin wird die alte mit viel gutem Zureden und bewährten Tricks noch ihre Dienste leisten (müssen).

In diesem Sinne darf ich einen heißen musikalischen Sommer im (halbwegs) coolen Jazzclub wünschen

Hier können Sie das Sommer-Programm als pdf downloaden

 

Juni 2017

An dieser Stelle wieder ein paar Nachrichten aus dem Inneren: Da habe ich vor Kurzem tatsächlich geschrieben, dass mit einem Konzert der Trompetenlegenden Tomasz Stanko & Enrico Rava die Spielsaison 2016/17 Mitte Juli ihr Ende finden würde. Das stimmt nun so nicht – natürlich spielen die beiden Grandseigneurs des europäischen Jazz, aber das markiert noch nicht den saisonalen Schlussstrich unter dieses Kapitel – das vierundzwanzigste übrigens in der P&B-Geschichte. Dorothy Darr, ihres Zeichens Filmemacherin und Produzentin und seit knapp viereinhalb Jahrzehnten Managerin und Ehefrau von Charles Lloyd, fragte nach, ob wir nicht am 24. Juli eine Möglichkeit hätten, den legendären Saxophonisten einzuladen. Dazu muss man wissen, dass ein Konzert mit Lloyd schon vergangenen November angedacht war, sich aber kein adäquater Termin finden ließ, was Frau Darr gar nicht goutierte – lässt sich doch ein ganz Großer der Jazzgeschichte in die Niederungen eines Jazzclubs herab, und der Betreiber des Kelleretablissements sagt ganz einfach: „Sorry, no date available.“ Nun, ihr Ärger dürfte glücklicherweise nicht von allzu langer Dauer gewesen sein. Den ersten Gig im „alten“ P&B spielte Lloyd übrigens 1995 und es stellte sich heraus, dass sein damaliger Pianist (niemand Geringerer als Bobo Stenson) das letzte Konzert der Tour in Wien nicht spielen konnte, worauf ein gewisser Franck Amsallem einsprang, der Lloyd zuvor einen Brief schrieb, in dem stand, dass er alle seine Tunes kenne und wann immer er einen Klavierspieler benötigen sollte, er sofort zur Verfügung stehen würde. Amsallem reiste also von New York nach Wien, und soweit ich weiß, war dies das erste persönliche Treffen der beiden. Sie unterhielten sich backstage über die Stücke, die sie spielen wollten, und irgendwann kurz vor dem Konzert – Lloyd hatte schon seine Bühnenkleidung an, mit einer ziemlich absurden Kopfbedeckung, die ihn eher wie Till Eulenspiegel aussehen ließ – bemerkte er mit Schrecken, das sein Instrument nicht da war und er es vermutlich im Taxi vergessen hatte, was ich mir wiederum nicht wirklich vorstellen konnte. Ein Telefonat mit dem Hotel, ein bisschen Überzeugungskraft, dass es okay sei, wenn ein Angestellter im Zimmer herumstöbert … und flugs fand sich sein Arbeitsgerät im Koffer auf dem Bett wieder und wurde kurzerhand in die Spiegelgasse transportiert. Interessant, dass selbst jemandem wie Charles Lloyd aufgrund einer geänderten Band-Situation etwas Derartiges passiert – was ihn natürlich auch sympathisch macht! Wenn ich mich richtig entsinne, dann war die Gage die höchste, die wir bis dahin gezahlt hatten – eine Summe, damals in DM, die wir diesmal verdoppelt in Euro auszahlen. The times they are a-changin’! Das 95er Konzert war übrigens super, wie eigentlich fast alle Lloyd-Gigs, die ich im Laufe der Jahre gehört habe. (Ich sage nur: Saalfelden ’87 mit Michel Petrucciani oder November 2004 mit Zakir Hussain im P&B!)

Aber auch das ist noch nicht alles, was die Rest-Saison zu bieten hat. Wir verhandeln gerade mit Stanley Clarke, der aller Voraussicht nach Ende Juli ein zweitägiges Gastspiel geben wird. Nun sind wir da sehr vorsichtig, weil der Meisterbassist schon das eine oder andere Mal angekündigt war und aus dem geplanten Engagement dann doch nichts wurde. Aber wies aussieht, sollte diesmal alles passen, auch wenn seine ganz offizielle Bestätigung noch aussteht. Das ist übrigens mit ein Grund, wieso es heuer einen Extra-Sommerfolder geben wird – mit dem Juli/August-Programm, das bis dahin wohl feststehen wird, inklusive aller „confirmations“.

In diesem Sinne wünsche ich einen spannenden musikalischen Sommerbeginn ...

Hier können Sie das Juni-Programm als pdf downloaden

 

Mai 2017

An dieser Stelle ein paar Nachrichten aus dem Inneren: Seit geraumer Zeit rezensiert Hannes Schweiger, seines Zeichens Herausgeber von „Jazz Live“ (einer leider längst eingestellten Fachzeitschrift, die anno 1983 von Wulf Müller und Rainer Rygalyk gegründet wurde), unterschiedliche Konzerte, die er im Porgy & Bess besucht. Diese Rezensionen können Sie exklusiv auf unserer Homepage nachlesen – und zwar unter „News“ bzw. „More News“ in der Rubrik „Nachhall“. Vielleicht entwickelt sich so etwas wie ein interner Diskurs oder gar eine journalistische Plattform. Die jeweiligen Fotos zu den Rezensionen stammen übrigens von Eckhart Derschmidt.

Sollte Ihnen auffallen, dass Sie plötzlich die Musiker auf der Bühne bzw. das Publikum im Souterrain besser sehen, so täuscht der Eindruck nicht. Nach knapp einem Jahrzehnt fand unser Cheftechniker Herr Matky, es sei an der Zeit, das Bühnen- und Publikumslicht dem momentanen Stand der Technik anzupassen. Das ist natürlich zu begrüßen, hat aber andererseits den Nachteil, dass nun Dinge ans „Tageslicht“ befördert werden, an denen auch dringend zu arbeiten sein wird – ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen. Eigentlich ein ähnlicher Effekt wie beim Rauchverbot, als man plötzlich wieder olfaktorische Wahrnehmung von besuchenden Menschen machen konnte bzw. musste. Trotzdem: Super Licht, danke Ronny!

Apropos ins rechte Licht rücken: Ab Mai wird ein Triptychon des Malers Lui Janele als mittelfristige Dauerleihgabe den Stiegenabgang des P&B bereichern bzw. attraktivieren. Das Kunstwerk trägt den kurzen und bündigen Titel „Joe Zawinul“ und wurde bereits vor ein paar Jahren für einige Zeit gezeigt. Eine Art Heimkehr des großen österreichischen Meisters, der bekanntlich in den 1950er Jahren gemeinsam mit Friedrich Gulda, der damals gegenüber in der Riemergasse wohnte, in den damaligen Räumlichkeiten, die schlicht „Studio 1“ hießen, konzertierte und u. a. vierhändig sogenannte „Akkordschmäuse“ servierte. 2003 gelang es uns schließlich, dass Zawinul, bevor er das Birdland eröffnete, ein zweitägiges Gastspiel im P&B gab – ein Umstand, für den ich heute noch dankbar und auf den ich auch ein bisschen stolz bin. Am 13. des Monats werden übrigens die ‚Z‘-Awards 2017 in unserem Club verliehen.

Auch wenn das letzte Konzert am 1. Juni stattfindet, sei bereits jetzt der aktuellen Stageband ein Lob ausgesprochen. Die Mannen um Lukas Kranzelbinder haben organisatorisch und musikalisch auf allen Ebenen überzeugt – vor allem Letzteres dürfte auch dem Publikum aufgefallen sein, das in Scharen kam und bestimmt auch am 1. kommen wird. Dank an dieser Stelle für den persönlichen, bis an die Grenzen der physischen Erschöpfung gezeigten Einsatz des Bassisten, von dem zukünftig auch international noch vieles zu hören sein wird. Chapeau!

Aus traurigem Anlass ein Witz des wunderbaren Karl Hodina, den er anlässlich unserer letzten Begegnung zum Besten gab: Ein Jazzmusiker bekommt vom Arzt die Diagnose, dass er nur noch eine Woche zu leben hat. Seine Antwort: Okay, aber wovon??

In diesem Sinne, kommen Sie zuhauf. Willkommen im Club!

Hier können Sie das Mai-Programm als pdf downloaden

 

April 2017

Vieles bekommt man ja mit, wenn man mit Jazzmusikern zu tun hat, und nicht alles davon ist erbaulich. Amerikanische Musiker zum Beispiel versichern sofort und glaubhaft, dass sie es nicht waren, die diesen Kerl ins Amt gewählt haben. Ich bin ja schon sehr gespannt, wie sich der Trompeter aus Russland, der im Juni spielt, diesbezüglich äußert. Musiker aus der Türkei, die auch dort leben, sind relativ vorsichtig, weil man bekanntlich nie genau wissen kann, wer da noch wo mithört. Sehr zu hoffen ist, dass sich französische Musiker in Bälde nicht ähnlich artikulieren müssen wie ihre amerikanischen Kollegen. Zumindest dieser „Kelch“ ging an der austriakischen Jazzszene vorbei, ist ja UHBP (© Hufnagl, der Ältere) zum Glück bekennender Ornette-Colemanianer und hat sich klug und würdig seine neue Bürde umgehängt. Die nächsten Jahre haben wir also präsidialerseits wohl keine gröberen Malversationen zu erwarten. Allerdings ist zu befürchten, dass die Zahl der sich entschuldigenden Musiker in näherer Zukunft eher nicht abnehmen wird.

Noch ganz im Banne des Konzertes von Abdullah Ibrahim darf ich berichten, dass der Meister vom P&B ziemlich angetan war und vor seinem Abflug verkündete, dass er gerne wieder zurückkehren möchte. Nachdem er sich für einen guten Teil des Jahres in der Nähe des bayrischen Chiemsees niedergelassen hat, dürfte der Zeitraum bis zum nächsten Konzert wohl nicht allzu lange währen. Hier hat sich also wieder eine neue Tür aufgetan, und das kann uns nur recht sein!

Auf das April-Programm will ich an dieser Stelle gar nicht näher eingehen – steht ja eh alles im Folder. Aber das offizielle Saison-Finale darf ich ankündigen: Es ist zwar noch nicht klar, ob danach – also in der Sommerpause – nicht auch noch das eine oder andere Konzert stattfinden wird, aber rein formal ist die Saison 2016/17 ab dem 16. Juli Geschichte – und sie endet mit zwei sicher denkwürdigen Abenden einer Formation, die zwei singuläre europäische Trompetenstimmen vereint: Tomasz Stanko & Enrico Rava. Ersterer feiert exakt am 11. des Monats seinen 75. Geburtstag, und die Zusammenarbeit mit seinem etwas älteren italienischen Kollegen war sein Herzenswunsch. Schön, dass wir an der Erfüllung seines Geburtstagsbegehrs partizipieren können. Und jeder heimische Trompeter, der sich diese einmalige Gelegenheit entgehen lässt, braucht eine wirklich gute Ausrede!

Und wenn wir schon so weit in die Zukunft blicken, dann tun wir es halt noch weiter: Im September 2018 wird das P&B exakt ein Vierteljahrhundert alt. Nun haben wir runde Geburtstage immer speziell zelebriert. Erinnert sich noch jemand an das Festival 2013 in der Riemergasse? Für Ideen, Anregungen, Wünsche diesbezüglich bin ich natürlich dankbar. In diesem Sinne – willkommen im Club!

Hier können Sie das April-Programm als pdf downloaden

 

März 2017

Es ist ja schon recht schwierig, einen Live-Musik-Betrieb halbwegs am Leben zu erhalten, aber eine wirkliche Herausforderung scheint es zu sein, ein Plattengeschäft zu betreiben und zwar dann, wenn man einen Angestellten zu finanzieren hat und nicht selbst im Laden steht. Im P&B begonnen haben die Kollegen vom Audio Center im Jahr 2001, die in unserer damaligen Vorverkaufsstelle (und der jetzigen Strengen Kammer) ein CD-Geschäft aufmachten, das etwas darunter litt, dass es von der Riemergasse aus nicht erkennbar war. So schlecht lief das Geschäft aber auch nicht, weil das Audio Center damals ein Zweier-Team war und entweder der eine oder der andere den Laden betreute. Nach einem Zerwürfnis zwischen den beiden, konzentrierte sich Reinhold Weber (der eine) auf sein „Stammhaus“, dem Audio Center am Judenplatz, den er bis heute auf vorbildliche Weise führt. Wir, das P&B hielten aber weiter an dieser Idee fest und führten den Shop in Zusammenarbeit mit Universal – im Hinblick auf Repertoire und Aufteilung der Personalkosten – weiter, bis es irgendwann dem Haupt-Verantwortlichen zu bunt wurde, weil das Geschäft zu wenig  abwarf. Das war übrigens derjenige, der in ein paar Jahren der Staatsoper vorstehen wird. Etwas später ergab es sich, dass wir den dem Gang angrenzenden Raum, der zuvor als eine Art Lager eines persischen Teppichhändlers gedient hatte, dazubekamen. Nach langwierigem Umbauprozedere – hätten wir von Anfang an diesen Raum als Teil des Gesamtumbaus berücksichtigen können, wäre alles deutlich einfacher gewesen – entstand im einen Teil unsere Tageskassa und im vorderen etablierte Alexander Lustig seine „Rote Laterne“ als Kompetenzzentrum in Sachen Audiophilie – und das durchaus erfolgreich. Mit Blick in die Gasse bzw. wichtiger mit einer direkten Wahrnehmung von Außen funktionierte dieses Spartenunterfangen in Bezug auf Jazz & kreative Musik ganz passabel – bis zu dem Zeitpunkt, ab dem Herr Lustig nicht mehr selbst hinter dem Verkaufspult stehen konnte und die eine oder den anderen Angestellte(n) engagieren musste. Und siehe da bzw. siehe oben: Aufgrund der schon fast wahnwitzigen Besteuerung des Faktors Arbeit geht sich ein derartiges Unternehmen ökonomisch offenbar nicht aus. Schade einerseits – und expliziten Dank an dieser Stelle an Reinhold Weber, Peter Necesany und Julian Schönfeld für den Versuch – aber auf der anderen Seite wird dieser Raum der Kunst im engeren Sinne gewidmet und als Public Domain wieder als Raum für Bildende Künstler zur Verfügung stehen, mit quartalsmäßig kurierten Ausstellungen ab April.

Auf den 20.März möchte ich an dieser Stelle noch hinwiesen: Zum einen natürlich auf das Konzert von Georg Vogel, aber vor allem auch auf den Film „Komm und sieh Rudyn“, der um 18 Uhr gezeigt werden wird. Gedreht wurde diese Dokumentation von Friedemann Derschmidt (mit Karin Schneider & Walter Pucher), der an diesem Tage einen runden Geburtstag feiert. Zu diesem Film gibt es eine bzw. mehrere Geschichten. Rudi Rudyn, ein Tänzer, der als der Mann mit den Gummibeinen in die lokale Geschichte einging, und der in den 1920 Jahren in eben diesem Raum auftrat, worin sich nun das P&B befindet. Dieser Film wurde vor dem Umbau im Frühjahr 1999 in den provisorisch adaptierten Räumen des ehemaligen Rondell-Kinos gezeigt, in Anwesenheit des Hauptdarstellers. Übrigens versuchte damals am Tag der Premiere die unterlegene Mitbewerberin um diesen Kulturraum diese Veranstaltung zu unterbinden, indem sie Anzeige wegen irgendeiner fehlenden Betriebsgenehmigung erstattete, was für uns zu einem bürokratischen Hürdenlauf führte, den wir aber schlussendlich knapp aber rechtzeitig bewältigten. Zu dieser Veranstaltung gibt es übrigens einen hochinteressanten Seitenblicke-Bericht, der hier aufgerufen werden kann. Nach erfolgreichem Umbau zeigten wir im Frühjahr 2001 diesen Film noch einmal – wieder im Beisein des hochbetagten Rudyn, der ein paar Wochen später fast 100 Jährig verstarb. Kommen Sie und schauen Sie sich das an und gerne auch noch einiges mehr.....

Hier können Sie das März-Programm als pdf downloaden

 

Februar 2017

Ein paar Meldungen aus dem Inneren: Unsere langjährige Mitarbeiterin Barbara Bruckmüller, die Sie auch als umsichtige Leiterin ihrer eigenen Bigband kennen, hat beschlossen, sich nach nunmehr 16 Jahren, in denen sie für die Administration und Organisation zuständig war, zukünftig vermehrt auf ihre musikalische Karriere konzentrieren zu wollen. Auf diesem Wege gratuliere ich zu diesem mutigen Schritt und sage vielen Dank für all das Geleistete!

Zwar bin ich ein deklarierter Fan des öffentlichen Verkehrssystems dieser Stadt, aber es soll tatsächlich auch Zeitgenossen geben, die aus unterschiedlichen Gründen die Individualvariante vorziehen und mit dem Automobil zum Jazzclub ihrer Wahl fahren. Nun hat sich da das Jazzland schon vor Jahrzehnten um eine benutzerfreundliche Lösung bemüht und mit der Garage vor der Haustür kooperiert, bei uns hat es halt etwas länger gedauert. Aber nach der meines Erachtens fragwürdigen Einführung von exklusiven Abstellplätzen nur für Anrainer hat sich die Parkplatzproblematik vor Ort deutlich verschärft. Es gäbe zwar genügend Möglichkeiten, das Auto irgendwo in der Nähe stehen zu lassen, aber zumeist halt an Stellen, wo man das nicht darf. Ums Eck des P&B in der Cobdengasse 2 gibt es eine Garage, und wenn Sie da ihr Auto zwischen 17 und 7 Uhr parken, dann zahlen Sie den ausverhandelten Kulturtarif von sage und schreibe 5,20 Euro. Das System funktioniert einfach: Sie lösen beim Reinfahren wie überall ein normales Ticket, holen sich bei unserer Kasse das Kulturticket, stecken beim Rausfahren die anfänglich gelöste Karte und bezahlen mit der im P&B käuflich erworbenen. Alles klar? Vielmehr als ein Bier zwischen An- und Abreise dürfen Sie aber auch zukünftig eher nicht konsumieren, wollen Sie längerfristig im Besitz ihres Führerscheins bleiben.

Zu etwas ganz anderem: Ausländische Kulturforen sind für die internationale Vermittlung austriakischer Kulturidentität in allen Ländern wichtig, aber für uns als Jazzclub ist natürlich das Österreichische Kulturforum in New York, kurz ACF, von prioritärer Bedeutung, gilt der Big Apple doch nach wie vor als das Zentrum des Jazz. Auch wenn der Glanz der späten 1940er und 1950er Jahre, als sich in der 52nd Street ein Jazzclub nach dem anderen reihte (Onyx, Three Deuces, Birdland, Hickory House, Downbeat, Spotlite Club, just to name a few), schon länger vorbei ist, gilt immer noch in Abwandlung eines berühmten Sinatra-Songs „If I can make it there, I’ll make it anywhere“, egal ob als Jazzclub oder -musiker. Seit 15 Jahren steht also nun das von Raimund Abraham geplante und spektakulär umgesetzte Haus in einer Baulücke von gerade 4 x 7 Metern – und das just in der 52. Straße, also in unmittelbarer Nachbarschaft der einstigen Jazzmeile. Und dieses Haus hat auch einen wunderbaren Konzertsaal mit hervorragender Akustik, den wir in der Vergangenheit auch immer wieder bespielten. „A Different Beat on 52nd Street“ nannte sich ein Schwerpunkt, den wir im Wiener Porgy & Bess anlässlich des 10-jährigen Bestehens des ACF im Jahr 2012 abhielten. 2017 feiert das ACF demgemäß eineinhalb Dekaden der Existenz. Wir gratulieren an dieser Stelle, und ich freue mich noch auf viele zukünftige transatlantische Kooperationen bzw. many more different beats!

Unterschiedliches bietet auch das aktuelle Februar-Programm: Von spannenden Solo-Konzerten (Kelvyn Bell, Ketil Bjørnstad, Idan Raichel) bis zu voluminösem Bigband-Schaffen (Lungau Big Band & Lorenz Raab oder SK Invitational um Stephan Kondert). Zwei Jazz-Legenden feiern 80. Geburtstag (Louis Hayes und Kirk Lightsey), ein Blues-Veteran betritt ein weiteres Mal die Bühne (John Mayall, bereits restlos ausverkauft!), die junge austriakische Szene (Hi5, Walter Sitz, Elias Stemeseder) präsentiert sich ebenso wie die bereits arrivierte (Micko, Middleton, Strasser, Dudli, Gonzi, Schneeberger, Schmidt) und natürlich das herausragende Stageband-Kollektiv um Lukas Kranzelbinder. (Holen Sie sich noch einen Festivalpass und stempeln Sie – Sie zahlen für zwei Konzerte und können dafür drei hören!) Und ... „& Music“ gibt es auch, mit den Singer/Songwritern Júníus Meyvant (aus Island!) oder Alex Clare oder dem türkisch-österreichischen Kollektiv Barnar. Zwei Konzerte, auf die ich mich persönlich sehr freue, möchte ich noch empfehlen: Der Meisterschlagzeuger Jeff „Tain“ Watts gibt endlich sein spätes P&B-Debüt, und mit dem Kornettisten Bobby Bradford ist ein wichtiger Wegbegleiter des unsterblichen Ornette Coleman (wieder) zu Gast. Willkommen im Club!

Hier können Sie das Februar-Programm als pdf downloaden

 

Januar 2017

So wie es aussieht, dürfte ein sehr langwieriges Projekt endlich doch noch abgeschlossen werden. Wir hinterlassen seit 1994 unsere „footprints“ in der digitalen Welt, waren also sehr früh mit einer eigenen Homepage präsent. Um die notwendigsten Updates selbst vornehmen zu können, beschäftigte ich mich mit Programmierformen und -befehlen, etwas, was gar nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Diese Homepage leistete bis Ende 2000 gute Dienste und wurde dann von einem Team rund um Friedemann Derschmidt und Michael Aschauer komplett neu umgesetzt. Diese Seite wurde u.a. für den Ticketverkauf  adaptiert und erweitert und funktioniert im Wesentlichen bis jetzt, also seit fast 17 Jahren. Unsere Homepage ist also ein wahrer Methusalem! Nun gab es aber schon vor Jahren Warnungen, dass wir uns Gedanken über eine neue Seite machen müssten, da irgendwann die alten Programme nicht mehr unterstützt oder irgendwelche Systeme umgestellt würden und somit die Gefahr bestünde, von heute auf morgen plötzlich offline zu sein. Das wäre tatsächlich ein ziemliches Problem, also hörten wir uns um und beauftragten ein junges, aufstrebendes und ambitioniertes Team, das uns versicherte, dass die neue Seite natürlich alles könne, was auch die alte schon konnte – und darüber hinaus natürlich noch vieles mehr. Vor mittlerweile eineinhalb Jahren begann das Team mit der Umsetzung, und als die ersten grafischen Vorschläge präsentiert wurden, waren wir noch zuversichtlich und guter Dinge, die Seite baldigst online stellen zu können. Doch dann stellte sich heraus, dass sich dieses Team in Bezug auf die Komplexität unserer Seite wesentlich verkalkuliert hatte, und man scheiterte schlussendlich glorreich am Ticketverkauf und beim Archiv: beides Themen, die für uns große Wichtigkeit haben. Wurde anno dazumal noch individuell programmiert, kauft man sich heute irgendwelche Tools im Netz und adaptiert sie jeweils auf die vermeintlichen Bedürfnisse. Der Versuch, eine 08/15 Webshop-Lösung zu integrieren misslang ebenso wie jener, zur Rettung ein zugekauftes Ticketsystem zu implantieren. Gespräche mit den Technikern verliefen weitgehend unbefriedigend – um es freundlich auszudrücken. Irgendwann brachen wir das Projekt ab, obwohl bereits Geld und viel Zeit investiert wurde, aber das gesamte Ding war derart heillos verfahren, dass es einfach nicht mehr zu retten war. Ärgerlich natürlich – aber besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und so kam das ursprüngliche Team wieder ins Spiel. Und siehe da, plötzlich wird wieder individuell programmiert, die Kollegen verstehen, um was es im Detail geht, nach relativ kurzer Zeit wurde ein Konzept präsentiert, das dann unverzüglich umgesetzt wurde. Irgendwann im Laufe des Januars werden Sie diese Seite begutachten können, und ich darf Sie an dieser Stelle schon jetzt ersuchen, uns dann diesbezüglich Feedback zu geben ...

Gut übrigens, dass doch die meisten einen Jazzfan in der Hofburg haben wollen. In diesem Sinne wünsche ich ein musikalisch an-, auf-, er- und sonst noch regendes Jahr 2017. Wir tun diesbezüglich unser Bestes!

Hier können Sie das Januar-Programm als pdf downloaden