11. Februar 2017
Von Christoph Huber

März-Editorial

Es ist ja schon recht schwierig, einen Live-Musik-Betrieb halbwegs am Leben zu erhalten, aber eine wirkliche Herausforderung scheint es zu sein, ein Plattengeschäft zu betreiben und zwar dann, wenn man einen Angestellten zu finanzieren hat und nicht selbst im Laden steht. Im P&B begonnen haben die Kollegen vom Audio Center im Jahr 2001, die in unserer damaligen Vorverkaufsstelle (und der jetzigen Strengen Kammer) ein CD-Geschäft aufmachten, das etwas darunter litt, dass es von der Riemergasse aus nicht erkennbar war. So schlecht lief das Geschäft aber auch nicht, weil das Audio Center damals ein Zweier-Team war und entweder der eine oder der andere den Laden betreute. Nach einem Zerwürfnis zwischen den beiden, konzentrierte sich Reinhold Weber (der eine) auf sein „Stammhaus“, dem Audio Center am Judenplatz, den er bis heute auf vorbildliche Weise führt. Wir, das P&B hielten aber weiter an dieser Idee fest und führten den Shop in Zusammenarbeit mit Universal – im Hinblick auf Repertoire und Aufteilung der Personalkosten – weiter, bis es irgendwann dem Haupt-Verantwortlichen zu bunt wurde, weil das Geschäft zu wenig  abwarf. Das war übrigens derjenige, der in ein paar Jahren der Staatsoper vorstehen wird. Etwas später ergab es sich, dass wir den dem Gang angrenzenden Raum, der zuvor als eine Art Lager eines persischen Teppichhändlers gedient hatte, dazubekamen. Nach langwierigem Umbauprozedere – hätten wir von Anfang an diesen Raum als Teil des Gesamtumbaus berücksichtigen können, wäre alles deutlich einfacher gewesen – entstand im einen Teil unsere Tageskassa und im vorderen etablierte Alexander Lustig seine „Rote Laterne“ als Kompetenzzentrum in Sachen Audiophilie – und das durchaus erfolgreich. Mit Blick in die Gasse bzw. wichtiger mit einer direkten Wahrnehmung von Außen funktionierte dieses Spartenunterfangen in Bezug auf Jazz & kreative Musik ganz passabel – bis zu dem Zeitpunkt, ab dem Herr Lustig nicht mehr selbst hinter dem Verkaufspult stehen konnte und die eine oder den anderen Angestellte(n) engagieren musste. Und siehe da bzw. siehe oben: Aufgrund der schon fast wahnwitzigen Besteuerung des Faktors Arbeit geht sich ein derartiges Unternehmen ökonomisch offenbar nicht aus. Schade einerseits – und expliziten Dank an dieser Stelle an Reinhold Weber, Peter Necesany und Julian Schönfeld für den Versuch – aber auf der anderen Seite wird dieser Raum der Kunst im engeren Sinne gewidmet und als Public Domain wieder als Raum für Bildende Künstler zur Verfügung stehen, mit quartalsmäßig kurierten Ausstellungen ab April.

Auf den 20.März möchte ich an dieser Stelle noch hinwiesen: Zum einen natürlich auf das Konzert von Georg Vogel, aber vor allem auch auf den Film „Komm und sieh Rudyn“, der um 18 Uhr gezeigt werden wird. Gedreht wurde diese Dokumentation von Friedemann Derschmidt (mit Karin Schneider & Walter Pucher), der an diesem Tage einen runden Geburtstag feiert. Zu diesem Film gibt es eine bzw. mehrere Geschichten. Rudi Rudyn, ein Tänzer, der als der Mann mit den Gummibeinen in die lokale Geschichte einging, und der in den 1920 Jahren in eben diesem Raum auftrat, worin sich nun das P&B befindet. Dieser Film wurde vor dem Umbau im Frühjahr 1999 in den provisorisch adaptierten Räumen des ehemaligen Rondell-Kinos gezeigt, in Anwesenheit des Hauptdarstellers. Übrigens versuchte damals am Tag der Premiere die unterlegene Mitbewerberin um diesen Kulturraum diese Veranstaltung zu unterbinden, indem sie Anzeige wegen irgendeiner fehlenden Betriebsgenehmigung erstattete, was für uns zu einem bürokratischen Hürdenlauf führte, den wir aber schlussendlich knapp aber rechtzeitig bewältigten. Zu dieser Veranstaltung gibt es übrigens einen hochinteressanten Seitenblicke-Bericht, der hier aufgerufen werden kann. Nach erfolgreichem Umbau zeigten wir im Frühjahr 2001 diesen Film noch einmal – wieder im Beisein des hochbetagten Rudyn, der ein paar Wochen später fast 100 Jährig verstarb. Kommen Sie und schauen Sie sich das an und gerne auch noch einiges mehr.....

Hier können Sie das März-Programm als pdf downloaden