Thu Feb. 18, 2027
20:30

Zelda Weber 'Rose Throne' (D/A)

We start the live stream approx. 1/2 hour before the concert begins (real time, no longer available after the end of the concert). By clicking on "Go to livestream" a window will open where you can watch the concert free of charge and without any registration. However, we kindly ask you to support this project via "Pay as you wish". Thank you & welcome to the real & virtual club!

Sorry this part has no English translation

Das zweite, das schwierige zweite Album also. „Warum schwierig?“, würde Zelda Weber antworten. „Es ist, was es ist: einfach und unkompliziert – gut.“ Da ist sie wieder, diese junge, bestimmte und hinter vordergründiger Schüchternheit absolut sendungsbewusste Stimme. Die Stimme von Zelda. Ihr Instrument – wiewohl: nicht ihr einziges. Vor zwei Jahren, also 2023, galt sie noch als „Next Big Thing“. Erntete für ihr Debut-Album „Crude“ reichlich Lorbeeren. „Die Presse“ lobte ihre Gesangskünste, „deren Duktus nicht ganz zufällig an Amy Winehouse erinnert“, das „profil“ erkannte „Musik, die von Retro-Charme lebt, aber geradewegs in die Zukunft blicken lässt“, FM4 spielte Songs wie „Oblivious“ oder „Go!“ rauf und runter (selbst Ö3 horchte da auf!) – und Hubert von Goisern drückte ihr gleich einen, seinen höchstpersönlichen Nachwuchspreis in die Hand. Es hätte kaum besser laufen können.

Und nun also das zweite Album. „Rose Thorne“, so der Titel, weniger blumig denn stachelig. Und dabei doch intensiv duftend, verführerisch, in voller Blüte. Produziert hat dieses Song-Bouquet Paul Gallister, den man nach seinem Erfolg mit Wanda nicht unbedingt neben einer eigenwilligen Künstlerin wie Zelda Weber im Studio vermutet hätte. Aber es ist exakt diese Kombination, die ihren Progressive Soul Pop – so das Genre, das Zelda selbst ihrer Schöpfung zugedacht hat – aus dem Gros der Austro-
Veröffentlichungen heraushebt. Und international Aufmerksamkeit finden könnte. Darauf deutet auch der Wechsel zu einem neuen, in Deutschland ansässigen Label hin, das Impulse in diese Richtung liefern wird. „Rose Thorne“ ist freilich kein Album zum Nebenbei-Hören geworden. Es fordert Aufmerksamkeit – und belohnt mit Tiefe, Gefühl und Substanz. Zelda Weber ist nicht nur Sängerin, sondern schreibt Ihre Songs selbst, spielt Klavier und Gitarre und managed ihrer Band, The Rosettes. Auch die Grafik ihrer CD- und Platten-Covers gestaltet sie selbst.

Seit ihrem Debutalbum 2023 hat Zelda Weber knapp achtzig Konzerte gespielt – von intimen Club-Gigs bis zu Festivalbühnen wie dem Donauinselfest, Burg Clam, Most & Jazz oder dem Vinyl & Music Festival. Sie war sowohl Headlinerin als auch Support für Acts wie Buntspecht, Count Basic und Hubert von Goisern. Noch lebt die in Köln geborene Künstlerin in Wien, hat aber schon London vor Augen. „Ich schreibe über Dinge, die ich eigentlich lieber verstecken würde – genau deshalb schreibe ich sie“, sagt Zelda über ihre Songs. Sie erzählen von Abschied, Reue und Selbstermächtigung. Vom Ende einer toxischen Beziehung, von Distanz, Überdruss und dem Willen, weiterzugehen. Zelda Weber singt über gebrochene Herzen, zerbrochene Egos und verbrochene Taten mit stupender Ehrlichkeit und emotionaler Abgeklärtheit, die ihrer Generation so eigen ist. „Rose Thorne“ ist ein Manifest geworden – das Manifest einer jungen Frau, die ihre Stimme gefunden hat, in jeder nur erdenklichen Bedeutung dieser Worte.

Zehn Songs umfasst das Album. Das so gar nicht schwierige, das so selbstbewusst, stolz und selbstverständlich geschaffene Album. Man kann es feiern für seinen erstaunlich reifen Umgang mit Wahrheit, Selbstschutz und gesellschaftlichen Rollen. Man kann es freilich auch einfach abspielen, Stück für Stück, und duften und atmen und wirken lassen in all seiner Pracht. (Walter Gröbchen)